GEVEST-Pressespiegel vom 3.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Inflation ist im September auf 3,6 Prozent gestiegen, im Euroraum auf 3,8 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren – der Anstieg geht zur Gänze auf Treibstoff- und Heizölpreise zurück. Vor der Heizsaison liegt der Gaspreis doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn, Heizöl kostet 48 Prozent mehr als vor einem Jahr, und sollte Washington die Dieselexporte stoppen, rechnen Ökonomen mit 40 bis 50 Prozent höheren europäischen Großhandelspreisen. Die ÖBB dürfen das Einkaufszentrum Wien Mitte kaufen – nach Branchenschätzung die größte Immobilientransaktion, die Wien je gesehen hat. Und die geplante Novelle zur Umweltverträglichkeitsprüfung unterwirft Rechenzentren erstmals einer Prüfpflicht, streicht dafür aber die Kumulierungspflicht.
Immobilien & Wohnrecht
ÖBB kaufen das Einkaufszentrum Wien Mitte zurück
Der Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG hat am Freitag dem Kauf des Einkaufszentrums Wien Mitte samt den Büroflächen am Bahnhof zugestimmt. Die ÖBB hatten die Liegenschaft 2005 verkauft; seit 2015 gehört sie Morgan Stanley Real Estate Investing, bei dem zuletzt ein Immobilienvermögen von 52 Milliarden US-Dollar verwaltet wurde, gemeinsam mit australischen und koreanischen Investoren. Verhandelt hat die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, anlagen- und flächenmäßig die größte Hausverwaltung der Republik.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen: Das 2013 eröffnete Objekt über dem S-Bahn- und U-Bahn-Knotenpunkt umfasst 28.000 Quadratmeter Shoppingfläche und 63.000 Quadratmeter Büroflächen und ist damit das größte Einkaufszentrum im Zentrum Wiens. Die Mieteinnahmen liegen zwischen 30 und 50 Millionen Euro jährlich; die Wien Mitte Immobilien GmbH setzte 2025 41,33 Millionen Euro um und erwirtschaftete ein Vorsteuerergebnis von 3,68 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die ÖBB-Immobilienmanagement-Gesellschaft kam 2024 auf einen Rekordumsatz von rund 110 Millionen Euro. Der Zuschlag des Aufsichtsrats bedeutet noch keinen Abschluss – der Deal ist nach Darstellung der Beteiligten noch nicht in trockenen Tüchern.
Abweichung zwischen den Medien: Zum Kaufpreis liegen unterschiedliche Angaben vor. Ein Medium nennt nach eigenen Informationen über 600 Millionen Euro und bezeichnet das als größte Immobilientransaktion in der Geschichte der Bundeshauptstadt; ein anderes berichtet, über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.
Quellen:
- Die Presse, 02.10.2026 12:52 – <https://www.diepresse.com/41318729/teuerste-wiener-immobilie-oebb-duerfen-shoppingcenter-wien-mitte-kaufen>
- Der Standard, 02.10.2026 13:56 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342496/214bb-beschlossen-r252ckkauf-des-bahnhofs-wien-mitte?ref=rss>
Spanien: Mietdekrete im Parlament gescheitert, Regierung in der Krise
Das spanische Parlament hat am Freitag in namentlicher Abstimmung beide Dekrete zur Neuregelung des Wohnungsmarkts abgelehnt – das erste mit 178 zu 172, das zweite mit 184 zu 166 Stimmen. Zu Fall gebracht wurden sie von der konservativen Volkspartei, der rechtspopulistischen Vox und der katalanischen Unabhängigkeitspartei Junts, die sich im letzten Augenblick entschied, mit Nein zu stimmen und das mit dem Schutz kleiner Wohnungseigentümer begründet.
Für die rechtsvergleichende Betrachtung sind die Inhalte festzuhalten. Das erste Dekret hätte den Schutz vor Zwangsräumungen bis 2030 für sozial schwache und besonders verletzliche Personen ausgeweitet – ohne Wohnalternative hätte nicht geräumt werden dürfen –, Mietern eine zweijährige Verlängerung ihres Mietvertrags eingeräumt, sofern dieser vor dem 31. Dezember 2028 ausläuft, und die Mieten eingefroren. Das zweite ging weiter und hätte erstmals einen unbefristeten Mietvertrag eingeführt, ausgenommen den Eigenbedarf des Eigentümers oder seiner Angehörigen. Vorgesehen waren außerdem ein Verbot des Erwerbs von Wohnungen durch Fonds bis 2028 und steuerliche Vergünstigungen für Mieter und Vermieter. Die Aufteilung auf zwei Dekrete sollte zumindest die Sofortmaßnahmen retten; konservative Basken und Kanaren stimmten dem ersten zu, Junts nicht.
