GEVEST-Pressespiegel vom 2.11.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die heimische Industrie erholt sich: Der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria ist zum vierten Mal in Folge gestiegen und liegt auf dem höchsten Stand seit 53 Monaten, wegen des hohen Gaspreises geraten aber die Margen unter Druck, und laut E-Control ziehen auch die Strompreise an. Die Zahl der Firmenpleiten bleibt hoch: Der KSV1870 erwartet heuer rund 6800 Insolvenzen und für das kommende Jahr eine Seitwärtsbewegung. Im Streit um das Klimagesetz kritisiert das IHS die Ausnahmeklausel zum Zieljahr 2040 als Gegenteil von Planungssicherheit, Unternehmen verweisen auf fehlende Netzanschlüsse. Das Zukunftsdepot für ab 2027 geborene Kinder ist in Begutachtung, und Kanzler Christian Stocker reist mit rund 50 Wirtschaftsvertretern nach China.
Wirtschaft & Konjunktur
Industrie wächst wieder, Kostendruck durch hohe Gaspreise
Der Einkaufsmanagerindex, den S&P Global für die Bank Austria erhebt, ist zum vierten Mal in Folge gestiegen und erreicht den höchsten Wert seit 53 Monaten. Auftragslage und Produktion haben sich gebessert, die Nachfrage aus dem In- und Ausland zieht an; zugleich haben sich die Lieferkettenprobleme und der Kostendruck infolge der Spannungen im Nahen Osten verschärft. Der Großhandelspreis für Erdgas stieg zur Wochenmitte zeitweise auf über 100 Euro je Megawattstunde, nach rund 70 Euro zu Monatsbeginn. Laut EY-Industriebarometer lag der Umsatz der Industrie im zweiten Quartal 2026 um 4,6 Prozent über dem Vorjahr, die Metallerzeugung legte um 15,6 Prozent zu, der Maschinenbau stagnierte; die Exporte stiegen im zweiten Quartal um fast acht Prozent auf 50,7 Milliarden Euro. Wifo und IHS erwarten ein reales Wachstum der Industrieproduktion und für die Gesamtwirtschaft heuer ein Plus von knapp einem Prozent. Weil höhere Herstellungskosten oft nicht weitergegeben werden können, rechnet die Bank Austria dennoch mit 6000 Industriebeschäftigten weniger im Jahresschnitt und einer Arbeitslosenquote in der Industrie von 4,3 Prozent, gegenüber 7,6 Prozent in der Gesamtwirtschaft. Als Einzelfälle nennt der Bericht die geplante Investition von Infineon von rund 1,1 Milliarden Euro bis 2034 in Villach und die drohende Schließung des Penicillin-Werks in Kundl.
Quellen:
- Der Standard, 01.11.2026 17:45 – <https://www.derstandard.at/story/3000000346473/robuster-als-gedacht-heimische-industrie-waechst-wieder?ref=rss>
Insolvenzen bleiben hoch, Unternehmensverschuldung sinkt
In den ersten drei Quartalen gab es in Österreich 5150 Firmeninsolvenzen, im Schnitt 19 pro Tag; der KSV1870 erwartet bis Jahresende rund 6800 und damit etwa so viele wie im Vorjahr, für das kommende Jahr eine Seitwärtsbewegung. Weltweit rechnet der Kreditversicherer Coface heuer mit rund sechs Prozent mehr Insolvenzen, vor dem Irankrieg waren 2,8 Prozent erwartet worden. Gleichzeitig ist die Verschuldung nichtfinanzieller Unternehmen gemessen am BIP seit 2016 gesunken, in der Eurozone laut BIZ von 112 auf 103 Prozent, vor allem wegen des inflationsbedingt starken nominellen Wachstums. Nach Einschätzung des KSV1870 erklären Schuldenstand und Finanzierungskosten Pleiten nicht allein, sie sind Teil einer insgesamt höheren Kostenbelastung aus Energie, Personal und Zinsen; Coface verweist zudem auf strengere Kreditvergabe der Banken. Mehr als 85 Prozent der Insolvenzen betreffen Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, die Insolvenzrate der wirtschaftsrelevanten Unternehmen liegt bei 1,43 Prozent. Für Vermieter von Geschäftsflächen und Gläubiger bleibt das Ausfallrisiko bei kleinen Mietern damit erhöht, besonders in Bau, Handel und Gastronomie.
Quellen:
- Die Presse, 01.11.2026 08:14 – <https://www.diepresse.com/41393549/die-schuldenlast-sinkt-aber-die-zahl-der-firmenpleiten-steigt>
Stocker reist mit Wirtschaftsdelegation nach China
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bricht mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und rund 50 Wirtschaftsvertretern zu einer sechstägigen Reise nach China auf, Höhepunkt ist ein Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping am Freitag. China ist inzwischen Österreichs drittwichtigster Handelspartner; laut IHS konnten heimische Firmen ihre Marktanteile in China zwischen 2017 und 2025 dank starker Spezialisierung ausbauen, etwa bei Pharmaprodukten, Stahlwaren und Fahrzeugteilen. Nach Wifo-Umfragen unter den 300 größten Industrieunternehmen sind die Firmen aber vorsichtiger geworden, mehr als die Hälfte würde für widerstandsfähigere Lieferketten höhere Beschaffungskosten akzeptieren. Die EU arbeitet an neuen Handelsschutzinstrumenten, die im Dezember beschlussreif sein könnten; am 10. November läuft die vorübergehende Aussetzung chinesischer Exportkontrollen aus, unter anderem für Seltene Erden.
