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GEVEST-Pressespiegel vom 7.9.2026

Das Wichtigste in Kürze

Die europäischen Gasspeicher sind zum Ende des Sommers so schwach gefüllt wie selten, und für die kommende Woche gilt eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank als sicher – beides schlägt unmittelbar auf Betriebskosten und Finanzierungskosten durch. Österreich hat physisch genug Gas für den Winter eingelagert, gegen steigende Börsenpreise hilft das jedoch nicht; entscheidend ist die Vertragsform. Die Fahndung nach dem Verdächtigen hinter den Sabotageangriffen auf das deutsche Stromnetz wurde am Wochenende mit einem Großaufgebot fortgesetzt, blieb aber erfolglos. Im Wiener Schulbau zeigt sich an mehreren leerstehenden Gebäuden, wie teuer und langwierig die Entscheidung zwischen Abbruch, Sanierung und Zwischennutzung ausfällt. Ein trockenes Jahr hat die heimische Wasserkraft rund ein Viertel ihrer Stromproduktion gekostet.

Immobilien & Wohnrecht

Wien: leerstehende Schulen zwischen Abbruch, Sanierung und Zwischennutzung

An drei Standorten wird derzeit sichtbar, woran die Nachnutzung öffentlicher Gebäude scheitert oder gelingt. In der Schwarzingergasse in der Leopoldstadt läuft der Abbruch eines historischen Schulgebäudes an, obwohl der geplante Neubau aus Budgetgründen nicht finanziert ist; die zuständige Magistratsabteilung hat Bestandserhalt mit Zubau, Teilerhalt mit Neubau und Erhalt mit verkleinertem Raumprogramm geprüft und den vollständigen Abbruch mit Neubau als wirtschaftlichste Lösung eingestuft, weil sich das erforderliche Raum- und Funktionsprogramm im Bestand nicht umsetzen ließe. Die Abbruchkosten wurden im Juli noch mit 480.000 Euro angegeben und liegen nun bei 700.000 Euro, samt Baustellensicherung, Baumschutz und Gutachten; der Abriss soll bis Dezember dauern. Bei einer Begehung im November 2025 war Asbest in Heizraumdichtungen, in Eternitplatten des Dachs und in einer Fensterbank festgestellt und danach entsorgt worden, worüber die Nachbarschaft nicht eigens informiert wurde.

Am Kinkplatz in Penzing steht die frühere Informatik-Mittelschule seit 2017 leer. Das Glasdach ist im Winter undicht und heizt das Gebäude im Sommer auf, weil der vorgesehene Sonnenschutz nie errichtet wurde; die Sanierung war 2019 mit 55 Millionen Euro dotiert, seit Dezember 2023 steht das Haus unter Denkmalschutz. Für den Standort läuft nun ein Konzeptverfahren zur Vergabe eines Baurechts, das Gremium hat gereiht und eine Empfehlung ausgesprochen, die Abstimmung mit der erstgereihten Bieterin ist noch offen; einen Termin für den Baurechtsvertrag im Gemeinderat nennt die Stadt nicht. Als Gegenbeispiel bezieht ein Verein das ehemalige Oberstufenrealgymnasium in der Hegelgasse im ersten Bezirk, das der Bundesimmobiliengesellschaft gehört, für eine auf drei Jahre befristete Zwischennutzung: 14 Räume von acht bis 14 Quadratmetern zu 15,50 Euro je Quadratmeter, wobei gegenüber der Eigentümerin nur die Betriebskosten zu tragen sind.

Für die Praxis sind daran zwei Punkte bemerkenswert: Die Wirtschaftlichkeit von Abbruch und Neubau hängt hier weniger am Bauzustand als am geforderten Raumprogramm, und Denkmalschutz in Verbindung mit einer Bauschwäche der Ursprungskonstruktion kann einen Standort über Jahre blockieren. Bei Zwischennutzungen ist der Kostenmaßstab nicht die Marktmiete, sondern die Deckung der Betriebskosten.

