GEVEST-Pressespiegel vom 3.9.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Energiepreise ziehen weiter kräftig an: Der europäische Gaspreis erreichte mit knapp 75 Euro je Megawattstunde den höchsten Stand seit Kriegsbeginn und liegt binnen drei Wochen um 40 Prozent höher, Diesel kostet im Mittel 2,033 Euro je Liter, Heizöl 174,55 Euro je 100 Liter. Zugleich hat Österreich 2025 erstmals seit drei Jahren wieder mehr Treibhausgase ausgestoßen, im Gebäudesektor allein um acht Prozent mehr; die EU-Vorgabe wurde überschritten, womit der Zukauf von Zertifikaten droht. Für das Vereinswesen bringt eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Klarheit: Wer als Mitglied unentgeltlich am Vereinszweck mitwirkt, ist nicht sozialversicherungspflichtig zu melden. Für Eigentümer von Zweitwohnungen lohnt der Blick über die Landesgrenze, weil Leerstands- und Zweitwohnsitzabgaben in jedem Bundesland anders geregelt sind und Kärnten mit 1. Jänner 2027 nachzieht. An den Anleihemärkten haben die Zinsen für langlaufende Staatsschulden Höchststände erreicht – Österreich zahlt für zehnjährige Anleihen 3,58 Prozent.
Immobilien & Wohnrecht
Leerstand und Zweitwohnsitz: neun Bundesländer, neun Regelungen
Wer Wohnungen in mehreren Bundesländern hält, hat es mit sehr unterschiedlichen Abgaben zu tun. Eine echte Leerstandsregelung kennen derzeit vier Länder – Steiermark, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Kärnten zieht mit einem neuen Zweitwohnungsabgabegesetz ab 2027 nach und erfasst damit faktisch auch leerstehende Wohnungen; Niederösterreich, Oberösterreich, das Burgenland und Wien haben keine klassische Leerstandsabgabe. Zu unterscheiden sind zwei Dinge: Die Leerstandsabgabe knüpft daran an, dass eine Wohnung über längere Zeit – üblicherweise sechs Monate oder 26 Kalenderwochen – nicht genutzt wird, die Zweitwohnsitzabgabe daran, dass sie zwar genutzt wird, dort aber kein Hauptwohnsitz besteht. In Österreich gibt es derzeit 1,433 Millionen Nebenwohnsitzfälle, um rund 147.000 mehr als vor fünf Jahren.
Die Beträge und Ausnahmen im Überblick: In Salzburg reicht die Leerstandsabgabe je nach Art und Größe von 400 bis 5.000 Euro im Jahr, die Zweitwohnsitzabgabe von 400 bis 2.500 Euro; häufigster Befreiungsgrund ist die Vorsorgewohnung für Kinder, solange das Kind unter 40 ist. In Tirol entscheiden die Gemeinden selbst, ob sie einheben – 150 von 277 tun es –, gerechnet wird nach einem Basismietwert je Quadratmeter, von dem höchstens 30 Prozent ausgeschöpft werden dürfen; Verstöße gegen die Widmungsregeln des Raumordnungsgesetzes sind mit bis zu 80.000 Euro bedroht. In der Steiermark liegt die Höchstgrenze bei zehn Euro je Quadratmeter, für eine Wohnung mit 100 Quadratmetern also bei 1.000 Euro jährlich, wobei die Landesregierung die Abgabe bis 2029 wieder abschaffen will. Vorarlberg hat für heuer einen Höchstsatz von 3.341 Euro festgelegt; bei ganzjähriger Vermietung kann die Abgabenpflicht auf den Nutzer übergehen, der Eigentümer haftet weiter. In Kärnten wird die Abgabe ab zwölf Wochen ohne Hauptwohnsitzmeldung fällig und liegt zwischen 24 und 130 Euro monatlich. Oberösterreich kennt statt einer Abgabe eine Freizeitwohnungspauschale nach dem Tourismusgesetz in Höhe des 36- bis 54-Fachen der Ortstaxe, zu der die Gemeinden Zuschläge von bis zu 200 Prozent verlangen können.
Praktisch wichtig sind die Beschränkungsgebiete: In Salzburg fallen bereits 91 der 119 Gemeinden darunter, dort sind neue Zweitwohnsitze unzulässig und Käufer müssen den Hauptwohnsitz begründen. In Tirol dürfen Freizeitwohnsitze höchstens acht Prozent des Wohnungsbestands einer Gemeinde ausmachen, in Oberösterreich sind 26 von 438 Gemeinden Vorbehaltsgebiete. Erwähnenswert ist auch, dass die Abgaben in der Praxis mühsam sind: In Salzburg haben von anfangs 66 Gemeinden nur mehr 45 eine Kommunalabgabe verordnet, weil Aufwand und Ertrag nicht zusammenpassen, und Graz ist mit der Bestandserhebung noch nicht fertig.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 12:00 – https://www.derstandard.at/story/3000000337718/eine-wohnung-neun-regeln-so-viel-kosten-zweitwohnsitze-und-leerstand
Wohnungskauf: Nebenkosten, Eigenmittel und ein Markt mit wieder steigenden Preisen
Die Wohneigentumsquote ist auf rund 47 Prozent gefallen, den tiefsten Stand seit 20 Jahren, während die Preise wieder anziehen: Der Wohnimmobilienpreisindex der Nationalbank lag im ersten Quartal 2026 österreichweit um 2,8 Prozent über dem Vorjahresquartal, in Wien um 2,3 Prozent, im übrigen Bundesgebiet um 3,3 Prozent. Der Medianpreis für Eigentumswohnungen betrug 2025 4.162 Euro je Quadratmeter, jener für Einfamilienhäuser 2.836 Euro – beides noch unter den nominellen Höchstständen von 2022. Die Neuvergabe von Wohnbaukrediten an private Haushalte stieg 2025 um fast 50 Prozent auf rund 16,7 Milliarden Euro, begünstigt durch das Auslaufen der KIM-Verordnung im Juli 2025. Deren Grenzen wirken allerdings weiter: Die Finanzmarktaufsicht empfiehlt unverändert mindestens 20 Prozent Eigenmittel, eine Schuldendienstquote von höchstens 40 Prozent und eine Laufzeit von höchstens 35 Jahren, und die meisten Banken halten sich daran.