Die Zahlen hinter dem Konflikt: Nach Schätzung der spanischen Zentralbank fehlen landesweit mehr als 700.000 Wohnungen, und das Defizit könnte bis 2028 auf eine Million steigen. Die Durchschnittsmieten haben sich in zehn Jahren nach Angaben eines Immobilienportals fast verdoppelt, jährlich werden rund 25.000 Zwangsräumungen durchgeführt. Die Bevölkerung ist seit 2015 um drei Millionen oder sieben Prozent gewachsen, die Übernachtungen in Ferienwohnungen haben sich seit 2018 verdoppelt. In einer Umfrage sprechen sich 68 Prozent der Spanier für eine Deckelung der Mieten aus, selbst in den Wählerschaften der beiden Rechtsparteien über 50 Prozent. Die Abstimmungsniederlage befeuert Spekulationen über eine vorgezogene Neuwahl – planmäßig wäre sie erst im Sommer 2027.
Quellen:
- ORF.at, 02.10.2026 21:00 – <https://orf.at/stories/3443935/>
- Der Standard, 02.10.2026 15:30 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342512/spaniens-parlament-laesst-gesetz-der-regierung-gegen-wohnungsnot-durchfallen?ref=rss>
- ORF.at, 02.10.2026 15:59 – <https://orf.at/stories/3443924/>
Umbau eines Einkaufszentrums im laufenden Betrieb: nur 15 Prozent Frequenzverlust
Die Spar-Tochter SES hat 40 Millionen Euro in den Umbau eines 2002 eröffneten Einkaufszentrums in Zagreb investiert, das sie ab 2009 schrittweise erworben und 2020 vollständig übernommen hatte. Für Bestandshalter ist vor allem die Durchführung lehrreich: Gebaut wurde zwei Jahre lang im vollen Betrieb, um Mietverträge einhalten zu können und zu vermeiden, dass sich Stammkunden umorientieren; selbst der große Supermarkt war immer nur teilgesperrt. In der Spitze gingen dadurch lediglich 15 Prozent der Frequenz verloren – nach Angaben des Geschäftsführers deutlich weniger als erwartet, weil Kunden kamen, um sich die Baustelle anzusehen.
Planerisch wurde die Ringmall aufgelöst, Shops wurden vergrößert, und ein Gastrobereich entstand aus kleinen Häuschen innerhalb der Mall, die nach außen geschoben wurden und nun eigene Ausgänge und damit eigene Öffnungszeiten haben. Bemerkenswert ist die Flächenbilanz: Die vermietbare Fläche stieg um rund zehn Prozent von 35.000 auf 38.500 Quadratmeter, ohne dass neu versiegelt wurde – gebaut wurde auf vormaligen Parkplatzflächen, die Stellplätze im Freien sanken von 1.600 auf 1.250, der Parkplatz wurde begrünt. Im Zuge des Umbaus wurde das Objekt dekarbonisiert: Wärmepumpen für Heizung und Kühlung, Photovoltaik am Dach, zahlreiche Ladestationen. Das Einzugsgebiet umfasst 128.000 Menschen im Umkreis von 15 Autominuten. Die Öffnung von Malls nach außen bezeichnet der Geschäftsführer weiterhin als Trend; in Österreich wurde sie zuletzt in Villach und Wien umgesetzt. Die Besucherfrequenz über alle 32 Standorte stieg heuer um 2,7 Prozent.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 10:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342220/shoppingmall-mit-gartenhaeuschen-wie-ses-ein-altes-center-transformierte?ref=rss>
Klimaanlagen im Wiener Gemeindebau: 387 Bewilligungen, 154 Ablehnungen
Seit der Einbau von Split-Klimaanlagen im Wiener Gemeindebau zu Beginn des Sommers erleichtert wurde, sind rund 400 Geräte installiert. Bis Ende September wurden 387 Ansuchen bewilligt und 154 abgelehnt, mehr als 700 Verfahren laufen noch. Bis zur Änderung mussten besondere Gründe vorliegen, etwa gesundheitlicher oder gewerberechtlicher Natur.