Quellen:
- Der Standard, 01.11.2026 17:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000346188/china-hatte-eine-strategie-europa-war-blauaeugig-kann-oesterreich-in-peking-noch-etwas-ausrichten?ref=rss>
Deutschland: Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie
In der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben nach Ablauf der Friedenspflicht die ersten Warnstreiks begonnen; die IG Metall will sie in dieser Woche bundesweit ausweiten. Es geht um die Entgelte von rund 3,7 Millionen Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr bei zwölf Monaten Laufzeit sowie Job- und Standortsicherung, die Arbeitgeber bieten eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine Erhöhung um 1,3 Prozent im Juli 2028. Für österreichische Zulieferer ist der Verlauf wegen der engen Verflechtung mit der deutschen Industrie von Bedeutung.
Quellen:
- ORF.at, 01.11.2026 14:18 – <https://orf.at/stories/3446776/>
Steuer- & Unternehmensrecht
Zukunftsdepot in Begutachtung
Das steuerlich begünstigte Zukunftsdepot soll im Juli 2027 eingeführt werden, der Gesetzesentwurf ist nun in Begutachtung. Vorgesehen ist ein Startbonus von 500 Euro für alle ab 2027 geborenen Kinder, die Steuerbegünstigung gilt bis zum 18. Geburtstag.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 01.11.2026 11:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41407201/zukunftsdepot-was-es-bringen-soll-und-was-es-kostet>
OGH: Schockschaden auch ohne Lebensgefahr, wenn Angehörige den Unfall miterleben
Der Oberste Gerichtshof hat die Haftung eines Hundezüchters gegenüber einer ganzen Familie bestätigt (8 Ob 78/26t): Bei einer Welpenbesichtigung hatte die Mutterhündin, die schon am Vortag aggressiv reagiert hatte und in einem unversperrten Raum gehalten wurde, einem zehnjährigen Buben großflächig die Kopfhaut abgerissen. Der Halter hätte wegen des Beschützerinstinkts des Muttertiers für eine besonders sichere Verwahrung sorgen müssen. Wichtig ist die Klarstellung zum Schockschaden: Die strengen Voraussetzungen, wonach nur bei schwersten Verletzungen des direkt Betroffenen Ersatz zusteht, gelten bei Erhalt einer Unfallnachricht; wer das Unglück selbst mitansehen muss, kann auch ohne Lebensgefahr des Opfers Ersatz verlangen. Die Mutter erhält 6000 Euro, eine Schwester 3000 Euro; der Bub klagte rund 71.000 Euro ein. Für Halter, Veranstalter und Betreiber, die Besucher Gefahrenquellen aussetzen, erweitert das den Kreis möglicher Anspruchsberechtigter.
Quellen:
- Die Presse, 02.11.2026 05:27 – <https://www.diepresse.com/41401723/hund-skalpiert-kind-waehrend-es-die-welpen-streichelt-zuechter-zu-schadenersatz-an-die-gesamte-familie-verurteilt>
Energie & Bau
E-Control: Hohe Gaspreise ziehen Strompreise mit
Zu Beginn der Heizsaison liegen die Gaspreise auf dem Niveau von 2022; Johannes Mayer, Leiter der Volkswirtschaftsabteilung der E-Control, nahm dazu in der ZIB2 Stellung. Weil in Spitzenzeiten Gaskraftwerke den Strompreis bestimmen, ziehen auch die Strompreise an. Für die Betriebskosten im Wohnbau und für gewerbliche Mieter zeichnen sich damit höhere Heiz- und Energiekosten im kommenden Winter ab.
Quellen:
- ORF.at, 01.11.2026 19:31 – <https://orf.at/stories/3446795/>
Klimagesetz: Kritik an Ausnahmeklausel, Netzanschlüsse als Engpass
Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer drängen darauf, das Zieljahr 2040 für die Klimaneutralität im geplanten Klimagesetz fallen zu lassen. Das IHS kritisiert vor allem die Klausel, wonach das Zieljahr bei gravierenden volkswirtschaftlichen oder sozialen Folgen verschoben werden soll: Sie bewirke das Gegenteil von Planungssicherheit. Als eigentlichen Engpass nennen Unternehmen und die Europäische Umweltagentur fehlende Infrastruktur; so könne Manner seine Waffelöfen nicht von Gas auf Strom umstellen, weil die Wiener Netze den nötigen Netzanschluss nicht bieten. Europaweit stockt die Dekarbonisierung der Industrie, Projekte für grünen Stahl und CO2-freien Zement wurden in Deutschland gestoppt, während die Voestalpine an ihren Plänen festhält; die beschlossene Aufweichung des Emissionshandels schwächt solche Vorhaben. Das Gesetz dürfte bis zur Beschlussfassung noch geändert werden.
