GEVEST-Pressespiegel vom 1.9.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Inflation ist im August auf 3,2 Prozent gestiegen – der Anstieg um 0,4 Prozentpunkte geht laut Statistik Austria fast ausschließlich auf Treibstoffe und Heizöl zurück. Damit verdichtet sich die Erwartung, dass die EZB am 10. September den Leitzins anhebt statt senkt; variable und neu abgeschlossene Kredite würden teurer. Steuerlich steht die Gegenrechnung bereits fest: Die Tarifstufen werden 2027 um 2,27 Prozent angehoben, das entspricht zwei Dritteln der maßgeblichen Teuerung – das variable Drittel wird wie im Vorjahr einbehalten. Für Grundeigentümer im Osten Niederösterreichs und im Burgenland wird der Höchstspannungsausbau der APG konkret: rund 75 Kilometer neue Trasse, 140 neue Masten allein in Niederösterreich, ab 14. September zwölf Informationsveranstaltungen. Auf der Kostenseite bleibt die Energie der Treiber: Der Gaspreis liegt nach neuen Militärschlägen im Iran-Krieg wieder knapp unter seinem Höchststand, die Spritpreisbremse wurde – erneut ohne Margenbegrenzung – bis Ende September verlängert.
Steuer- & Unternehmensrecht
Tarifstufen 2027 werden um 2,27 Prozent angehoben – variables Drittel entfällt erneut
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hat die Verordnung zur Abgeltung der kalten Progression erlassen. Die Tarifstufen der Lohn- und Einkommensteuer steigen 2027 um 2,27 Prozent; das sind zwei Drittel der maßgeblichen Inflationsrate von 3,4 Prozent. Der Grundfreibetrag wächst von 13.539 auf 13.846 Euro. Darüber gilt der Eingangssteuersatz von 20 Prozent bis 22.491 Euro, 30 Prozent bis 37.285 Euro, 40 Prozent bis 71.960 Euro, 48 Prozent bis 107.236 Euro und 50 Prozent darüber; der Spitzensteuersatz von 55 Prozent ab einer Million Euro bleibt unverändert. Auch die Absetzbeträge und Bezugsgrenzen werden um 2,27 Prozent angehoben.
Für die Praxis wesentlich ist das, was nicht kommt: Das seit 2023 vorgesehene „variable Drittel“ – jene Mehreinnahmen, die die Regierung durch eigene Entlastungsmaßnahmen zurückgeben müsste – wird 2027 aus Spargründen einbehalten, so wie schon im Vorjahr. Die Anpassung der Lohnverrechnung und der Absetzbeträge ist damit rechtzeitig vor dem Jahreswechsel planbar.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 01.09.2026 05:09 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41221206/steuerstufen-werden-um-2-27-prozent-angehoben
- Der Standard, 01.09.2026 06:10 – https://www.derstandard.at/story/3000000337829/zwei-drittel-der-inflation-steuerstufen-werden-um-227-prozent-angehoben
- ORF.at, 01.09.2026 08:06 – https://orf.at/stories/3440836/
Bundesstaatsanwaltschaft: Begutachtung mit über 830 Stellungnahmen beendet – Koalition hält am Kern fest
Bis zum Ende der Begutachtungsfrist am Montag langten mehr als 830 Stellungnahmen ein (Stand Sonntag waren es 820), der Tenor ist überwiegend ablehnend. Neu hinzugekommen sind zwei gewichtige Kritiker: Die Spitzen aller vier Oberlandesgerichte lehnen den Entwurf entschieden ab – die Pläne öffneten ein „Einfallstor für politische Interventionen“ –, und der Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts zerpflückt den Entwurf auf 26 Seiten und fordert eine grundlegende Überarbeitung. Die Generalprokuratur sieht den Anschein politischer Einflussnahme durch die Einbindung des Nationalrats nicht beseitigt, sondern „verlagert, wenn nicht gar verstärkt“; der OGH ortet zusätzlich ein „unauflösliches Spannungsverhältnis“ darin, dass dieselbe Behörde oberste Weisungsspitze und Nachfolgerin der Generalprokuratur sein soll.
