GEVEST-Pressespiegel vom 13.9.2026
Das Wichtigste in Kürze
Im Insolvenzentgeltfonds klafft ein Loch von rund 180 Millionen Euro, und die Wirtschaftskammer stellt sich gegen eine Rücknahme der gesenkten Arbeitgeberbeiträge – der Bundeskanzler hat eine Lösung in Aussicht gestellt. Die Kammer selbst will ihre Umlagen bis 2030 um 100 Millionen Euro jährlich senken und arbeitet erstmals bundesweit einheitliche Compliance-Regeln aus. Am Wohnungsmarkt zeigt sich eine Schere: Private Altbauwohnungen kosten ähnlich viel wie im Vorjahr, während die Mieten neu errichteter Wohnungen deutlich angezogen haben. Der Handelsverband warnt vor wachsenden Leerständen in schwächeren Lagen und verweist auf die ab Oktober geltende Paketsteuer. Und im Kamptal beginnt die Modernisierung eines Wasserkraftwerks, nachdem ein Ausbauprojekt nach jahrelangem Verfahren zurückgezogen worden war.
Immobilien & Wohnrecht
Einzelhandel: sinkende Verkaufsflächen und Leerstände in schwächeren Lagen
Der Präsident des Handelsverbands zeichnet ein Bild des stationären Einzelhandels, das für Eigentümer von Geschäftsflächen unmittelbar von Belang ist. Hohe Kosten für Raum, Personal und Bürokratie belasteten die Händler gegenüber dem weitgehend unregulierten Onlinehandel; das führe vor allem in schwächeren Lagen zu mehr Leerständen, weil Händler aus dem Markt ausschieden. Die Verkaufsflächen sinken seit Jahren, an ihre Stelle treten Gastronomen, Dienstleister und Freizeitbetriebe. Als strukturelle Ursache nennt er verändertes Kaufverhalten: Kunden kämen mit fünf statt zehn Kleidungsstücken im Jahr aus, was für Händler die Hälfte weniger Umsatz bedeute. Hinzu komme eine schmale Eigenkapitaldecke, die Investitionen in die Modernisierung erschwere.
Zur Regulierung nennt er zwei konkrete Punkte. Der von der EU im Juli eingeführte Pauschalzoll von drei Euro auf Kleinsendungen aus Drittstaaten zeigt aus seiner Sicht bereits Wirkung – die Post klage über weniger Pakete, und der Börsenwert eines großen asiatischen Modehändlers sei beim Debüt statt mit fast 100 Milliarden nur mit 25 Milliarden Dollar angesetzt worden. Gegen die ab Oktober geltende österreichische Paketsteuer habe sich der Verband nicht grundsätzlich gewehrt, sondern dagegen, dass sie auch heimische Händler trifft; einzelne Händler hörten deswegen auf. Bei der Sonntagsöffnung tritt er nicht für längere Öffnungszeiten ein, sondern dafür, dass Unternehmer selbst entscheiden.
Für die Bewirtschaftung von Geschäftsflächen sind die beiden Entwicklungen getrennt zu betrachten. Der Flächenrückgang im Bekleidungshandel ist struktureller Natur und wird sich bei Nachvermietungen in veränderten Nutzungsarten und kürzeren Bindungsdauern niederschlagen. Die Paketsteuer ab Oktober trifft dagegen kurzfristig die Kalkulation jener Mieter, die selbst versenden – ein Punkt, der bei Umsatzmieten in den kommenden Monaten sichtbar wird.
Quellen:
- Der Standard, 13.09.2026 06:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000339102/handelspraesident-horden-von-touristen-duerfen-sonntags-nur-schokolade-kaufen?ref=rss>
Mieten: Altbau stabil, Neubau deutlich teurer
Bei den Mietpreisen hat sich die Entwicklung zwischen den Beständen auseinanderentwickelt. Private Altbauwohnungen kosten ähnlich viel wie im Jahr 2025, während es bei neu errichteten Wohnungen einen deutlichen Anstieg gab.
Die Spreizung ist für die Bewertung von Bestandsobjekten die eigentliche Nachricht: Wo der Altbau preislich stagniert, sind die Mietzinsbildung nach dem Richtwert- und Kategoriesystem und die Begrenzung der Anpassungen die bindenden Größen, während der frei vereinbarte Neubau den gestiegenen Herstellkosten folgen kann.