Quellen:
- Die Presse, 02.11.2026 05:27 – <https://www.diepresse.com/41409679/klimaschutz-die-industrie-kann-gar-nicht-so-schnell-liefern-wie-sie-sollte>
Sanierungsförderung: Fensterbranche fordert verlässliche Rahmenbedingungen
Internorm-Chef Christian Klinger kritisiert, dass die Sanierungsförderung im Februar ohne Vorankündigung eingestellt wurde und Kunden daraufhin Aufträge storniert hätten; für das kommende Jahr sei wieder eine Förderung angekündigt, die konkrete Ausgestaltung solle aber erst zu Jahresende feststehen. Er sieht einen erheblichen Sanierungsrückstand, vor allem beim sommerlichen Hitzeschutz in Städten: außenliegende Beschattung und dichte Gebäudehüllen würden zum wichtigsten Treiber der Branche, Klimaanlagen würden Standard. Für Eigentümer und Hausverwaltungen bleibt die Planung von Fenstertausch und thermischer Sanierung damit vom Zeitpunkt der neuen Förderrichtlinien abhängig.
Quellen:
- Der Standard, 01.11.2026 12:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345728/internorm-chef-klinger-bin-ein-fan-des-standorts-wenn-er-nicht-politisch-kaputt-geschossen-wird?ref=rss>
Rechenzentren: Flächenverbrauch und Abwärmenutzung als Planungsthema
Das Google-Rechenzentrum in Kronstorf in Oberösterreich ist nach sechs Monaten Bauzeit weit fortgeschritten, die Halle misst 290 mal 100 Meter. Fachleute bemängeln, dass Architektur und Raumplanung sich mit dieser Bauaufgabe bisher kaum befassen, obwohl Synergien naheliegen, etwa die Nutzung der Abwärme für Heizung und Warmwasser im Wohnbau oder die Planung einer späteren Nachnutzung. Begrünte Dächer und Ersatzpflanzungen, wie sie in Kronstorf vorgesehen sind, halten sie für unzureichend und fordern einheitliche Regeln auf nationaler oder europäischer Ebene statt Einzelentscheidungen der Gemeinden.
Quellen:
- Der Standard, 01.11.2026 11:11 – <https://www.derstandard.at/story/3000000346176/kronstorf-ist-erst-der-anfang-wer-gestaltet-die-gigantischen-rechenzentren?ref=rss>
Graz: Geothermie soll halbe Fernwärme liefern
In Graz sollen Anfang Dezember die Bohrungen für ein Geothermie-Projekt beginnen; bis 2037 soll die Hälfte der Grazer Fernwärme aus Erdwärme stammen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 01.11.2026 17:04 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41406783/heisses-wasser-fuer-graz-alles-zum-geothermie-projekt-tiefenkraft>
Balkonkraftwerke: Speicher werden größer, Netzeinspeisung bleibt begrenzt
Balkonkraftwerke mit Akkuspeicher verschwimmen zunehmend mit kleinen Photovoltaikanlagen. In Österreich dürfen sie weiterhin höchstens 800 Watt ins Netz einspeisen und können dann einfach per Schukostecker angeschlossen werden, die Meldung beim Netzbetreiber ist in der Regel formlos. Wer die höhere Leistung neuerer Geräte nutzen will, braucht eine Elektrofachkraft für fixe Verkabelung und Absicherung sowie eine Anmeldung als Photovoltaikanlage, wobei die Auslegung je nach Netzbetreiber unterschiedlich ausfällt. Auf solche Geräte fällt in Österreich wieder Mehrwertsteuer an. Für Wohnungseigentümer und Mieter bleibt damit die Abgrenzung zwischen einfachem Balkonkraftwerk und anmeldepflichtiger Anlage praktisch bedeutsam.
Quellen:
- Der Standard, 01.11.2026 06:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345381/anker-solarbank-4-pro-im-test-als-balkonkraftwerk-fast-zu-schade?ref=rss>
Kärnten: Mittel aus dem Baukartell finanzieren Straßensanierung
Das Land Kärnten hat mit den am Baukartell beteiligten Unternehmen eine Wiedergutmachung von rund 12 Millionen Euro für die illegalen Preisabsprachen zwischen 2002 und 2017 ausgehandelt. Aus diesen Mitteln wird unter anderem die Sanierung der L82 Silberegger Straße um rund 470.000 Euro finanziert, die am 2. November beginnt und bis Ende November fertig sein soll. Laut Straßenbaureferent Martin Gruber (ÖVP) können so Projekte vorgezogen werden, die wegen der angespannten Budgetlage sonst erst später möglich gewesen wären.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 02.11.2026 05:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41405546/silberegger-strasse-wird-mit-470000-euro-erneuert>
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