Für die Beratung von Käufern ist die Nebenkostenrechnung das Entscheidende. Bei einer Wohnung um 350.000 Euro sind neben 70.000 Euro Eigenmitteln weitere rund 35.000 bis 42.000 Euro aufzubringen: 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer, 1,1 Prozent Grundbucheintragungsgebühr, 1,2 Prozent für die Pfandrechtseintragung sowie Notar- und allenfalls Maklerkosten. In Summe sind damit 30 bis 40 Prozent des Kaufpreises aus eigenen Mitteln zu bedecken. Wohnbauinvestitionen sind seit dem Höhepunkt 2022 real um rund 20 Prozent gesunken, was den Preisauftrieb von der Angebotsseite her verstärkt.
Abweichung zwischen den Medien: Zum Zinsniveau der Europäischen Zentralbank gehen die Angaben auseinander. Ein Beitrag nennt eine erste Anhebung im Juni 2026 auf 2,4 Prozent, ein anderer einen derzeitigen Leitzins von 2,25 Prozent.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 12:00 – https://www.derstandard.at/story/3000000337623/eigenheim-auf-pump-wie-viel-schulden-sind-sinnvoll
Wiederherstellungsplan: Kritik am fehlenden Kernstück, Rückmeldung aus Brüssel bis März
Der nach Brüssel übermittelte Entwurf zur Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung stößt auf deutliche Kritik. Bemängelt wird, dass gerade die Kapitel zu Artikel 4 – Wiederherstellung von Land-, Küsten- und Süßwasserökosystemen – und zu Artikel 8 – städtische Ökosysteme – keine Angaben zu möglichen Flächen und keine konkreten Maßnahmen enthalten, obwohl anderthalb Jahre lang Arbeitsgruppen aus Umweltschutzorganisationen, Ländervertretern und Sozialpartnern daran gearbeitet haben. Für Grundeigentümer bleibt daraus zweierlei: Welche Flächen überhaupt in Betracht kommen, ist weiterhin offen, und die Finanzierung hängt an zusätzlichen EU-Mitteln, die das Ministerium zur Bedingung einer breiteren Umsetzung macht. Neu ist der Zeitplan der weiteren Befassung – die Europäische Kommission gibt bis März Rückmeldung, Österreich kann in dieser Zeit Kapitel nachreichen. Die Stellungnahmefrist für den Entwurf endet am 15. Oktober.
Quellen:
- Falter, 02.09.2026 19:00 – https://www.falter.at/maily/20260902/nicht-genuegend-setzen
Halbfertiges Hotel in Krumpendorf wird zum Insolvenzfall
Nachdem die Zwangsversteigerung gescheitert ist, ist ein halbfertiges Hotelprojekt am Wörthersee in Krumpendorf nun auch ein Insolvenzfall; über die Zukunft des Projekts entscheidet der Masseverwalter.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 02.09.2026 15:00 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41225488/hotelprojekt-am-woerthersee-als-fall-fuer-das-konkursgericht
Steuer- & Unternehmensrecht
Verwaltungsgerichtshof: Ehrenamtliche Vereinsarbeit ist nicht anmeldepflichtig
Der Verwaltungsgerichtshof hat entschieden, dass Vereinsmitglieder, die unentgeltlich am gemeinsamen ideellen Vereinszweck mitwirken, nicht bei der Sozialversicherung anzumelden sind. Wer so mitarbeite, arbeite „nicht ‚für einen anderen‘, sondern für die eigene Gemeinschaft“. Der Anlassfall: Die Finanzpolizei hatte einem Kärntner Musikfestival ab Weihnachten 2023 vorgeworfen, Menschen illegal zu beschäftigen, weil auch freiwillige Helfer zu melden seien; die Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt verhängte 192 Verwaltungsstrafen, in Summe wären über 140.000 Euro fällig geworden. Das Landesverwaltungsgericht gab dem Verein bereits im März 2025 recht, die Finanzpolizei erhob Revision und ist nun endgültig gescheitert, das Verfahren wurde eingestellt.