Quellen:
- Kurier, 12.09.2026 07:00 – <https://kurier.at/wirtschaft/immo/mieten-neubau-wohnen-preise-betriebskosten-altbau-neubau/403189825>
Wirtschaft & Konjunktur
Insolvenzentgeltfonds: 180 Millionen Euro Abgang, Streit über die Beiträge
Im Insolvenzentgeltfonds, der Arbeitnehmeransprüche in Insolvenzfällen abdeckt, fehlen rund 180 Millionen Euro. Die Präsidentin der Wirtschaftskammer hat sich am Samstag festgelegt, dass die Arbeitgeberbeiträge nicht wieder angehoben werden sollten. Entstanden ist der Abgang, nachdem der damals zuständige Arbeitsminister die Arbeitgeberbeiträge gesenkt hatte, weil die Arbeitskosten in Österreich im internationalen Vergleich als hoch gelten; derselbe Minister – heute Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank – hatte als Politiker in Aussicht gestellt, dass im Fall des Falles eben wieder zurückerhöht werde. Der Bundeskanzler hat zuletzt eine Lösung angekündigt.
Für Betriebe ist das eine unmittelbare Lohnnebenkostenfrage. Der Zuschlag zum Insolvenz-Entgeltsicherungsbeitrag wird auf die Beitragsgrundlage aller Dienstnehmer eingehoben; jede Anhebung wirkt daher flächendeckend und unabhängig davon, ob ein Betrieb selbst je Leistungen aus dem Fonds ausgelöst hat. Weil die Gegenfinanzierung nun politisch offen ist, gehört der Beitragssatz in die Personalkostenplanung für das kommende Jahr mit einer Bandbreite statt mit einem Fixwert.
Quellen:
- ORF.at, 12.09.2026 12:52 – <https://orf.at/stories/3441953/>
Wirtschaftskammer: Umlagen sollen bis 2030 um 100 Millionen Euro sinken
Die Kammerpräsidentin hat den laufenden Reformprozess verteidigt und weitere Schritte angekündigt. Vorgesehen ist, ein Fünftel der Mitarbeitenden in der Bundeskammer einzusparen, um die Unternehmensabgaben an die Kammer bis 2030 um 100 Millionen Euro pro Jahr zu senken. Geprüft wird derzeit, was durch Digitalisierung und die Zusammenlegung von Abteilungen darüber hinaus möglich ist; angestrebt werden auch strukturelle Änderungen, wie sie der Rechnungshof gefordert hat. Die Rücklagen von gut zwei Milliarden Euro könnten nach ihren Worten ebenfalls etwas abschmelzen, ohne dass sie dazu konkreter wurde. Eine Auflösung der neun Länderkammern steht für sie nicht zur Debatte. Erneut verlangte sie, nicht notwendige Berichtspflichten für Unternehmen abzuschaffen.
Angekündigt sind außerdem erstmals bundesweit einheitliche Compliance-Regeln, die derzeit ausgearbeitet werden. Sie sollen Befangenheit, Geschenkannahme, Auftragsvergaben und Repräsentation regeln; bei Befangenheit soll künftig das nächsthöhere Gremium entscheiden. Die Regeln sollen veröffentlicht und durch Schulungen vermittelt werden. Anlass ist unter anderem die Diskussion um die Immobiliengeschäfte des früheren Chefs der Wiener Kammer, die aus Sicht der Präsidentin durch unabhängige Kontrollinstanzen und den Rechnungshof bereits ausreichend geprüft sind; einen weiteren Prüfauftrag hält sie nicht für nötig.
Die angekündigte Senkung der Grundumlage und der Kammerumlagen ist für Mitgliedsbetriebe die greifbarste Zusage, sie wirkt allerdings gestreckt bis 2030. Der Compliance-Teil ist für all jene von Interesse, die in Kammergremien oder Fachorganisationen mitwirken: Eine veröffentlichte Befangenheitsregel mit Entscheidung durch das nächsthöhere Gremium schafft einen Maßstab, an dem Doppelfunktionen künftig gemessen werden.
Quellen:
- ORF.at, 12.09.2026 12:52 – <https://orf.at/stories/3441953/>
Wirtschaftskammer fordert Verkürzung der Sommerferien auf sechs Wochen
Die Präsidentin der Wirtschaftskammer hat sich für eine Verkürzung der Sommerferien von neun auf sechs Wochen ausgesprochen. Sie begründet das mit der Lage der Mütter, die nach wie vor den überwiegenden Teil der Betreuungsarbeit übernehmen, und berichtet von Klagen über die langen Ferien aus mehreren Branchen. Zur Schließung der Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen nennt sie die Kinderbetreuung als entscheidenden Punkt und fordert eine flächendeckende Betreuung bis zum Ende des Pflichtschulalters. Der Bildungsminister lehnte den Vorschlag noch am selben Tag ab: Kinder und Jugendliche bräuchten ausreichend Zeit im Sommer. Ablehnend äußerte sich auch die Gewerkschaft der Pflichtschullehrer, der zufolge kein wissenschaftlich belegtes Konzept mit pädagogischen Vorteilen vorliegt.