Für Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften ist der Befund in zweifacher Hinsicht verwertbar. Erstens bleibt die Zustimmung an bauliche und rechtliche Vorgaben gebunden – geprüft wird unter anderem, ob es zu Lärmbelästigungen kommt; die Ablehnungsquote von etwa einem Viertel zeigt, dass die Erleichterung keine Genehmigungsautomatik bedeutet. Zweitens lässt die Zahl von mehr als 1.200 Verfahren binnen eines Sommers in einem einzigen Bestand erkennen, in welchem Ausmaß mit entsprechenden Anträgen auch in anderen Beständen zu rechnen ist.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 13:28 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342487/seit-kurzem-erlaubt-bisher-rund-400-klimaanlagen-im-wiener-gemeindebau-montiert?ref=rss>
Wirtschaft & Konjunktur
Inflation bei 3,6 Prozent, im Euroraum auf Dreijahreshoch
Nach der Schnellschätzung der Statistik Austria ist die Teuerung in Österreich im September auf 3,6 Prozent gestiegen, nach 3,2 Prozent im August. Der Anstieg von 0,4 Prozentpunkten ist nach Angaben der Generaldirektorin zur Gänze auf gestiegene Treibstoff- und Heizölpreise zurückzuführen; ein großer Beitrag kam weiterhin aus dem Dienstleistungsbereich. Im Euroraum kletterte die Rate auf 3,8 Prozent – der höchste Wert seit drei Jahren –, in Deutschland auf 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im August.
Zwei Gegenrechnungen sind für die Erwartungsbildung nützlich. Die Nationalbank veranschlagt die dämpfende Wirkung der ab Oktober voll greifenden Spritpreisbremse mit 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten; im September hatte die Entlastung nur 1,9 Cent je Liter betragen, im Oktober sind es zwölf Cent. Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut rechnet umgekehrt vor, dass allein 0,8 Prozentpunkte der Septemberrate auf Margensteigerungen der Mineralölkonzerne bei Diesel, Benzin und Heizöl zurückgehen.
Für die Gastronomie zeichnet sich die nächste Kostenwelle ab. Der Preisauftrieb bei personalintensiven Dienstleistungen liegt über der Gesamtinflation, in der Gastronomie betrug er im vergangenen Jahr 4,7 Prozent. Der Wiener Gastroobmann nennt drei kommende Belastungen: die indirekte Weitergabe der Treibstoffpreise über die Zulieferer, erwartbar höhere Strom- und Gaspreise im Winter und die Dürrefolgen bei Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Weizen und Zwiebeln – aus einem Euro Mehrkosten bei Lebensmitteln würden im Gasthaus drei bis vier Euro Verteuerung. Dazu sind die Löhne und Gehälter in Gastronomie und Hotellerie per Anfang Oktober um durchschnittlich drei Prozent gestiegen. Die Ertragslage bezeichnet er als nicht rosig, auch in der Innenstadt gingen die Umsätze pro Gast zurück; besonders eklatant sei der Absatzrückgang bei Rotwein.
Abweichung zwischen den Medien: Für Österreich werden zwei Werte genannt – 3,6 Prozent nach dem nationalen Verbraucherpreisindex und 3,5 Prozent nach dem für den europäischen Vergleich berechneten Index. Es handelt sich um unterschiedliche Messgrößen, nicht um widersprüchliche Angaben.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 09:04 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342126/inflation-bei-36-prozent-gastronomie-befuerchtet-weitere-preissteigerungen?ref=rss>
- Die Presse, 02.10.2026 09:02 – <https://www.diepresse.com/41315602/inflation-steigt-auf-3-6-prozent-aber-energiepreise-sind-nicht-das-groesste-problem>
- ORF.at, 02.10.2026 15:43 – <https://orf.at/stories/3443895/>
- Kurier, 02.10.2026 09:24 – <https://kurier.at/wirtschaft/inflation-september-auf-36-prozent/403195281>
Finanzministerium senkt die Defizitprognose auf 4,1 Prozent
Das Finanzministerium geht für heuer nun von einem Budgetdefizit von 4,1 Prozent der Wirtschaftsleistung oder 22 Milliarden Euro aus, nach bisher 4,2 Prozent. Grund ist allein ein höheres nominelles Bruttoinlandsprodukt. Das Defizit von Bund und Sozialversicherung liegt demnach bei 3,1 Prozent, jenes von Ländern und Gemeinden bei einem Prozent – im Länder- und Gemeindesektor zeichnet sich damit eine leichte Verbesserung gegenüber den Einschätzungen vom März ab, die das Ministerium auf den neuen Stabilitätspakt, Sparmaßnahmen und höhere Ertragsanteile zurückführt. Die Staatsverschuldung wird für 2026 mit 440,3 Milliarden Euro oder 82,4 Prozent der Wirtschaftsleistung angesetzt.