Für Vereine und für Betriebe, die mit Vereinen zusammenarbeiten, ist damit die Abgrenzung geklärt: Entscheidend sind Freiwilligkeit, Unentgeltlichkeit und das ideelle Motiv, nicht der Umfang der Tätigkeit – das Festival zählt 4.000 Besucher. Der zweite Teil der Entscheidung ist weniger erfreulich: Der gesetzliche Kostenersatz für die Abweisung der Revision beträgt lediglich 1.106,40 Euro, während das dreijährige Verfahren den Verein annähernd so viel gekostet hat wie die abgewendete Strafe. Die Obfrau kündigt deshalb eine Amtshaftungsklage an.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 12:30 – https://www.derstandard.at/story/3000000338044/sieg-gegen-finanzpolizei-acoustic-lakeside-festival-bekam-recht
ÖBB-Reform: Personenverkehr und Rail Cargo sollen GmbHs werden
Das Infrastrukturministerium hat einen Gesetzesvorschlag zur Neuordnung des ÖBB-Konzerns an die Koalitionspartner übermittelt; er ist bereits in der politischen Koordinierung. Vorgesehen ist eine Novelle des Bundesbahngesetzes, mit der die Personenverkehr AG und die Rail Cargo Group AG in Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt werden. Der gesellschaftsrechtliche Kern der Sache: Vorstände einer Aktiengesellschaft sind kraft Gesetzes weisungsfrei, Geschäftsführer einer GmbH können von den Gesellschaftern Weisungen erhalten. Die Durchgriffsrechte der Holding werden damit gestärkt. Die Infrastruktur AG muss aus unionsrechtlichen Gründen eine Aktiengesellschaft bleiben.
Daneben wird die Konzernstruktur auch auf der dritten Ebene neu geordnet: Die Gesellschaft, in der Lokführer und Lokomotiven gebündelt sind, sowie die Technische Services GmbH werden direkt unter der Holding angesiedelt. In der Holding entsteht neben dem Vorstandsvorsitzenden und der Finanzchefin eine dritte Vorstandsposition für die Koordination der Produktionsprozesse. Als Starttermin wird das erste Quartal 2027 genannt. Für Unternehmen, die über Konzernstrukturen nachdenken, ist der Vorgang ein anschauliches Beispiel dafür, dass die Wahl der Rechtsform in erster Linie eine Frage der Steuerungsmöglichkeiten ist.
Quellen:
- Kurier, 02.09.2026 10:59 – https://kurier.at/wirtschaft/oebb-reform-zuege-gesetz-spoe-minister-hanke-cargo/403187946
- Die Presse, 02.09.2026 11:06 – https://www.diepresse.com/41224424/jetzt-kommt-sie-doch-die-oebb-reform
- Der Standard, 02.09.2026 14:02 – https://www.derstandard.at/story/3000000338101/oebb-reform-konzern-soll-schneller-und-effizienter-werden
- Oberösterreichische Nachrichten, 02.09.2026 17:55 – https://www.nachrichten.at/wirtschaft/oebb-reform-gesetzentwurf-geht-in-politische-koordinierung;art15,4208154
Zukunftsdepot: Staatszuschuss für Neugeborene dürfte dazukommen
Zur geplanten steuerbegünstigten Wertpapiervorsorge für Kinder zeichnet sich ein weiteres Element ab. Im Budget sind für 2027 und 2028 jeweils 40 Millionen Euro für eine neue familienpolitische Leistung reserviert, ohne dass bisher gesagt wurde, worum es sich handelt. Nach den vorliegenden Angaben soll der Staat bei der Eröffnung des Depots mithelfen und für Neugeborene selbst einen Betrag überweisen; das sei innerhalb der Regierung bereits akkordiert. Bei etwas mehr als 76.000 Lebendgeburten im vergangenen Jahr ergäbe das rechnerisch rund 500 Euro je Kind. Ungeklärt sind der Kreis der Anspruchsberechtigten – rund 25 Prozent der in Österreich geborenen Kinder hatten zuletzt eine ausländische Staatsbürgerschaft – und die Frage, wo die Depots eröffnet werden können. Finanziert werden soll die Leistung aus dem Familienlastenausgleichsfonds, der 2025 mit einem Überschuss abgeschlossen hat. Den größten Kostenpunkt macht ohnehin nicht der Zuschuss aus, sondern der Entfall der Kapitalertragsteuer über die Jahre.
Quellen:
- Der Standard, 03.09.2026 05:00 – https://www.derstandard.at/story/3000000338161/zahlt-der-staat-bald-neugeborenen-eine-praemie
Wirtschaft & Konjunktur
Zinsen für Staatsanleihen auf Höchstständen – Österreich zahlt 3,58 Prozent
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind in mehreren Industrieländern auf die höchsten Werte seit Jahren, teils seit Jahrzehnten gestiegen. In den USA sprang das Zinsniveau für 30-jährige Titel auf 5,27 Prozent, den höchsten Stand seit 2002; in Japan erreichte die Rendite für 30-jährige Papiere mit 4,17 Prozent ein nie zuvor gesehenes Niveau. Auch Deutschland zahlt für zehnjährige Anleihen mit 3,36 Prozent so viel wie seit Oktober 2009 nicht mehr, Österreich 3,58 Prozent. Drei Ursachen wirken zusammen: der weltweite Anstieg der Staatsverschuldung – im Schnitt der sieben größten Industriestaaten von 74 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2000 auf 123 Prozent heute und voraussichtlich 137 Prozent bis 2030 –, die Inflationssorgen wegen des Krieges im Nahen Osten und ein steigendes Anleiheangebot, weil die Investitionen in künstliche Intelligenz überwiegend fremdfinanziert werden. Von den bis 2030 erwarteten 5,5 Billionen Dollar an solchen Investitionen können die großen Anbieter nur etwa ein Viertel aus eigenen Mitteln tragen.