Für die Personalplanung ist weniger die Ferienfrage von Belang als der Befund dahinter: Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften mit Betreuungspflichten hängt an der Betreuungsinfrastruktur, nicht an der Dauer der Schulferien. Da sowohl der zuständige Minister als auch die Lehrergewerkschaft ablehnen, ist mit einer Änderung vorerst nicht zu rechnen.
Quellen:
- ORF.at, 12.09.2026 12:52 – <https://orf.at/stories/3441953/>
- Der Standard, 12.09.2026 12:42 – <https://www.derstandard.at/story/3000000339471/sommerferien-wiederkehr-gegen-verk252rzung?ref=rss>
- Die Presse, 12.09.2026 12:44 – <https://www.diepresse.com/41255435/bildungsminister-widerkehr-gegen-kuerzere-sommerferien>
- Kurier, 12.09.2026 12:44 – <https://kurier.at/politik/inland/sommerferien-wiederkehr-neos-verkuerzung/403190466>
- Oberoesterreichische Nachrichten, 12.09.2026 12:44 – <https://www.nachrichten.at/politik/innenpolitik/streit-um-sommerferien-wiederkehr-lehnt-verkuerzung-von-neun-auf-sechs-wochen-ab;art385,4211283#ref=rss>
Nationalbank: Kritik am Treffen des Generalratspräsidenten in Serbien
Der Präsident des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank steht wegen eines Treffens mit dem serbischen Staatspräsidenten in der Kritik. Dieser hatte ein Foto veröffentlicht, das ihn nach seinen Worten mit Freunden aus Österreich und Deutschland zeige, und das Treffen als Gelegenheit bezeichnet, neue Ideen, geschäftliche Angelegenheiten und Investitionen zu besprechen. Die Nationalbank erklärte die Teilnahme als rein privat; der Betroffene selbst verwies darauf, das Treffen habe auf private Einladung stattgefunden und stehe in keinem Zusammenhang mit seiner Funktion. Die Grünen halten dem entgegen, ein Treffen mit einem Staatspräsidenten könne in dieser Funktion kaum privat sein, und haben parlamentarische Anfragen angekündigt.
Der Vorgang berührt dieselbe Frage, die derzeit auch andernorts diskutiert wird: wie weit sich private Kontakte und Organfunktion trennen lassen, wenn das Gegenüber die Begegnung öffentlich mit Geschäften verbindet. Für die Besetzung von Aufsichtsorganen ist das die praktische Lehre – maßgeblich ist nicht die eigene Einordnung, sondern die Außenwirkung.
Quellen:
- Der Standard, 12.09.2026 12:26 – <https://www.derstandard.at/story/3000000339470/kritik-an-treffen-zwischen-oenb-pr228sident-hahn-und-vucic?ref=rss>
- ORF.at, 12.09.2026 13:01 – <https://orf.at/stories/3441969/>
Energie & Bau
Wirtschaftskammer gegen Klimaneutralität bis 2040
Zum Klimaschutzgesetz, über das die Koalition derzeit verhandelt, hat die Wirtschaftskammer ihre Position bekräftigt. Man unterstütze das EU-Ziel der Klimaneutralität bis 2050, sei aber gegen den im geplanten Gesetz vorgesehenen österreichischen Weg zur Klimaneutralität bis 2040. Begründet wird das mit der Exportabhängigkeit: Sechs von zehn Euro würden im Export verdient, man müsse daher nicht erneut vorangehen oder über die europäischen Vorgaben hinausgehen.
Für Eigentümer und Betreiber von Gebäuden hängt an dieser Jahreszahl mehr als an einer Symbolik. Das Zieljahr bestimmt, wie steil die Ausstiegspfade für fossile Wärme ausfallen und in welchem Zeitraum Bestandsanlagen zu tauschen sind. Solange zwischen 2040 und 2050 nicht entschieden ist, bleibt die Planungsgrundlage für langfristige Sanierungsfahrpläne unsicher.