Wesentlich ist der ausdrückliche Hinweis des Ministeriums, dass man mit den Budgetzielen auf Kurs sei, zusätzliche finanzielle Spielräume aber keine vorhanden seien. Die Verbesserung kommt nicht überraschend: Fiskalrat sowie die Wirtschaftsforschungsinstitute waren für heuer ohnehin etwas optimistischer als das Ministerium – an der Erreichbarkeit der längerfristigen Ziele halten sie ihre Zweifel aber fest.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 11:44 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342463/budget-finanzministerium-verbessert-defizitprognose-leicht?ref=rss>
Spritpreisbremse: Preise um acht Cent gesunken, Verteilungswirkung umstritten
Am ersten Tag der Spritpreisbremse registrierte die Regulierungsbehörde für Diesel einen Durchschnittspreis von 2,169 Euro je Liter und für Superbenzin 1,862 Euro – am Mittwoch hatten die Werte noch bei 2,250 und 1,943 Euro gelegen. Die Maßnahme ist bis 30. November befristet und soll insgesamt zwölf Cent je Liter bringen; ein Ökonom des Instituts für Höhere Studien erwartet eine Dämpfung der Inflationsrate um etwa 0,2 Prozentpunkte. In Deutschland sanken die Preise zum Start des Tankrabatts um rund 13 Cent, auf 2,114 Euro für Super und 2,262 Euro für Diesel.
Für die Beurteilung der Treffsicherheit liefert der Verkehrsclub Österreich die aussagekräftigsten Zahlen, und zwar aus der Konsumerhebung: Haushalte mit einem Monatseinkommen bis 2.200 Euro gaben 2024/25 rund 61 Euro monatlich für Treibstoff aus, Haushalte mit mehr als 5.000 Euro durchschnittlich 207 Euro – also fast dreieinhalbmal so viel. Eine Senkung des Literpreises entlastet damit proportional zum Verbrauch. Der Nationalbankgouverneur hatte sich stattdessen für eine gezielte Entlastung besonders betroffener Pendler ausgesprochen.
Zur Versorgungslage: Die Energiestaatssekretärin bezeichnete die Dieselversorgung als gewährleistet und sprach von einem sehr engen Markt, aber keiner akuten physischen Knappheit. Die EU-Staaten berieten am Freitag über einen französischen Vorschlag, 50 Millionen Barrel Diesel aus den Reserven freizugeben; zusätzlich sollen die Mitglieder der Internationalen Energieagentur 50 Millionen Barrel Rohöl auf den Markt bringen.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 12:04 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342468/treibstoffpreise-zum-start-der-spritpreisbremse-sp252rbar-gesunken?ref=rss>
- Die Presse, 02.10.2026 12:09 – <https://www.diepresse.com/41318581/zum-start-der-spritpreisbremse-sinken-die-preise-an-der-zapfsaeule-deutlich>
Immobilienaktien: Untergewichtung auf dem höchsten Stand seit mindestens zwei Jahren
Europäische Immobilienaktien zählen heuer zu den schwächsten Börsensegmenten. Der einschlägige europäische Branchenindex verlor seit Jahresbeginn rund sieben Prozent und hinkt damit das dritte Jahr in Folge dem breiten Markt nachher; relativ zum Gesamtmarkt ist die Schwäche inzwischen stärker ausgeprägt als während der globalen Finanzkrise. Die Ursache liegt in der engen Verbindung des Sektors mit den Anleihemärkten: Steigende Renditen erhöhen die Finanzierungskosten und drücken zugleich den Wert künftiger Erträge. Die Strategen einer US-Großbank fassen es so zusammen, der Wechsel von erwarteten Zinssenkungen zu möglichen Zinserhöhungen habe das schwierige Umfeld für Immobilieninvestments verschärft.