Politisch bewegt sich wenig: Aus Regierungskreisen heißt es, an der Einbindung des Parlaments werde nicht gerüttelt, Änderungen etwa bei der Funktionsperiode seien möglich. ÖVP-Justizsprecher Klaus Fürlinger will das Gesetz ohne grundlegende Änderungen beschließen, Neos-Justizsprecherin Sophie Wotschke erwartet Nachbesserungen. Da FPÖ und Grüne ablehnen, fehlt weiterhin die Verfassungsmehrheit.
Quellen:
- Der Standard, 31.08.2026 15:11 – https://www.derstandard.at/story/3000000337653/gesetzesentwurf-der-regierung-zur-bundesstaatsanwaltschaft-stoesst-auf-breite-ablehnung
Foodora: BWB-Ermittlungen wegen Marktmachtmissbrauchs
Seit Montag sind keine neuen Angaben dazugekommen. Kern für die Vertragspraxis bleibt: Exklusivitätsvereinbarungen, enge Bestpreisklauseln, einseitige Vertragsänderungen und Strafgebühren von bis zu 10 Euro stehen unter kartellrechtlichem Verdacht; Foodora hält 50 bis 60, Lieferando 40 bis 50 Prozent des Marktes. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Quellen:
- Der Standard, 31.08.2026 10:21 – https://www.derstandard.at/story/3000000337666/bwb-ermittelt-gegen-foodora
- Die Presse, 31.08.2026 10:26 – https://www.diepresse.com/41218422/wettbewerbsbehoerde-ermittelt-gegen-foodora
- Kleine Zeitung, 31.08.2026 11:25 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41218473/ermittlungen-gegen-essenslieferant-foodora-wegen-monopolverdacht
- Kurier, 31.08.2026 17:12 – https://kurier.at/wirtschaft/bwb-foodora-lieferando-essenszustellung-wettbewerb/403187451
FTC klagt Amazon wegen manipulierter Werbeauktionen
Die US-Wettbewerbsbehörde FTC und die Generalstaatsanwälte von 22 Bundesstaaten haben Amazon verklagt. Der Vorwurf: Über sieben Jahre habe der Konzern die Preise bei Auktionen für Werbeplätze heimlich nach oben getrieben und dabei wahrscheinlich zweistellige Milliardenbeträge verdient. Nach den eigenen Regeln müsste der Höchstbietende nur einen Cent mehr als der Zweitplatzierte zahlen; laut Klage kassierte Amazon bei der Produktwerbung in nahezu vier von fünf Fällen das volle Gebot und trieb die Preise zusätzlich mit fiktiven Auktionsteilnehmern hoch. In internen Dokumenten sei von einem „versteckten Aufschlag“ die Rede. Die Aktie gab rund 2,5 Prozent nach; Amazon äußerte sich zunächst nicht.
Der Fall ist US-Recht und hat keine unmittelbare Wirkung hierzulande. Für Werbetreibende ist er dennoch bemerkenswert, weil er das Grundproblem intransparenter Auktionsplattformen zeigt: Die Preisbildung ist für den Bieter nicht überprüfbar.
Quellen:
- Der Standard, 01.09.2026 06:40 – https://www.derstandard.at/story/3000000337831/us-wettbewerbsbeh246rde-verklagt-amazon-wegen-unfairer-werbepreise
- ORF.at, 31.08.2026 22:31 – https://orf.at/stories/3440819/
- Kleine Zeitung, 31.08.2026 22:39 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41221133/amazon-unter-verdacht-behoerde-klagt-wegen-preismanipulation
- Kurier, 01.09.2026 07:35 – https://kurier.at/wirtschaft/us-wettbewerbsbehoerde-amazon-werbepreise-klage/403187614
Energie & Bau
APG-Netzverstärkung Ost: 75 Kilometer neue Trasse, Infoveranstaltungen ab 14. September
Der Übertragungsnetzbetreiber APG konkretisiert eines der größten Strominfrastrukturprojekte in Niederösterreich und im Burgenland. Geplant sind rund 75 Kilometer Trassenneubau auf 380-kV-Ebene (davon 45 Kilometer in Niederösterreich), der Abbau von etwa 70 Kilometern bestehender Leitungen (40 Kilometer in Niederösterreich) und stärkere Leiterseile auf weiteren rund 16 Kilometern. Allein in Niederösterreich entstehen etwa 140 neue Masten; die neuen Standardmasten sind mit 68,5 Metern deutlich höher als die bisherigen 220-kV-Masten mit 42 Metern. Ein Schwerpunkt ist die Verbindung vom Umspannwerk Wien Südost über Sarasdorf (Bezirk Bruck/Leitha) und Trumau (Bezirk Baden) Richtung Burgenland, wo in Parndorf ein neues Umspannwerk entstehen soll.