Was das für Betriebe bedeutet, ist unmittelbar ablesbar: Die Zinsen für Staatsschulden sind der Ausgangspunkt für die Konditionen langfristiger Unternehmens- und Immobilienfinanzierungen. Die Europäische Zentralbank entscheidet am 10. September, erwartet wird eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt; auch die US-Notenbank hat Bereitschaft zu einer Anhebung erkennen lassen, möglicherweise schon Mitte September. Die Zeit des billigen Geldes ist damit auf absehbare Zeit vorbei.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 15:43 – https://www.derstandard.at/story/3000000338117/zinsen-fuer-staatsschulden-steigen-in-westlichen-industrielaendern-auf-rekordniveaus
Wirtschaftskammer meldet 200 Beschäftigte zur Kündigung an
Die Wirtschaftskammer Österreich hat mit dem im Juni angekündigten Stellenabbau begonnen und 200 Mitarbeiter beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. Betroffen sind fast alle Abteilungen. Wie viele Stellen tatsächlich über Kündigungen wegfallen und wie viele über nicht nachbesetzte Pensionierungen oder freiwillige Lösungen, ist offen; gerechnet wird bis 2030. Mit dem Betriebsrat wurde ein Sozialplan vereinbart, der neben den gesetzlichen Abfertigungen freiwillige Abfertigungszahlungen vorsieht, deren Höhe sich unter anderem danach richtet, wie leicht die Betroffenen am Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen; auch Weiterbildungen und Umschulungen können daraus mitfinanziert werden. Ab 2030 sollen jährlich 100 Millionen Euro eingespart werden. Für die Mitgliedsbetriebe ist offen, welche Leistungen der Kammer der Abbau berührt.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 13:43 – https://www.derstandard.at/story/3000000338133/wk214-startet-mit-stellenabbau-200-mitarbeiter-beim-ams-angemeldet
- Kurier, 02.09.2026 13:43 – https://kurier.at/wirtschaft/wkoe-wirtschaftskammer-jobs-stellen-abbau-200-mitarbeiter/403187979
- Kleine Zeitung, 02.09.2026 15:43 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41225707/abbau-gestartet-kammer-meldet-200-beschaeftigte-zur-kuendigung-an
Insolvenz-Entgelt-Fonds: Streit um den Beitragssatz der Dienstgeber
Um die Finanzierung des Insolvenz-Entgelt-Fonds ist eine Auseinandersetzung entbrannt, die Dienstgeber unmittelbar betrifft. Der Beitrag wurde seit 2014 schrittweise von 0,55 auf 0,1 Prozent gesenkt, während die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stark gestiegen ist; die Reserven sind entsprechend geschrumpft. Nach den vorliegenden Berechnungen würde eine Anhebung von 0,1 auf 0,2 Prozent genügen, um die Finanzierung zu stabilisieren – das Gesetz sieht die Anpassung des Beitrags an die Finanzlage des Fonds ausdrücklich vor, in beide Richtungen. Gefordert werden von Arbeitgeberseite stattdessen Leistungskürzungen, etwa eine Verkürzung des Sicherungszeitraums von sechs auf drei Monate nach EU-Mindestniveau, wie ihn Deutschland mit drei und die Schweiz mit vier Monaten kennen.
Das Argument der Gegenseite ist für Unternehmer bedenkenswert: Der Fonds sichert nicht nur Beschäftigte ab, sondern wirkt als Versicherung der Betriebe untereinander. Ohne Entgeltsicherung würden Beschäftigte ein Unternehmen in Schwierigkeiten möglichst rasch verlassen, was jede Sanierung erschwert. Ins Spiel gebracht wird zudem eine Erstauftraggeberhaftung entlang von Subunternehmerketten, um Geschäftsmodelle zu unterbinden, die mit unrealistisch niedrigen Preisen kalkulieren und die Lohnkosten am Ende dem Fonds überlassen. Für Auftraggeber am Bau wäre das eine spürbare Ausweitung der Verantwortung.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 09:00 – https://www.derstandard.at/story/3000000336747/wer-vom-insolvenzfonds-profitiert-darf-ihn-nicht-aushungern
Arbeitsmarkt: Niederösterreich am stärksten betroffen, Wien gegen den Trend
Zum bundesweiten Anstieg der Arbeitslosigkeit liegen nun die regionalen Erklärungen vor. In Niederösterreich, wo das Plus mit 6,7 Prozent am höchsten ausfällt und fast 56.500 Menschen ohne Arbeit oder in Schulung sind, führt das Wirtschaftsforschungsinstitut das auf drei Branchen zurück: eine unterdurchschnittliche Entwicklung in der Sachgütererzeugung und im Bauwesen sowie einen Rückgang der Nächtigungen im Frühjahr 2026 – neben Vorarlberg ist Niederösterreich das einzige Land mit einem Minus im Tourismus. Bei den Frauen stieg die Zahl dort um 8,4 Prozent, bei den Männern um 5,3 Prozent. Als Gründe genannt werden das steigende Frauenpensionsalter, ein höherer Anteil an Betreuungsarbeit und die Beschäftigung in stagnierenden Branchen wie Handel sowie Sozial- und Gesundheitswesen. Im Bezirk Voitsberg beträgt das Plus 7,6 Prozent, ebenfalls mit Schwerpunkt bei Frauen und älteren Arbeitsuchenden. Wien fällt weiterhin aus der Reihe: Dort sinkt die Zahl der Arbeitsuchenden seit Monaten und die Beschäftigung wächst.