Die Positionierung ist entsprechend eindeutig. Nach einer Fondsmanagerumfrage vom September halten 36 Prozent der Befragten weniger Immobilienaktien, als ihre Vergleichsindizes vorgeben – der höchste Wert seit mindestens zwei Jahren und fast dreimal so viel wie im Juli. Der Swap-Markt preist bis Ende Juni 2027 drei weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank ein, für die Bank of England bis Ende Juli vier Schritte. Genau diese aggressive Neubewertung birgt allerdings Potenzial für eine schnelle Umkehr: Seit Kriegsbeginn sind die Ölpreise ein wichtiger Einflussfaktor für Anleihen und Aktien, und Fortschritte bei einer politischen Lösung könnten den Inflations- und Zinsausblick rasch verändern.
Quellen:
- Die Presse, 02.10.2026 15:44 – <https://www.diepresse.com/41317849/immer-mehr-anleger-lassen-immobilienaktien-fallen-ist-das-berechtigt>
Gehaltsrunde 2027: Budget stabil, aber stärker auf Leistungsträger konzentriert
Eine Befragung von rund 1.000 Unternehmen aus dem Sommer 2026 liefert das Erwartungsbild für die Gehaltsrunde 2027. Für Österreich wird eine durchschnittliche Gehaltsentwicklung von 2,9 Prozent prognostiziert, bei einer Inflationsprognose der Nationalbank von drei Prozent – real also etwa eine Nulllinie. Innerhalb Europas reicht die Spannweite über die 22 untersuchten Länder von 2,3 bis 5,5 Prozent.
Für die eigene Vergütungspolitik sind drei Verschiebungen bemerkenswert. Erstens verliert der Fachkräftemangel als Treiber an Gewicht: Nur noch 25 Prozent der Unternehmen sehen darin einen Einfluss auf die Gehälter, nach 35 Prozent im Vorjahr – damit landet er auf dem letzten Platz der Gründe für steigende Gehälter. 55 Prozent besetzen freie Stellen leichter als vor einem Jahr, und 26 Prozent berichten von gesunkenen Gehaltsvorstellungen der Bewerber, nach 15 Prozent im Vorjahr. Zweitens wird innerhalb eines stabilen Budgets stärker priorisiert: 57 Prozent der österreichischen Unternehmen wollen das Gehaltsbudget auf Leistungsträger und Schlüsselpositionen konzentrieren, nach 41 Prozent im Vorjahr. Vier von fünf Unternehmen halten ihre Personalkostenbudgets stabil oder erhöhen sie, 38 Prozent nennen allerdings Personalreduktion als möglichen Hebel zur Finanzierung steigender Lohnkosten (Vorjahr 31 Prozent). Drittens rückt die Entgeltgleichheit in den Fokus: 48 Prozent wollen die Gehaltsrunde nutzen, um Unterschiede zwischen Männern und Frauen auszugleichen, nach 31 Prozent im Vorjahr – was mit der umzusetzenden Entgelttransparenzrichtlinie zusammenhängen dürfte.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 14:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341909/wie-unternehmen-2027-gehaelter-erhoehen?ref=rss>
Vierter Insolvenzantrag einer deutschen Warenhauskette binnen sechs Jahren
Die deutsche Warenhauskette Galeria hat erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt – nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Antrag innerhalb von sechs Jahren. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, die rund 12.000 Beschäftigten müssen um ihre Arbeitsplätze bangen; ob Insolvenzgeld gezahlt wird und welche Standorte schließen, ist offen.