Für Grundeigentümer ist das der praktisch wichtigste Punkt des Tages: Betroffen sind laut aktueller Planung Bruck/Leitha, Höflein, Rohrau, Himberg, Ebergassing, Göttlesbrunn-Arbesthal, Moosbrunn, Trautmannsdorf, Götzendorf, Enzersdorf und Gramatneusiedl (alle Bezirk Bruck/Leitha) sowie Münchendorf und Trumau (Bezirk Baden). Wie stark ein einzelnes Grundstück berührt wird, hängt von Trassenführung und Maststandorten ab – genau das wird zwischen 14. September und 1. Oktober bei zwölf Informationsveranstaltungen präsentiert; rund 38.000 Haushalte wurden per Post verständigt. Die UVP-Einreichung ist für Ende 2027 vorgesehen, der Baustart frühestens 2030. Der geringste derzeit geplante Abstand eines neuen Mastes zu einer Siedlung beträgt in Einzelfällen rund 250 Meter.
Quellen:
- ORF.at, 01.09.2026 07:16 – https://noe.orf.at/stories/3369252/
Spritpreisbremse bis Ende September verlängert – Gas- und Ölpreis ziehen weiter an
Die Mineralölsteuer bleibt bis Ende September um 1,9 Cent je Liter gesenkt; ebenso bleibt die Pflicht der Tankstellen bestehen, Senkungen der internationalen Notierungen rasch weiterzugeben. Die Margenbeschränkung bleibt ausgesetzt – Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) setzte sich damit erneut gegen Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und den ÖGB durch, die eine Spritpreisbremse ohne Margenbegrenzung für weitgehend wirkungslos halten. Hattmannsdorfer verweist darauf, dass Österreichs Spritpreise unter dem EU-Durchschnitt lägen.
Der Kostendruck kommt von den Rohstoffmärkten: Brent notiert bei rund 90 Dollar, WTI bei rund 86 Dollar je Fass. Der Erdgas-Terminkontrakt TTF (Lieferung in einem Monat) wurde am Montag in Amsterdam mit 69,13 Euro je Megawattstunde gehandelt, mehr als 3 Prozent über dem Freitagswert und nur knapp unter dem Höchststand von etwas über 70 Euro aus dem März. Binnen drei Wochen hat sich Erdgas um rund ein Drittel verteuert. Treiber sind die erneuten gegenseitigen Militärschläge von USA und Iran – die USA nahmen zwei Raketenabschussrampen nahe der Straße von Hormuz ins Visier, der Iran antwortete mit Angriffen auf US-Stützpunkte – sowie die vergleichsweise geringen Füllstände der europäischen Gasspeicher. Für die Betriebskosten der kommenden Abrechnungsperiode ist damit weiter nach oben zu rechnen.
Anmerkung: Der Standard nennt den Gaspreis mit „rund 70 Euro“, die Presse mit dem exakten Schlusswert von 69,13 Euro; gemeint ist derselbe Kurs.