Für die Personalsuche ist der Befund der AMS-Landesstelle St. Pölten aufschlussreich: Bei Menschen über 50 ist der Anstieg besonders hoch, Betriebe sind bei deren Aufnahme zurückhaltend, und über bestehende Fördermöglichkeiten ist wenig bekannt. Konjunkturseitig sei die Talsohle vorläufig erreicht, im Laufe des Jahres sollte sich das Bild verbessern – unter der Annahme, dass keine weiteren internationalen Krisen dazukommen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 02.09.2026 18:00 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41225500/arbeitslosigkeit-bei-frauen-im-bezirk-voitsberg-stark-gestiegen
- ORF.at, 02.09.2026 20:10 – https://noe.orf.at/stories/3369600/
- Kurier, 03.09.2026 06:00 – https://kurier.at/chronik/wien/wien-wirtschaft-arbeitslose-beschaeftigung-jobs/403188043
Lebensmittelpreise erstmals seit fünf Jahren unter dem Vorjahr
Die mit 1. Juli wirksame Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von zehn auf 4,9 Prozent ist nach dem Preismonitor der Arbeiterkammer von allen untersuchten Handelsketten vollständig weitergegeben worden, einzelne Produkte wurden darüber hinaus billiger. Im Juli lagen die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel um 0,5 Prozent unter dem Vorjahresmonat – der erste Rückgang seit mehr als fünf Jahren –, während die allgemeine Teuerung 2,8 Prozent betrug. Das Wirtschaftsforschungsinstitut sieht in der Steuersenkung den größten Einzelbeitrag zur Senkung des Preisniveaus in diesem Monat.
Der Effekt bleibt jedoch begrenzt, weil die Inflationsrate insgesamt wieder anzieht: Ausschlaggebend sind die Energieunsicherheit und die seit sieben Wochen faktisch blockierte Straße von Hormus. Für Handels- und Gastronomiebetriebe zählt der zweite Befund: Wahrgenommene Preissprünge im Supermarkt schlagen auf das Konsumklima durch und verschieben Neuanschaffungen nach hinten.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 18:43 – https://www.derstandard.at/story/3000000338064/lebensmittel-erstmals-seit-fuenf-jahren-guenstiger-als-im-vorjahr
Kika/Leiner: Beschuldigter verlangt Enthaftung, Verteidigung bestreitet die Vorwürfe
Der frühere Geschäftsführer der Möbelkette, Hermann Wieser, verlangt die sofortige Entlassung aus der Untersuchungshaft. Sein Anwalt spricht von einer medialen Vorverurteilung, kann die Haftgründe nicht nachvollziehen und weist darauf hin, dass die Verteidigung in Wirtschaftsverfahren erschwert ist, weil Beschuldigte in Haft keinen Zugriff auf ihre elektronischen Geräte haben. Die erste Haftprüfung findet spätestens 14 Tage nach dem Beschluss vom 30. August statt. Inhaltlich bestreitet die Verteidigung die Vorwürfe: Der Beschuldigte habe das Unternehmen nicht allein geführt, sondern Berater und Wirtschaftsprüfer eingebunden, und ein fix zugesagter Investor sei kurzfristig abgesprungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Neu ist außerdem, dass die Staatsanwaltschaft Betroffene ausdrücklich einlädt, sich zu melden und dem Verfahren als Privatbeteiligte anzuschließen – für Betriebe, die als Kunden Anzahlungen geleistet haben, der praktisch wesentliche Punkt. Rund um ein anderes Unternehmen, in dem der Beschuldigte tätig war, gab es in den vergangenen Jahren mehrere Zivilverfahren mit dem Vorwurf, Geld ohne ausreichende rechtliche Grundlage in eine andere Gesellschaft verschoben zu haben; die ergangenen Zahlungsurteile dürften in der Exekution schwer durchzusetzen sein.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 02.09.2026 09:48 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41224310/ex-kika-leiner-chef-hermann-wieser-fordert-entlassung-aus-u-haft
- Der Standard, 02.09.2026 16:53 – https://www.derstandard.at/story/3000000338026/betrug-an-hochwasseropfern-was-die-wksta-dem-ehemaligen-kikaleiner-chef-vorwirft
- Kleine Zeitung, 02.09.2026 17:07 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41226159/verhafteter-ex-kika-leiner-chef-weist-alle-vorwuerfe-zurueck
- Die Presse, 02.09.2026 18:45 – https://www.diepresse.com/41226430/ex-kika-leiner-chef-fordert-entlassung-aus-u-haft
VW: Aufsichtsrat entscheidet am Freitag über den Sanierungskurs
Beim größten europäischen Autobauer beraten am Donnerstag das Aufsichtsratspräsidium und am Freitag der Aufsichtsrat über den Sanierungsplan des Vorstands. Auf dem Tisch liegen drei Varianten, die schärfste von den Eigentümerfamilien. Der Vorstandsvorschlag sieht vor, die Produktion in Emden und Zwickau 2031, in Hannover 2032 und in Neckarsulm 2034 auslaufen zu lassen; insgesamt umfasst das 200-seitige Papier 40 Maßnahmen, darunter die Ausgliederung der Marke Volkswagen und der Komponentensparte in eigene Tochtergesellschaften und die Umwandlung des Konzerns in eine Holding, womit der politische Einfluss zurückgedrängt werden soll. Das Land Niedersachsen, mit 20 Prozent beteiligt, lehnt Werksschließungen ab. Kommt keine Entscheidung zustande, wird mit einer außerordentlichen Hauptversammlung gedroht. Für heimische Zulieferer hängt an diesen Beschlüssen die Planbarkeit der kommenden Jahre.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 16:04 – https://www.derstandard.at/story/3000000338121/vor-entscheidender-sitzung-welche-plaene-fuer-die-sanierung-von-vw-auf-dem-tisch-liegen