Für Vermieter und Lieferanten ist die Vorgeschichte das Wesentliche. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen, die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und Stundungsbitten. Im Juni erhielt die Kette eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro von einer US-Investmentgesellschaft, besichert durch die Ware und gebunden an einen dreijährigen Sanierungsplan mit weiteren Schließungen. Im Juli wurden 33 Warenhäuser auf den Prüfstand gestellt und Mietkonditionen neu verhandelt – ohne tragfähige Lösung sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet. Die Umsatzentwicklung zeigt die Dimension: 2019 erzielte das Unternehmen mit 174 Filialen 4,5 Milliarden Euro Nettoumsatz, sechs Jahre später mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch zwei Milliarden. Der Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern im deutschen Einzelhandel sank seit 2020 von 4,2 auf 1,2 Prozent. Nach Angaben eines Kreditversicherers hat die Zahl der Insolvenzen im deutschen Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht: Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 11:39 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342461/deutsche-warenhauskette-galeria-stellt-erneut-insolvenzantrag?ref=rss>
- Kleine Zeitung, 02.10.2026 11:07 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41318261/sorge-um-12000-jobs-vierter-insolvenzantrag-von-galeria-seit-2020>
Armut in der EU sinkt – in Österreich steigt sie gegen den Trend
Eine im Fachjournal PLOS One veröffentlichte Untersuchung zweier Ökonominnen der Wirtschaftsuniversität Bratislava vergleicht für alle 27 EU-Staaten zwischen 2015 und 2023 Einkommensarmut, Wohnverhältnisse, Wirtschaftskraft, Erwerbsarmut und digitale Fähigkeiten. Im EU-Schnitt verbesserte sich die Lage trotz Pandemie, Energiekrise und hoher Inflation: Der Anteil jener, die sich Grundlegendes nicht leisten können, sank von knapp zehn auf weniger als sieben Prozent. Die größten Sprünge machten Bulgarien und Rumänien; am besten schneiden Tschechien und Finnland ab, obwohl beide bei der Wirtschaftsleistung nur nahe am EU-Schnitt liegen.
Österreich zählt zwar weiter zur Gruppe wohlhabender Staaten mit vergleichsweise wenig Armut, entwickelte sich aber bei zwei Kennzahlen gegen den EU-Trend: Der Anteil der Menschen unter der Armutsgefährdungsschwelle stieg von 13,9 Prozent im Jahr 2015 auf 14,9 Prozent 2023, der Anteil mit erheblicher materieller und sozialer Benachteiligung von 2,9 auf 3,7 Prozent. Bei der Erwerbsarmut blieb die Lage stabil. Als Gegenbeispiel führen die Autorinnen Luxemburg an, wo trotz der höchsten Wirtschaftsleistung pro Kopf die Armutsgefährdung stieg – bei besonders hohen Wohnkosten. Hohe Wirtschaftskraft führt also nicht automatisch zu guten sozialen Verhältnissen.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 15:18 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342438/trotz-kristedie-armut-in-der-eu-geht-zurueck?ref=rss>
Steuer- & Unternehmensrecht
Paketsteuer: Verfassungsklage bereits eingebracht, Gutachten sieht mehrfache Verfassungswidrigkeit
Zur rechtlichen Angreifbarkeit der Abgabe liegen nun Einzelheiten vor. Der Versandhändler Zalando hat bereits am 20. August eine Klage beim Verfassungsgerichtshof eingebracht. Ein von einem österreichischen Versandhändler in Auftrag gegebenes Gutachten einer Rechtsanwaltskanzlei kommt zum Ergebnis, das Gesetz sei mehrfach verfassungswidrig: Die Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro wirke willkürlich und widerspreche damit dem Gleichheitsgrundsatz; außerdem verstoße das Gesetz gegen die Warenverkehrs- und Dienstleistungsfreiheit sowie gegen das unionsrechtliche Verbot protektionistischer Abgaben.
Die Zielgenauigkeit der Abgabe ist dabei durchaus belegbar: 14 der 15 betroffenen Versandunternehmen kommen aus dem Ausland, und 98 Prozent des Steueraufkommens entfallen auf ausländische Versandkonzerne. Die Kritik heimischer Betriebe richtet sich auf den indirekten Weg – sie verkaufen über dieselben Plattformen und tragen die Last mit, wenn diese ihre Plattformgebühren erhöhen. Eine eigenständige Einwendung kommt aus der Kreislaufwirtschaft: Ein Secondhand-Anbieter hält der Abgabe entgegen, sie berücksichtige die kleineren Margen dieser Branche nicht und treffe Kreislaufwirtschaftsunternehmen strukturell härter als den Neuwarenhandel. Politisch hat auch das ÖVP-geführte Wirtschaftsministerium den Entwurf deutlich kritisiert; die Grünen fordern stattdessen eine Plattformhaftung.