Quellen:
- Die Presse, 31.08.2026 10:21 – https://www.diepresse.com/41218419/europaeischer-gaspreis-klettert-wieder-richtung-rekordniveau
- Der Standard, 31.08.2026 11:36 – https://www.derstandard.at/story/3000000337717/spritpreisbremse-wird-erneut-ohne-margenbegrenzung-verlaengert
- Die Presse, 31.08.2026 11:40 – https://www.diepresse.com/41218812/spritpreisbremse-wird-um-ein-weiteres-monat-verlaengert
- Kleine Zeitung, 31.08.2026 12:23 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41219073/spritpreisbremse-verlaengert-was-im-september-gilt-und-was-nicht
- Der Standard, 31.08.2026 16:08 – https://www.derstandard.at/story/3000000337734/oelpreis-steigt-spritpreisbremse-wird-verlaengert
Insolvenzen in Holz- und Bauhilfsgewerbe
Zwei Verfahren aus derselben Wertschöpfungskette. Die Schaffer Sägewerk-Holzexport GmbH aus Eppenstein (Bezirk Murtal) hat am Landesgericht Leoben ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt – Passiva 29,3 Millionen Euro, Aktiva 4,5 Millionen, rund 100 Gläubiger, 69 Dienstnehmer, angebotene Quote 30 Prozent binnen zwei Jahren. Auslöser waren technische Probleme einer neuen Produktionsanlage, in der Folge Reklamationen, abspringende Geschäftspartner und die Fälligstellung sämtlicher Kredite durch die finanzierende Bank; dazu kommt ein trotz Absatzproblemen hohes Rundholzpreisniveau. Seit Montag hat sich am Verfahren nichts geändert.
Neu ist ein kleineres Verfahren: Über das Vermögen des Spenglers Jürgen Guggenberger aus Kirchbach im Gailtal wurde nach Anträgen von Gläubigern ein Konkursverfahren eröffnet.
Abweichung zwischen den Medien: Der Teaser der Presse spricht von Schulden „knapp 25 Millionen Euro“, im Fließtext beider Häuser stehen 29,3 Millionen Euro Passiva. Maßgeblich sind die 29,3 Millionen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 31.08.2026 11:01 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41218511/schaffer-holz-insolvent-steirer-brachten-sanierungsantrag-ein
- Die Presse, 31.08.2026 11:25 – https://www.diepresse.com/41218771/grossinsolvenz-in-der-steirischen-saegewerks-und-holzbranche
- Kleine Zeitung, 31.08.2026 14:39 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41220020/gailtaler-spengler-ist-in-die-insolvenz-gerutscht
Emma Delaney übernimmt die OMV
Seit 1. September führt die Irin Emma Delaney (53) die OMV; sie folgt Alfred Stern nach und ist derzeit die einzige weibliche Vorstandsvorsitzende eines ATX-Konzerns. Ihr Vertrag läuft zunächst drei Jahre und kann um zwei verlängert werden. Sie übernimmt einen Konzern mitten in der Transformation zum Petrochemie-Dienstleister – die Kunststofftochter Borealis geht mit Borouge und Nova Chemicals in der Borouge Group International AG mit Sitz in Wien auf –, dessen Gewinne aber weiterhin überwiegend aus dem fossilen Geschäft stammen: Nach 1,52 Milliarden Euro Jahresgewinn im Vorjahr wies die OMV per Ende Juni ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,71 Milliarden Euro aus, ein Plus von 65 Prozent. Greenpeace fordert einen sofortigen Kurswechsel weg von Öl und Gas. RBI-Analyst Gregor Koppensteiner hält den Konzern für „grundsolide“ aufgestellt; als künftige Geschäftsfelder werden Wasserstoff für die Industrie und Erdwärme fürs Heizen genannt. Für Betriebe ist vor allem die Frage relevant, ob die OMV die Versorgung mit Öl und Gas zu stabilen Preisen weiter garantieren kann.
Quellen:
- Der Standard, 01.09.2026 05:00 – https://www.derstandard.at/story/3000000337681/emma-delaney-uebernimmt-das-ruder-bei-der-omv-was-erwartet-die-neue-chefin
- Kleine Zeitung, 31.08.2026 19:00 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41220426/erstmals-eine-frau-emma-delaney-startet-als-neue-omv-chefin
- ORF.at, 01.09.2026 08:31 – https://orf.at/stories/3440740/
Wirtschaft & Konjunktur
Inflation im August bei 3,2 Prozent – Zinsanhebung am 10. September erwartet
Nach der Schnellschätzung der Statistik Austria ist die Teuerung im August auf 3,2 Prozent gestiegen, nach 2,8 Prozent im Juli. Generaldirektorin Manuela Lenk führt den Anstieg um 0,4 Prozentpunkte „fast ausschließlich“ auf Preisschübe bei Treibstoffen und Heizöl zurück; im Juli hatte die Mehrwertsteuersenkung für ausgewählte Grundnahrungsmittel die Rate erstmals seit Dezember 2024 unter jene der Eurozone gedrückt (2,8 gegenüber 2,9 Prozent). Beide Werte liegen deutlich über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Erwartet wird daher, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 10. September den Leitzins von derzeit 2,25 Prozent um einen Viertelprozentpunkt anhebt – variable und neu abgeschlossene Kredite würden entsprechend teurer. In dieselbe Richtung weist ein EZB-Ratsmitglied, das laut OÖ Nachrichten vor steigender Inflation warnt.