Krankenhausträger bereitet Investitionsstopp vor
Die Barmherzigen Brüder stellen sich vor den Budgetverhandlungen mit dem Land Steiermark auf ein Finanzloch von rund neun Millionen Euro ein. Größter Posten sind die Personalkosten, die sich an den Gehältern des Landesspitalsträgers orientieren müssen. Der Träger will das Sparpaket ohne Kündigungen bewältigen, indem Pensionierungen in manchen Bereichen nicht nachbesetzt und Abläufe angepasst werden; befristete Stellen dürften zur Diskussion stehen. Für Bau- und Ausstattungsbetriebe wesentlich ist der angekündigte Investitionsstopp: Geräteanschaffungen und eine geplante Küchenrenovierung werden verschoben, eine Vollklimatisierung wird es auch im nächsten Jahr nicht geben. Der Fall zeigt, wie Budgetverhandlungen im Gesundheitswesen auf die Auftragslage regionaler Handwerksbetriebe durchschlagen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 03.09.2026 05:00 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41226084/millionen-sparpaket-bei-den-barmherzigen-bruedern-geplant
Zwei weitere Konkursverfahren in Kärnten
Über die Betreiberin eines Gastronomiebetriebs in Villach wurde ein Konkursverfahren eröffnet, zwei Beschäftigte sind betroffen. Ebenfalls ein Fall für das Konkursgericht ist ein Holztransportunternehmen aus Poggersdorf im Raum Klagenfurt mit Schulden von rund 288.000 Euro.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 02.09.2026 16:00 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41225363/konkursverfahren-ueber-villacher-gastronomin-eroeffnet
- Kleine Zeitung, 02.09.2026 17:01 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41225835/transportfirma-aus-dem-raum-klagenfurt-fuhr-in-die-pleite
Energie & Bau
Gas, Heizöl und Treibstoff: Preise steigen weiter, Entlastung ist nicht in Sicht
Die Energiepreise ziehen seit Tagen wieder deutlich an, weil mit einer raschen Friedenslösung im Nahen Osten nicht mehr gerechnet wird. Der Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat erreichte in Amsterdam zwischenzeitlich knapp 75 Euro je Megawattstunde – der höchste Preis seit Kriegsbeginn und ein Plus von 40 Prozent binnen drei Wochen. Neben der blockierten Transportroute wirkt dabei der vergleichsweise niedrige Füllstand der europäischen Gasspeicher von rund 60 Prozent. Ein Fass Brent nähert sich wieder der Marke von 100 Dollar, binnen einer Woche ein Plus von fast acht Prozent; Ende Juni und Anfang Juli waren es 75 Dollar. An den Tankstellen liegt der bundesweite Mittelwert für Diesel bei 2,033 Euro je Liter, in der Steiermark bei 2,019 Euro, in Kärnten bei 2,009 Euro. Heizöl kostet im Durchschnitt 174,55 Euro je 100 Liter bei einer Abnahme von 3.000 Litern, der höchste Wert seit Mitte April; Anfang Juli waren es rund 130 Euro.
Für die Kalkulation der Betriebskosten sind zwei Punkte wesentlich. Erstens die Spritpreisbremse: Sie wurde bis Ende September verlängert, die Mineralölsteuer ist um 1,9 Cent je Liter gesenkt, die Margenbegrenzung bleibt ausgesetzt. Bei Tagesschwankungen von fünf bis acht Cent fällt die Ersparnis kaum ins Gewicht; aus dem Fachverband Energiehandel kommt der Hinweis, dass eine vorübergehende Aussetzung der CO2-Steuer rund 15 Cent gebracht hätte. Zweitens die Erwartung: Solange die Transportroute blockiert bleibt, ist mit einer Entspannung nicht zu rechnen, was die Annahmen für die Heizperiode und für die kommende Betriebskostenabrechnung entsprechend verschiebt.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 03.09.2026 05:30 – https://www.kleinezeitung.at/artikel/41224706/gas-heizoel-sprit-preise-steigen-besserung-ist-nicht-in-sicht
Treibhausgase 2025 wieder gestiegen – Gebäudesektor legt um acht Prozent zu
Nach mehreren Jahren mit rückläufigen Werten sind Österreichs Treibhausgasemissionen 2025 wieder gestiegen, und zwar um 0,7 Prozent auf rund 67,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Das geht aus der Nahzeitprognose des Umweltbundesamts hervor; die endgültigen Daten kommen im Jänner 2027. In den Sektoren außerhalb des Emissionshandels, zu denen Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft zählen, lagen die Emissionen mit 41,5 Millionen Tonnen um rund 0,8 Millionen Tonnen über der zulässigen Höchstmenge von 40,7 Millionen Tonnen. Werden die unionsrechtlichen Vorgaben nicht eingehalten, muss die Republik Zertifikate zukaufen.