Quellen:

  • Der Standard, 06.09.2026 17:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000337078/abbruch-oder-zwischennutzung-was-aus-wiens-leerstehenden-schulen-wird?ref=rss>

Linzer Start-up will wiederkehrende Aufgaben der Vermietung automatisieren

Ein neu gegründetes Unternehmen aus Linz übernimmt mit künstlicher Intelligenz wiederkehrende Aufgaben für Vermieter.

Quellen:

  • Oberösterreichische Nachrichten, 06.09.2026 17:00 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/wenn-sich-immobilien-von-selbst-verwalten-sollen;art15,4209148#ref=rss>

Wirtschaft & Konjunktur

Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank für die kommende Woche erwartet

Der Iran- und der Ukrainekrieg treiben die Energiepreise, weshalb eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank in der kommenden Woche als sicher gilt; für die Vereinigten Staaten ist ein solcher Schritt noch offen. Daneben wird auf eine Zuspitzung am Anleihenmarkt hingewiesen. Nach einem starken Gewinnwachstum der Unternehmen, das gemeinsam mit den Gewinnerwartungen die Aktienkurse zuletzt gestützt hat, wird für den Herbst mit stürmischeren und riskanteren Märkten gerechnet.

Für laufende und anstehende Finanzierungen heißt das: Die Zinswende nach unten, mit der viele Kalkulationen noch arbeiten, ist vorerst nicht in Sicht. Wer variabel finanziert ist, sollte die Belastung im ungünstigen Fall durchrechnen; bei anstehenden Prolongationen lohnt der Vergleich mit einer Fixzinsvariante schon jetzt.

Quellen:

  • Die Presse, 06.09.2026 15:43 – <https://www.diepresse.com/41233858/zahlen-aus-schweden-zeigen-was-eine-boersenkultur-bringt-und-experten-raten-nun-zu-diesen-drei-aktien>

Steuer- & Unternehmensrecht

Kapitalertragsteuer: Ruf nach einer Entlastung über das Kinderdepot hinaus

Das geplante steuerbegünstigte Wertpapierdepot für Kinder, in das Eltern bis zum 18. Lebensjahr jährlich bis zu 5.000 Euro einzahlen können und für das die 27,5-prozentige Wertpapier-Kapitalertragsteuer ausgesetzt werden soll, führt zu einer widersprüchlichen Rechtslage. Mit der Volljährigkeit greift die Wertpapier-Kapitalertragsteuer in voller Höhe, während Zinsen auf Sparbücher weiterhin nur mit 25 Prozent belastet bleiben. Der Lenkungseffekt weist damit auf Anlageformen, die häufig nicht einmal die Inflation ausgleichen.

Gefordert wird daher, die Wertpapier-Kapitalertragsteuer wie schon vor 2011 allgemein zu lockern, und zwar über eine Verbindung von mehrjährigen Behaltefristen mit Freibeträgen. Diese Ausgestaltung würde weder Spekulation begünstigen noch hohe steuerfreie Kapitalerträge auf wenige Vermögende konzentrieren. Ob es dazu kommt, ist offen; für die Beratung bleibt vorerst der bestehende Rahmen maßgeblich.

Quellen:

  • Der Standard, 06.09.2026 11:14 – <https://www.derstandard.at/story/3000000338443/auf-das-zukunftsdepot-muss-eine-generelle-aufweichung-der-wertpapiersteuern-folgen?ref=rss>