Auf der Absatzseite bleibt es flau: Der Einzelhandel kam im ersten Halbjahr real nur um 0,1 Prozent voran – „de facto Stagnation“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will –, und das Wifo erwartet für 2026 wie für 2027 lediglich ein Plus von 0,4 Prozent bei den privaten Konsumausgaben. Der Preismonitor der Arbeiterkammer zeigt für 53 Schulartikel einen Anstieg von durchschnittlich 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei Preisunterschieden zwischen den Handelsketten von bis zu 100 Prozent.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 01.09.2026 09:04 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41221109/oesterreichs-inflationsrate-klettert-auf-3-2-prozent
- Oberösterreichische Nachrichten, 01.09.2026 09:02 – https://www.nachrichten.at/wirtschaft/ezb-ratsmitglied-warnt-vor-steigender-inflation;art15,4207369
- Der Standard, 01.09.2026 09:09 – https://www.derstandard.at/story/3000000337686/inflation-bei-32-prozent-fuer-das-neue-schuljahr-muessen-eltern-tief-in-die-tasche-greifen
- ORF.at, 01.09.2026 09:16 – https://orf.at/stories/3440842/
Vorsorgepaket des Kanzlers: Zukunftsdepot und Staatsfonds
Zwei Vorhaben aus derselben Linie. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) kündigt im ORF-Sommergespräch ein Zukunftsdepot an: Für jedes Kind unter 18 Jahren soll bei teilnehmenden Banken – spesenfrei – ein Depot eröffnet werden können, Einzahlungen bis 5.000 Euro jährlich, Entnahme ab dem 18. Geburtstag ohne die sonst fällige Wertpapier-KESt von 27,5 Prozent. Inkrafttreten spätestens 1. Jänner 2027; die Umsetzung liegt bei Familien- und Finanzministerium, das Modell soll gesetzlich gegen ein Aufschnüren durch Nachfolgeregierungen abgesichert werden. Erste Bank und Wiener Börse begrüßen den Vorschlag. Hintergrund: Die österreichischen Haushalte halten laut OeNB rund 937 Milliarden Euro Geldvermögen, davon 36 Prozent in Einlagen und nur rund 21 Prozent in Wertpapieren.
Beim Staatsfonds – jährlich 700 Millionen Euro aus den für 2028 mit rund 1,4 Milliarden Euro budgetierten Dividenden der Staatsbeteiligungen – fällt das Echo gespalten aus. Neos und Industriellenvereinigung sind dafür, FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch nennt den Plan „skurril und realitätsfremd“ und wirft der ÖVP „Casino-Mentalität“ vor. Der Kommentar der Presse ordnet die Größenordnung ein: 700 Millionen Euro entsprechen 0,14 Prozent der Wirtschaftsleistung, während heuer allein 20,3 Milliarden Euro Bundeszuschuss in die Pensionsversicherung und 13,9 Milliarden Euro in die Beamtenpensionen fließen – ein Staatsfonds wirke erst über Jahrzehnte und ersetze keine Pensionsreform. Finanzexperte Josef Obergantschnig rechnet vor, dass 700 Millionen Euro jährlich bei norwegischer Rendite nach 30 Jahren rund 64,5 Milliarden Euro ergäben; zum Vergleich flossen dem norwegischen Fonds 2.830 Euro je Einwohner und Jahr zu, in Österreich wären es 76 Euro. Übertragbar wären aus seiner Sicht die gesetzliche Entnahmeregel von maximal drei Prozent, eine konjunkturunabhängige Speisung, strikt ausländische Veranlagung und Transparenz.