Quellen:
- ORF.at, 12.09.2026 12:52 – <https://orf.at/stories/3441953/>
Kraftwerk Rosenburg: Bestandssanierung statt Ausbau nach Kompromiss
Am Kamp beginnt im September die Modernisierung des Wasserkraftwerks Rosenburg. Grundlage ist ein Kompromiss, der unter Federführung des niederösterreichischen Umweltanwalts mit den Natur- und Umweltschutzgruppen im Kamptal erzielt wurde. Der Betreiber hatte 2024 seine 2017 zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereichten Ausbaupläne angesichts eines drohenden jahrelangen Rechtsstreits zurückgezogen und sich für eine Bestandssanierung entschieden. Erneuert werden das Kraftwerksgebäude samt technischer Ausstattung sowie die Staumauer; durch neue Turbinen und moderne Leittechnik steigt die Leistung von 0,9 auf rund 1,4 Megawatt, die Jahreserzeugung von etwa vier auf fünf Gigawattstunden. Begonnen wird mit der Erneuerung der Furt, die Arbeiten an Staumauer und Kraftwerksgebäude folgen ab Sommer 2027, die Inbetriebnahme ist für Herbst 2028 geplant. Die Stauhöhe bleibt unverändert, eine ursprünglich vorgesehene Unterwassereintiefung entfällt, und rund 1.800 Kubikmeter Kies aus den letzten Hochwasserereignissen werden flussaufwärts als Material für Laichplätze wieder eingebracht.
Der Ablauf ist für Projektwerber lehrreich. Sieben Jahre nach Einreichung war das Verfahren nicht abgeschlossen, woraufhin die Bestandssanierung dem Ausbau vorgezogen wurde – mit einem Leistungszuwachs von rund 55 Prozent, der ohne Umweltverträglichkeitsprüfung erreichbar war. Wo ein Ausbauvorhaben absehbar in einem langwierigen Verfahren stecken bleibt, kann die Ertüchtigung des Bestands samt ökologischer Begleitmaßnahmen der schnellere Weg zum gleichen wirtschaftlichen Ergebnis sein.
Quellen:
- ORF.at, 13.09.2026 06:21 – <https://noe.orf.at/stories/3370750/>
Murtal: Investitionsentscheidung für Acht-Hektar-Photovoltaikanlage vertagt
Der Baustart der Photovoltaik-Anlage „Halde Süd“ in Fohnsdorf, der noch heuer erfolgen sollte, ist fraglich geworden. Ein neu geplanter Batteriespeicher hat die Planung verändert; eine Investitionsentscheidung fällt heuer nicht mehr.
Dass ein nachträglich vorgesehener Speicher ein fertig geplantes Freiflächenprojekt um mehr als ein Jahr verschiebt, ist derzeit kein Einzelfall: Ohne Speicher lassen sich Einspeisung und Erlöse bei hohen Mittagsspitzen kaum noch kalkulieren, mit Speicher ändern sich Netzanschluss, Flächenbedarf und Genehmigungslage. Für Grundeigentümer mit Pachtverträgen über Photovoltaikflächen heißt das, die vereinbarten Fristen für den Baubeginn gegenzuprüfen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 12.09.2026 20:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41245659/baustart-fuer-umstrittene-acht-hektar-pv-anlage-im-murtal-wackelt>
Tauernautobahn: 63 Millionen Euro für den Umbau der Mautstelle St. Michael
Seit März wird die Mautstelle St. Michael auf der Tauernautobahn umgebaut. In den Umbau fließen insgesamt 63 Millionen Euro; enthalten sind 20 Mautkabinen, ein technisches Gebäude, eine Personenüberführung, ein unterirdischer technischer Zugang und eine Photovoltaikanlage. Die Fahrspuren werden von 2,1 auf 3,4 Meter verbreitert und dafür in geringerer Zahl ausgeführt, dazu kommt eine schrankenlose Spur, die eine Onlinebuchung im Vorfeld voraussetzt. Das neue Verwaltungsgebäude nimmt bereits Form an, die Arbeiten an der Nebenmautstelle Zederhaus sollen bis Jahresende abgeschlossen sein. Der Betrieb läuft während der Bauzeit über eine provisorische Mautspange weiter, sodass mit maximal elf Abfertigungsspuren gleich viele wie im Normalzustand befahrbar sind. Die Fertigstellung ist für Ende April 2029 geplant; der Personalstand von 30 fixen Mitarbeitern soll trotz zunehmender Automatisierung gehalten werden.
Bemerkenswert ist die Bauabwicklung unter vollem Betrieb: Am stärksten Reisewochenende passierten rund 180.000 Fahrzeuge die alten Mautspuren, wofür zusätzlich 40 Ferialkräfte eingesetzt wurden. Wo an stark frequentierter Infrastruktur gebaut wird, ist der Aufwand für die Aufrechterhaltung des Betriebs regelmäßig der unterschätzte Kostenblock.
Quellen:
- ORF.at, 13.09.2026 06:00 – <https://salzburg.orf.at/stories/3370936/>
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