Energie & Bau

Gasspeicher in Europa schwach gefüllt: Preisrisiko trotz gesicherter Versorgung

Die deutschen Gasspeicher sind Anfang September mit 133 Terawattstunden so schwach gefüllt wie selten zuvor; dieser Bestand deckt gerade einen strengen Wintermonat. Österreich hat dagegen mehr als 67 Terawattstunden auf Lager, womit eine physische Knappheit in dieser Heizsaison praktisch ausgeschlossen ist. Darin enthalten ist die strategische Reserve von zwanzig Terawattstunden, die 2022 aufgekauft wurde, ein gutes Viertel des Jahresbedarfs deckt und eben bis 2029 verlängert wurde. Die Lagerkosten dafür liegen heuer bei 94 Millionen Euro; für die beiden kommenden Winter waren jeweils 117 Millionen Euro budgetiert, tatsächlich werden jährlich nur 38,75 Millionen Euro anfallen, weil die Ausschreibung auf ein eigenes Speicherprodukt ohne zusätzliche Ein- und Ausspeicherkapazitäten umgestellt wurde. Die Ersparnis wird mit 156,5 Millionen Euro angegeben. Der Energieeinkauf selbst kostete 2022 rund 3,7 Milliarden Euro; beim aktuellen Großhandelspreis von etwa 71,5 Euro je Megawattstunde an der niederländischen Börse wäre die Menge heute nur rund 1,4 Milliarden Euro wert.

Deutschland hat weder eine staatliche Reserve angelegt noch die Versorger zur Einspeicherung verpflichtet, und die Unternehmen halten sich zurück, weil der Preisabstand zwischen Sommer und Winter das Einlagern nicht mehr rentabel macht. Kommt ein besonders kalter Winter oder fallen Flüssiggaslieferungen aus dem Nahen Osten oder den Vereinigten Staaten aus, ist nach Einschätzung von Fachleuten weniger eine physische Knappheit zu erwarten als ein starker Preisanstieg; für den kommenden Winter liegt bereits ein Szenario mit Gaspreisen jenseits von hundert Euro je Megawattstunde vor.

Das trifft auch österreichische Abnehmer, unabhängig vom Füllstand der heimischen Speicher. Entscheidend ist die Vertragsform: Wer einen günstigen Fixpreis hat, ist geschützt; Betriebe und Haushalte mit an die Börsenpreise gekoppelten Tarifen tragen den Anstieg unmittelbar. Ein Wechsel in einen Fixpreis ist bei solchen Tarifen in der Regel jederzeit möglich, weil keine Mindestvertragsdauer vereinbart ist. Für die Betriebskostenkalkulation der kommenden Heizperiode ist das der wesentliche Hebel – und der Zeitpunkt dafür ist jetzt, nicht im Jänner.

Quellen:

  • Die Presse, 06.09.2026 19:59 – <https://www.diepresse.com/41235428/leere-gasspeicher-in-europa-noch-kann-man-sich-vor-hohen-preisen-schuetzen>

Fahndung nach dem Saboteur des deutschen Stromnetzes bleibt erfolglos

Die Suche nach dem 48-jährigen Verdächtigen hinter den Angriffen auf das deutsche Stromnetz wurde am Sonntag mit bis zu hundert Polizeifahrzeugen im Hambacher Forst bei Kerpen westlich von Köln fortgesetzt. Durchsucht wurden auch die dort noch bestehenden Baumhäuser; der Großeinsatz endete am Abend ohne Ergebnis. Die Ermittler hatten am Samstag zwei Fotos des Mannes aus Gevelsberg veröffentlicht und suchen inzwischen auch nach einem Fahrrad, das er benutzt haben könnte. In seiner Wohnung war am Freitag Sprengstoff gefunden worden; ein Spezialeinsatzkommando stürmte danach in Niederzier am Tagebau Hambach einen zum Wohnmobil umgebauten Lastwagen, in dem der Gesuchte nicht angetroffen wurde.

Neu ist der Umfang der Tatserie: Nach den Vorfällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, bei denen selbstgebaute Flugkörper und Abschussvorrichtungen eingesetzt wurden, entdeckte die Polizei in Ostsachsen zwölf Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen. Alle drei betroffenen Bundesländer bauen Braunkohle ab und verstromen sie. Grundlage der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, in denen der deutsche Innenminister „eindeutiges Täterwissen“ sieht; er geht sehr wahrscheinlich von einem Einzeltäter mit klimapolitischem Motiv aus. Mehrere Braunkohleblöcke in Nordrhein-Westfalen wurden vorübergehend abgeschaltet, die allgemeine Stromversorgung war nach Angaben der Betreiber durchgehend gesichert. Ob die Taten in den verschiedenen Regionen zusammenhängen, wird geprüft.