Für die Vermögens- und Nachfolgeplanung ist vorerst nur die Richtung erkennbar; ein Gesetzestext liegt nicht vor, und der Kanzler stellt den Staatsfonds ausdrücklich unter den Vorbehalt, „sofern es die budgetären Rahmenbedingungen zulassen“.
Quellen:
- Der Standard, 31.08.2026 21:10 – https://www.derstandard.at/story/3000000337817/kanzler-stocker-zukunftsdepot-soll-vorsorge-fuer-kinder-sichern
- Der Standard, 01.09.2026 07:51 – https://www.derstandard.at/story/3000000337834/zukunftsdepot-fuer-kinder-legen-wir-los
- Die Presse, 31.08.2026 15:06 – https://www.diepresse.com/41220115/ein-staatsfonds-loest-oesterreichs-akutes-pensionsproblem-nicht
- Die Presse, 31.08.2026 15:06 – https://www.diepresse.com/41218386/norwegens-staatsfonds-ein-vorbild-fuer-oesterreich
Arbeitsmarkt: Vollzeitanteil erstmals seit Jahren wieder höher
Eine Auswertung der Jobplattform karriere.at über die auf ihrer Website ausgeschriebenen Stellen zeigt den Teilzeitanteil um einen Prozentpunkt auf 15 Prozent gesunken, den Vollzeitanteil auf 75 Prozent gestiegen – der höchste Wert seit mehr als zehn Jahren. CEO Georg Konjovic spricht ausdrücklich nicht von einer Trendwende: Der Teilzeitanteil liege weiter deutlich über dem Niveau des vergangenen Jahrzehnts, und die Verschiebung erkläre sich aus der schwächeren Konjunktur, dem Wandel zum Arbeitgebermarkt und der geringeren Nachfrage in teilzeitstarken Berufsfeldern wie Assistenz und Verwaltung. Vollzeit dominiert in Führung, IT und Technik; Teilzeit im Gesundheits-, Sozial- und Betreuungsbereich. Rund jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet Teilzeit, bei den Männern sind es 14 Prozent. ÖGB und Arbeiterkammer werben in diesem Zusammenhang für ein Familienarbeitszeitmodell, bei dem beide Elternteile auf 28 bis 32 Wochenstunden reduzieren und dafür je 350 Euro monatlich erhalten.
Für die Personalplanung ist das die brauchbare Botschaft: Ausschreibungen mit voller Wochenarbeitszeit finden derzeit wieder leichter Bewerber als in den Vorjahren. Die Zahlen beziehen sich auf ausgeschriebene Stellen, nicht auf die tatsächliche Beschäftigung.
Quellen:
- Der Standard, 31.08.2026 12:26 – https://www.derstandard.at/story/3000000337654/erstmals-seit-jahren-weniger-teilzeitstellen
- Die Presse, 31.08.2026 14:23 – https://www.diepresse.com/41219507/jobmarkt-vollzeitstellen-legen-wieder-zu
Salzburg: Betriebsübergang im Hyperion-Hotel nach Insolvenz des Eigentümers
Das Hyperion-Hotel in der Salzburger Rainerstraße wird seit Dienstag von der Münchner Gruppe Motel One geführt; der bisherige Eigentümer, die Revo-Gruppe, war in die Insolvenz geschlittert. Betroffen sind bis zu 25 Beschäftigte. Der bisherige Eigentümer hat die Belegschaft schriftlich informiert, dass es sich arbeitsrechtlich um einen Betriebsübergang handelt – Kündigungen, die ausschließlich damit begründet werden, sind laut Gewerkschaft nicht rechtswirksam. Offen ist, welche Leistungen erhalten bleiben: Motel One betreibt vor allem Low-Budget-Häuser, das Hyperion hat Restaurantbetrieb und beschäftigt unter anderem Gepäckträger, Empfangschef und Küchenchef; Tischreservierungen für Weihnachten und Silvester wurden bereits storniert. Der Betrieb ist gewerkschaftlich nicht organisiert, Motel One hat auf eine ORF-Anfrage nicht reagiert. Salzburg verliert damit einen Fünfsternebetrieb.