Bemerkenswert ist die Verteilung. Im Verkehr gingen die Emissionen um 6,5 Prozent zurück, der Dieselabsatz um 7,3 Prozent. Im Gebäudesektor stiegen sie dagegen um acht Prozent oder rund 0,5 Millionen Tonnen: 2025 war kühler als das Rekordjahr davor, der Heizölverbrauch nahm um neun Prozent zu, jener von Erdgas zum Heizen um acht Prozent. Bei der öffentlichen Erzeugung von Strom und Fernwärme betrug das Plus 20,7 Prozent, wovon etwa ein Viertel auf den kälteren Winter entfällt; Trockenheit und niedrige Pegelstände drückten die Erzeugung aus Wasserkraft. Nach der Analyse des Wegener Centers bleibt nach Herausrechnen von Wetter und Konjunktur ein Anstieg von 0,26 Prozent, den die Forscher auf zurückgenommene klimapolitische Maßnahmen – genannt wird die neuerliche Befreiung fossil betriebener Nutzfahrzeuge von der Normverbrauchsabgabe – und auf verändertes Verbrauchsverhalten zurückführen: Als die Gaspreise sehr hoch waren, wurde stärker gespart, 2025 kehrten viele zu früheren Gewohnheiten zurück.
Für Gebäudeeigentümer heißt das zweierlei: Der Sanierungsbedarf wird politisch neu begründet, und die Nachfrage nach Strom wächst durch Elektrifizierung, Wärmepumpen und Industrie schneller, als die erneuerbare Erzeugung derzeit nachkommt.
Quellen:
- Die Presse, 02.09.2026 11:18 – https://www.diepresse.com/41224578/emissionen-steigen-wieder-oesterreich-verfehlt-eu-klimavorgabe
- Der Standard, 02.09.2026 13:25 – https://www.derstandard.at/story/3000000338103/nach-zwei-jahren-rueckgang-oesterreichs-co-emissionen-steigen-wieder
- Oberösterreichische Nachrichten, 02.09.2026 17:57 – https://www.nachrichten.at/wirtschaft/treibhausgas-emissionen-stiegen-2025-um-07-prozent;art15,4208156
- Falter, 02.09.2026 19:00 – https://www.falter.at/maily/20260902/nicht-genuegend-setzen
Dämmen wirkt auch im Sommer: Messwerte aus einem Versuchsaufbau
Ein Forschungspark eines niederösterreichischen Baustoffherstellers vergleicht auf 13 gleich gebauten Versuchshäusern mit je zwölf Quadratmetern die Wirkung unterschiedlicher Wandaufbauten; Dach, Fundament und Sonneneinstrahlung sind identisch. Das Ergebnis für die Hitzeperiode: Von zwei Häusern mit 50 Zentimeter starken Ziegelwänden, wie sie in Gründerzeithäusern vorkommen, war das gedämmte um fast fünf Grad kühler. Die verbreitete Annahme, dicke Mauern brauchten keine Dämmung, trifft demnach nicht zu. Auf die Wahl des Dämmstoffs kommt es nach Darstellung des Unternehmens weniger an als darauf, überhaupt zu dämmen.
Ein zweiter Versuch betraf den Ausfall der Stromversorgung im Winter: Nach 48 Stunden ohne Strom war bei drei Grad Außentemperatur das Haus mit 25er-Ziegeln innen auf zehn Grad abgekühlt, das gedämmte hielt 17 Grad. In der Heizsaison benötigt das gedämmte Haus nach diesen Messungen 40 Prozent der Energie des ungedämmten. Für Eigentümergemeinschaften praktisch verwertbar ist der Hinweis, dass die hohen Kosten aufwendig gestalteter Straßenfassaden kein Grund sind, ganz auf eine Sanierung zu verzichten: Boden, Dach, Zwischenwände und die Wände zum Innenhof bringen für sich genommen bereits viel. Die Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf große Wohnhäuser übertragen.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 12:00 – https://www.derstandard.at/story/3000000337986/bauen-gegen-die-hitze-egal-womit-hauptsache-du-daemmst
Zweiter Anschlag auf ein Umspannwerk, Ermittlungen wegen Terrorverdachts
Nach dem Vorfall in Brandenburg ist am Mittwoch ein weiteres Umspannwerk betroffen gewesen, diesmal im nordrhein-westfälischen Bergheim-Rheidt: Vermutlich wurde ein Draht über eine Hochspannungsleitung geworfen, mehrere Leitungen fielen aus, zwei Kraftwerke wurden vorübergehend lahmgelegt. Die Staatsanwaltschaft Köln geht von einem Anschlag aus und prüft den Zusammenhang mit dem ersten Fall, zu dem inzwischen Ermittlungen wegen Terrorverdachts laufen. Zur Täterschaft gibt es weiterhin keine Belege: Die Innenminister beider Bundesländer halten sowohl fremdstaatliche Sabotage als auch linksextreme Täter für möglich, verweisen aber darauf, dass das Tatmuster von früheren Anschlägen auf die Stromversorgung abweicht und ein Hinweis auf eine ausländische Macht bisher fehlt. Ein Gesetz zum verstärkten Schutz der kritischen Infrastruktur ist in Deutschland erst im März dieses Jahres in Kraft getreten.