Für Betriebe mit eigener Notstromversorgung bestätigt der Fall die Größenordnung, mit der zu rechnen ist: keine flächigen Ausfälle, aber gezielte Angriffe auf einzelne Anlagen der Übertragungsebene. Die angenommene Ausfalldauer und die Reichweite der eigenen Vorkehrungen gehören daran gemessen.

Quellen:

  • Der Standard, 06.09.2026 13:17 – <https://www.derstandard.at/story/3000000338622/strom-sabotage-deutsche-polizei-startet-einsatz-am-hambacher-forst?ref=rss>
  • ORF.at, 06.09.2026 13:58 – <https://orf.at/stories/3441369/>
  • Kurier, 06.09.2026 16:21 – <https://kurier.at/politik/ausland/stromnetz-sabotage-deutschland-polizei-hambacher-forst/403188994>
  • Kleine Zeitung, 06.09.2026 16:23 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41235366/deutscher-polizeieinsatz-bei-kerpen-wegen-strom-sabotage>
  • ORF.at, 06.09.2026 20:28 – <https://orf.at/stories/3441400/>

Trockenheit kostete die Wasserkraft ein Viertel der Stromproduktion

Im vergangenen Sommer fehlte ein Drittel des Wassers in den heimischen Flüssen, was für die Energiewirtschaft 25 Prozent weniger Stromproduktion und entsprechende Unsicherheit bei den Strompreisen bedeutete. Österreichweit fiel rund 32 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt, besonders im Osten des Landes; nach einem bereits trockenen Winter 2025/2026 und Frühling 2026 blieb das Problem über alle drei Sommermonate bestehen. Sichtbar wird das an den Speicherseen: Der Stausee im Maltatal hinter der Kölnbreinsperre füllt sich derzeit wieder auf, liegt aber deutlich unter dem Niveau der Vorjahre um diese Zeit. Der Betreiber rechnet damit, dass der Pegel bis November das technische Maximum erreicht.

Als zweites Risiko kommt der auftauende Permafrost hinzu. Nach einer aktuellen Auswertung des WWF liegen 39 von 67 großen Kraftwerksspeichern in den österreichischen Alpen im Nahbereich kartierter Permafrostgebiete – 14 davon in Kärnten, je neun in Salzburg und Tirol, sechs in Vorarlberg und einer in Oberösterreich. Tauender Permafrost kann Felsflanken destabilisieren; Stürze von Gesteinsmassen könnten Flutwellen in den Speicherseen auslösen. Der WWF verlangt die Offenlegung der Sicherheitsanalysen und die Berücksichtigung der klimabedingten Risiken nach aktuellem Wissensstand.

Abweichung zwischen den Medien: Der Betreiber der Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck kommt in einer eigenen Untersuchung zum Ergebnis, es bestehe kein erhöhtes Gefährdungspotenzial für die Speicherseen; auch bei der Kraftwerksleistung gibt er sich zuversichtlich, weil sich die Niederschlagsmenge über das Jahr betrachtet einigermaßen stabil halten dürfte. Ändern werde sich vor allem die tägliche Betriebsführung, weil die Speicherkraftwerke schon in diesem Sommer vorrangig in den Abendstunden den fehlenden Sonnenstrom ausgleichen mussten.

Für die Kalkulation heißt das: Die Bandbreite der Strompreise wird stärker vom Wetter bestimmt als in früheren Jahren, und die Preisspitzen verschieben sich in die Abendstunden. Wer Verbrauchsspitzen verlagern kann, gewinnt dadurch mehr als bisher.

Quellen:

  • Kleine Zeitung, 07.09.2026 05:30 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41233551/permafrost-schmilzt-wie-sehr-bedroht-der-klimawandel-die>
15.03.2023

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07.03.2023
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