Quellen:
- ORF.at, 01.09.2026 06:05 – https://salzburg.orf.at/stories/3369271/
Shein: schwacher Börsenstart in Hongkong
Der Online-Modehändler Shein ist am Dienstag in Hongkong enttäuschend gestartet. Die Aktie war mit 48,56 Hongkong-Dollar nur in der Mitte der Preisspanne zugeteilt worden und fiel am ersten Handelstag zeitweise deutlich unter den Ausgabepreis. Anleger sorgen sich, dass die neuen Zoll- und Abgabenregelungen in den USA und Europa das Geschäftsmodell des Direktversands aushöhlen; laut einem Analysten sind die täglich aktiven Nutzer in Europa um rund 45 Prozent eingebrochen. Für Vermieter von Einzelhandelsflächen ist weniger der Kurs interessant als die Diagnose eines Analysten von eToro, dies sei „das Ende einer Ära für den billigen grenzüberschreitenden Versand“ – der Kostenvorteil des Direktimports gegenüber dem stationären Handel schrumpft.
Abweichung zwischen den Medien: Die Überschriften nennen einheitlich ein Minus von „bis zu acht Prozent“, im Fließtext des Standard ist von zeitweise bis zu zehn Prozent unter Ausgabepreis und später vier Prozent im Minus die Rede. Auch die Bewertung differiert: rund 25 Milliarden Dollar (Der Standard) gegenüber rund 24 Milliarden Dollar (Die Presse, Kurier) beziehungsweise 22,6 Milliarden Euro (Kleine Zeitung). Einigkeit besteht darin, dass das nur noch ein Bruchteil des Höchststands von fast 100 Milliarden Dollar aus 2022 ist.
Quellen:
- Der Standard, 01.09.2026 07:07 – https://www.derstandard.at/story/3000000337835/modeh228ndler-shein-entt228uscht-bei-b246rsengang-in-hongkong
- ORF.at, 01.09.2026 07:07 – https://orf.at/stories/3440831/
- Die Presse, 01.09.2026 07:48 – https://www.diepresse.com/41221265/modehaendler-shein-enttaeuscht-bei-boersengang
- Kurier, 01.09.2026 07:54 – https://kurier.at/wirtschaft/modehaendler-shein-boersengang-hongkong-bewertung/403187620
- Kleine Zeitung, 01.09.2026 08:29 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41220979/onlinehaendler-shein-mit-22-6-milliarden-euro-bewertet
Immobilien & Wohnrecht
China beendet die Vorverkaufsfinanzierung im Wohnbau
Chinas Zentralbank und Finanzaufsicht dürfen Hypotheken an Wohnungskäufer künftig erst auszahlen, wenn das Projekt fertiggestellt ist. Damit endet das Modell, den Bau aus Vorverkäufen zu finanzieren – nach Einschätzung der Investmentbank Nomura machten Vorverkäufe im vergangenen Jahr 68 Prozent aller Verkäufe neuer Wohnungen aus. Die Aktien der Branche brachen ein: Der CSI300 Real Estate Index verlor 4,6 Prozent, der Hongkonger Bauträgerindex 6,5 Prozent, die staatlich gestützten Entwickler China Jinmao und Yuexiu Property mehr als 14 Prozent. Ein Manager rechnet damit, dass 40 Prozent des operativen Cashflows wegfallen. Zugleich wird die maximale Hypothekenlaufzeit von 30 auf 40 Jahre verlängert, was die Nachfrage nach Einschätzung von Experten aber kaum ankurbeln dürfte. Anlass war der Zusammenbruch von Evergrande; dessen Gründer Xu Jiayin wurde im August in Shenzhen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Unmittelbare Wirkung auf den österreichischen Markt hat das nicht. Bemerkenswert ist der Regelungsansatz: Der Kaufpreis darf erst fließen, wenn geliefert ist – dieselbe Logik, die das heimische Bauträgervertragsgesetz mit Ratenplan und Sicherungsmodellen verfolgt.
Quellen:
- Der Standard, 31.08.2026 16:45 – https://www.derstandard.at/story/3000000337799/china-mit-neuen-finanzierungsregeln-f252r-immobilien-aktien-brechen-ein
Entscheidung
ob monatliche oder vierteljährliche UVA
Jahreslohnzettel
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Jahresendbeleg
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