Zwei Anschläge auf Umspannwerke binnen zweier Tage sind für Betriebe mit eigener Notstromversorgung Anlass, die Vorkehrungen und die angenommene Ausfalldauer zu überprüfen.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 18:07 – https://www.derstandard.at/story/3000000338059/krisenstimmung-nach-anschlaegen-auf-energieanlagen-in-deutschland
Rohstofftransporte der Industrie: 37 Großbaustellen auf den Güterkorridoren
Die Voestalpine benötigt in Linz und Donawitz täglich rund 40.000 Tonnen Rohstoffe; 3,1 Millionen Tonnen kamen im vergangenen Jahr über den slowenischen Hafen Koper. Genau auf dieser Strecke wird gebaut, wodurch weniger Trassen zur Verfügung stehen. Am Grenzbahnhof Jesenice soll der Aufenthalt der Güterzüge durch Lokomotiven, die auf beiden Seiten der Grenze fahren können, von rund zwei Stunden auf höchstens 30 Minuten sinken; Behinderungen wird es dort bis September 2027 geben. Das Problem ist nicht auf Slowenien beschränkt: Auf den wichtigen europäischen Güterkorridoren gibt es derzeit 37 größere Baustellen. Die Umleitung wegen der Sperre über Passau – dort laufen 75 Prozent des österreichischen Schienengüterexports – kann mehr als 300 zusätzliche Kilometer bedeuten. Die Rail Cargo Group rechnet allein heuer mit bis zu 20 Millionen Euro an Zusatzkosten, die sich nicht weitergeben lassen. Auch die Donau ist rund um das ungarische Kernkraftwerk Paks wegen einer baulichen Schwelle bis Ende November für den Güterverkehr nicht passierbar.
Der gemeinsame Nenner der Kritik von Bahn und Wirtschaftskammer: Güterzüge fahren grenzüberschreitend, Baustellen und Infrastruktur werden aber weiterhin überwiegend national geplant. Für Speditionen und produzierende Betriebe heißt das, längere Vorlaufzeiten und Ausweichrouten in die Beschaffungsplanung aufzunehmen. Im ersten Halbjahr 2027 gehen in Linz und Donawitz die ersten beiden Elektrolichtbogenöfen in Betrieb, womit Schrott und Eisenschwamm gegenüber Kohle und Koks an Bedeutung gewinnen.
Quellen:
- Die Presse, 02.09.2026 15:39 – https://www.diepresse.com/41223860/baustellen-bremsen-rohstofftransporte-fuer-oesterreichische-industrie
Post und Verbund verkaufen künftig gemeinsam Strom und Gas
Die Österreichische Post und der Verbund starten eine Kooperation im Energiebereich: Voraussichtlich noch im Herbst sollen Kunden in Postfilialen Strom- und Gastarife abschließen können. Einzelheiten werden erst vor dem Marktstart bekanntgegeben. Aufmerksamkeit verdient die Einordnung durch die Wettbewerbsbehörden: Bundeswettbewerbsbehörde und E-Control halten solche Bündelprodukte in einem gemeinsamen Fairnesskatalog für problematisch, weil sie die Preistransparenz beeinträchtigen, den Preisvergleich erschweren und damit den Wettbewerb zwischen den Lieferanten verzerren können. Wer Energielieferverträge für mehrere Objekte verhandelt, sollte Bündelangebote entsprechend genau aufschlüsseln lassen.
Quellen:
- Der Standard, 02.09.2026 13:55 – https://www.derstandard.at/story/3000000338134/die-post-bringt-kuenftig-auch-strom-und-gas
Öldeal mit Venezuela: Milliardeninvestitionen sollen die Förderung verdoppeln
Wenige Tage nach der Ankündigung eines Abkommens zwischen den USA und Venezuela hat der US-Konzern Chevron eine Ausweitung seiner Geschäfte bestätigt: Über ein Gemeinschaftsunternehmen sollen in fünf Jahren rund sieben Milliarden Dollar investiert und die Produktion gegenüber 2026 auf etwa 600.000 Fass je Tag mehr als verdoppelt werden. Das Abkommen umfasst 17 Ölfelder mit einem geschätzten Förderpotenzial von 65 Milliarden Fass; das venezolanische Parlament hat es am Dienstag gebilligt, unterzeichnet wurde es am Mittwoch. Für die Preisentwicklung ist das mittelfristig der Gegenpol zur Blockade im Nahen Osten – kurzfristig ändert es an den derzeitigen Notierungen nichts, weil die zusätzlichen Mengen erst erschlossen werden müssen.
Quellen:
- ORF.at, 02.09.2026 23:30 – https://orf.at/stories/3441015/
Sanierung statt Neubau: ein Wiener Hotelprojekt als Rechenbeispiel
Ein Hotel in der Wiener Leopoldstadt wird um rund 20 Millionen Euro umgebaut statt neu errichtet; die Eröffnung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Das Argument für die Sanierung ist die graue Energie: Die Grundstruktur des Gebäudes aus den 1970er-Jahren bleibt erhalten, ein Abbruch hätte Emissionen freigesetzt. Thermisch saniert wird durchgehend, Kunststofffenster werden durch Holz-Alu-Fenster ersetzt, geheizt wird mit Wärmepumpen, und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach soll 75.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Einen guten Teil der Einrichtung machen wiederverwendete Bauteile aus. Finanziert wird über einen Kredit, den der Betreiber über die Miete zurückzahlt – ein brauchbares Muster für Bestandsobjekte mit ähnlichen baulichen Defiziten.
Quellen:
- Falter, 03.09.2026 05:30 – https://www.falter.at/morgen/20260903/warum-die-gruenen-vor-einer-kommerzialisierung-des-augarten-warnen
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