Zur ökonomischen Wirkung hält eine Handelsexpertin der Wirtschaftsuniversität Wien fest, die Abgabe werde am Ende immer von den Kunden getragen, unabhängig davon, ob sie direkt oder über die Preise weitergegeben wird. Eine Verhaltensänderung erwartet sie nur begrenzt, und zwar abhängig vom Warenwert – bei einem Mobiltelefon um 1.000 Euro fallen 2,40 Euro kaum ins Gewicht, bei einem Ladekabel unter zehn Euro schon. Dass der stationäre Handel allein durch die Schwächung der Online-Konkurrenz wieder auflebe, hält sie für unwahrscheinlich; er müsse seine eigenen Stärken wie Beratung und Atmosphäre ausspielen.
Quellen:
- Der Standard, 02.10.2026 15:09 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342437/neue-paketsteuer-politisch-umkaempft-und-rechtlich-unsicher?ref=rss>
- Der Standard, 02.10.2026 07:50 – <https://www.derstandard.at/story/3000000342367/am-ende-zahlen-die-kundinnen-und-kunden-oekonomin-ueber-paketsteuer?ref=rss>
Energie & Bau
Vor der Heizsaison: Gas doppelt so teuer, Dieselmarkt am Limit
Die Ausgangslage vor dem Winter ist für jede Energiekostenkalkulation ungünstig. Der Preis für eine Megawattstunde Erdgas in Europa stieg seit Kriegsbeginn von gut 30 auf 74 Euro, weil die Straße von Hormuz – durch die vor dem Krieg ein Fünftel der globalen Flüssiggaslieferungen ging – nicht frei passierbar ist. Die EU-Gasspeicher sind kurz vor dem Winter nur zu 71 Prozent gefüllt, deutlich unter dem Fünfjahresschnitt von 87 Prozent; Österreich steht vergleichsweise gut da. Eine Investmentbank warnt, schon eine Kältewelle könnte die Preise rasch über hundert Euro je Megawattstunde heben. Rund 800.000 österreichische Haushalte heizen noch mit Gas. Bei den anderen Heizformen ist das Bild ähnlich: Heizöl war im August nach Angaben der Energieagentur um 48,1 Prozent teurer als vor einem Jahr, Pellets um 32 Prozent; Fernwärme und Strom halten sich noch am besten.
Der Dieselmarkt ist der kritischere Punkt. Im Großhandel kostet ein Fass Diesel in Europa doppelt so viel wie vor einem Jahr. Die Exporte von Ölprodukten aus der Golfregion sind heuer nach Angaben der Internationalen Energieagentur um 60 Prozent eingebrochen, und ukrainische Drohnenangriffe haben Russlands Dieselerzeugung so geschwächt, dass Moskau einen Exportstopp verhängt und inzwischen um einen weiteren Monat verlängert hat – traditionell exportierte Russland 50 Prozent seiner Dieselproduktion. Europa kann nach einer Reihe von Raffinerieschließungen noch etwa 70 Prozent seines Dieselbedarfs selbst erzeugen; Österreich musste im Vorjahr 67 Prozent zukaufen. Mehr als 38 Prozent aller europäischen Pkw fahren mit Diesel.
In diese Lage hinein erwägt Washington einen Stopp der eigenen Dieselexporte, um vor den Kongresswahlen am 3. November die Inlandspreise zu senken – eine Gallone kostet dort 6,50 Dollar, um drei Viertel mehr als vor einem Jahr. Die USA stellen rund fünf Millionen Barrel Diesel pro Tag her, exportieren mehr als ein Fünftel davon und sind damit der größte Dieselproduzent der Welt; der Großteil der Exporte ging heuer nach Mexiko und in den Hafen Rotterdam. Für Europa wäre das teuer: Ökonomen von Oxford Economics erwarten bei einem US-Exportstopp 40 bis 50 Prozent höhere europäische Großhandelspreise, und weil Diesel nicht nur Autos, sondern auch Traktoren, Baufahrzeuge und Industrieanlagen antreibt, wäre die gesamte Wirtschaft betroffen. Dass es dazu kommt, ist nicht ausgemacht: Eine Analyse von Goldman Sachs beziffert die unmittelbare Preissenkung in den USA auf nur rund 25 Cent je Gallone und erwartet, dass sich die Wirkung nach neun bis zehn Wochen umkehrt, weil sich die Lager füllen und die Produzenten die Produktion drosseln – dann würde Diesel um 30 Cent teurer. Der eigene Energieminister warnt vor unbeabsichtigten Folgen. Europa hätte zudem ein Gegenmittel: Es exportiert umgekehrt viel Benzin in die USA.
Quellen:
- Die Presse, 02.10.2026 10:52 – <https://www.diepresse.com/41316438/diesel-gas-und-pellets-oesterreich-droht-ein-teurer-winter>
- Die Presse, 02.10.2026 13:39 – <https://www.diepresse.com/41317833/donald-trump-will-den-preis-fuer-diesel-beeinflussen>
- Die Presse, 02.10.2026 17:19 – <https://www.diepresse.com/41317817/russen-muessen-wegen-treibstoffmangel-um-12-prozent-weniger-auto-fahren>
Novelle zur Umweltverträglichkeitsprüfung: Rechenzentren erstmals prüfpflichtig, Kumulierung soll fallen
Der Entwurf des Klimagesetzes liegt seit 21. September dem Nationalrat vor und novelliert auch das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung. Für Projektwerber sind zwei Änderungen von unmittelbarer Bedeutung.
Erstens werden Rechenzentren erstmals erfasst: Künftig geplante Anlagen mit mehr als 100 Megawatt installierter Leistung sollen automatisch eine Prüfung durchlaufen, in besonders schutzwürdigen Gebieten soll die Grenze bei 50 Megawatt liegen. Bisher gibt es die Kategorie überhaupt nicht, was zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt hat: Für ein Rechenzentrum in Kronstorf in Oberösterreich – 42.000 Quadratmeter, zwölf Kühltürme, drei Brunnen und 36 Notstromaggregate mit 800.000 Litern Diesel in der ersten Ausbaustufe – ist der Feststellungsbescheid ohne Prüfpflicht seit vergangener Woche rechtskräftig, weil Bodenschutz kein eigener Tatbestand ist, keine geschützten Arten gefunden wurden und die Anlage wegen der nur zeitweise laufenden Notstromaggregate nicht als Kraftwerk gilt. Die niederösterreichische Landesregierung entschied bei einem Rechenzentrum in Leopoldsdorf umgekehrt, auch wegen der Notstromaggregate. Zur Größenordnung: Das Vorhaben in Kronstorf wird in der ersten Ausbaustufe 150 Megawatt verbrauchen, in der zweiten bis zu 500 – vereinfacht etwa ein Drittel des Jahresstromverbrauchs Oberösterreichs. Der WWF fordert eine Prüfpflicht bereits ab 50 Megawatt und bei Kühlwasserentnahme ab 20 Megawatt.
Zweitens soll die Kumulierungspflicht fallen, nach der die ökologischen Folgen benachbarter Vorhaben zusammenzurechnen sind. Bisher prüft die Behörde etwa bei zwei Einkaufszentren mit 600 und 500 Stellplätzen, ob sich die Auswirkungen durch Verkehr und Flächenverbrauch so addieren, dass trotz Unterschreitung der Schwelle von 1.000 Stellplätzen eine Prüfung nötig ist. Das Ökobüro hält die Streichung für möglicherweise unionsrechtswidrig – für Projektwerber heißt das, dass auf die Erleichterung nicht dauerhaft gebaut werden kann. Hinzu kommen kürzere Entscheidungsfristen und der Entfall von Doppelprüfungen durch Bund und Land im Straßenbau. Zur Einordnung des Zeitdrucks: Nach einem Bericht aus dem Jahr 2024 dauern volle Verfahren im Schnitt 23 Monate, und das Gesetz schreibt die Prüfung derzeit für 89 Vorhabentypen ab einer bestimmten Größe vor.
Quellen:
- Falter, 02.10.2026 13:00 – <https://www.falter.at/natur/20261002/von-menschen-die-auszogen-die-rechenzentren-zu-zaehmen>
Entscheidung
ob monatliche oder vierteljährliche UVA
Jahreslohnzettel
Meldungen für den Sonderausgabenabzug von Spenden des Jahres 2022
Registrierkassen
Jahresendbeleg
Geschlossene Tage der Kanzlei
Wir möchten Sie darüber informieren, dass unsere Kanzlei im folgenden Zeitraum geschlossen sein wird.