GEVEST-Pressespiegel vom 18.9.2026
Das Wichtigste in Kürze
Saudi-Arabien hat die Ölverschiffung nach Europa vorerst eingestellt: Die letzte Lieferung verließ den Hafen Yanbu am 11. September, dem Tag des Angriffs auf die Ost-West-Pipeline. Wie lange die Reparatur dauert, ist strittig – die Schätzungen reichen von Tagen bis Monaten. Die Folgen sind schon messbar: Die Inflation stieg im August auf 3,2 Prozent, Treibstoffe kosteten um 26,3 Prozent mehr als ein Jahr davor, und Diesel erreichte am Mittwoch mit 2,268 Euro je Liter einen Höchstwert. Heizöl ist binnen drei Monaten von 131 auf 190 Euro je 100 Liter gestiegen. Am Immobilienmarkt drehen erste Teilmärkte nach oben, der Engpass liegt aber weiterhin bei der Finanzierung: Die Kennzahlen der ausgelaufenen Kreditvergabeverordnung werden als Empfehlung fortgeschrieben und von den Banken angewandt.
Immobilien & Wohnrecht
Immobilienmarkt: erste Teilmärkte drehen, die Finanzierung bleibt der Engpass
Nach Jahren der Krise sieht die Branche in mehreren Teilmärkten eine positive Dynamik, aber keinen neuen Aufschwung. Bei Wohnimmobilien sind die Preise nach zwei rückläufigen Jahren 2025 wieder gestiegen, nominell um 3,6 Prozent; der Wohnimmobilien-Preisindex der Nationalbank erreichte im zweiten Quartal 2026 mit 274 Punkten ein neues Hoch, und das Transaktionsvolumen legte 2025 um mehr als 23 Prozent zu – bezeichnet wird das nicht als Strohfeuer, sondern als Normalisierung nach einem außergewöhnlichen Boom. Ein deutlicher Aufschwung des Gesamtmarkts vor 2028 gilt dennoch als unwahrscheinlich, weil die Transaktionsaktivität verhalten bleibt und mögliche neue Inflationsschübe sowie ein Anstieg der langfristigen Anleiherenditen die Investoren beschäftigen. Kapital sei vorhanden, das Zinsumfeld fördere aber noch keine breite Belebung.
Der eigentliche Engpass liegt bei der Finanzierung. Die Kreditvergabeverordnung für Wohnimmobilien ist mit 30. Juni 2025 ausgelaufen, ihre Kennzahlen werden von der Finanzmarktaufsicht jedoch als Empfehlung fortgeschrieben und von den Banken weitgehend weiter angewandt; in der Praxis bleibt es damit für Erwerber bei einem Eigenmittelbedarf von rund 20 Prozent. Im gewerblichen Bereich wurden die Eigenkapitalanforderungen verschärft: Mittlerweile gelten 20 bis 25 Prozent bezogen auf die Gesamtinvestitionskosten beziehungsweise rund 30 Prozent bezogen auf den Verkehrswert als Regel. Hinzu kommt der strukturelle Befund, dass der Wohnungsneubau mit weniger als 30.000 fertiggestellten Einheiten auf einem Tiefstand liegt.
Nach Nutzungsarten fällt das Bild unterschiedlich aus. Am Wiener Büromarkt liegt die Leerstandsquote bei etwa vier Prozent, weshalb er als Verdrängungsmarkt beschrieben wird: Unternehmen mieten nicht mehr Fläche, sondern bessere Fläche – Lage, Infrastruktur, Nachhaltigkeitskriterien und Ausstattung gewinnen gegenüber der reinen Quadratmeterzahl. Im Einzelhandel belasten Inflation und zurückhaltender Konsum, die Daten der Toplagen zeigen aber Widerstandsfähigkeit; die besten Standorte werden knapper und wertvoller. Am Logistikmarkt scheint die Talsohle durchschritten, die Nachfrage zieht an, Leerstände werden absorbiert, und spekulativ wird kaum gebaut.
Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Erstens bleibt die Eigenmittelquote die bindende Größe – wer eine Ankaufsfinanzierung rechnet, sollte nicht auf ein Nachlassen der Kennzahlen setzen, nur weil die Verordnung formal nicht mehr gilt. Zweitens verschiebt sich die Wertentwicklung innerhalb der Nutzungsarten: Bei Büroflächen entscheidet die Qualität über die Vermietbarkeit, bei Geschäftsflächen die Lage, und beim Wohnbau entsteht die Knappheit von morgen im heute unterbliebenen Neubau.
Quellen:
- Die Presse, 17.09.2026 16:28 – <https://www.diepresse.com/41271929/immobilienmarkt-investoren-und-eigentuemer-arrangieren-sich-mit-der-unsicherheit>
Wirtschaft & Konjunktur
Inflation im August bei 3,2 Prozent, Dieselpreis auf Rekordhoch
Die Teuerung ist im August auf 3,2 Prozent gestiegen, nach 2,8 Prozent im Juli, als die Mehrwertsteuersenkung für ausgewählte Grundnahrungsmittel die Rate unter drei Prozent gedrückt hatte. Ausschlaggebend waren nach Angaben der Statistik Austria vor allem höhere Treibstoff- und Heizölpreise: Diesel, Heizöl und Benzin kosteten um 26,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. In der Eurozone lag die Teuerung ebenfalls bei 3,2 Prozent. Im September hat sich die Entwicklung fortgesetzt: Der Dieselpreis erreichte am Mittwoch nach Daten der E-Control 2,268 Euro je Liter und damit einen Höchstwert, Superbenzin notierte bei 1,959 Euro und liegt damit 14 Cent unter dem Höchstwert vom Juni 2022. Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Spritpreise um rund 50 Cent gestiegen; in der Woche davor kostete Diesel im Mittel 1,57 Euro und Benzin 1,52 Euro. Die Spritpreisbremse senkt die Mineralölsteuer bis Ende September um 1,9 Cent je Liter, was den Benzinpreis um etwa ein Prozent verringert; über eine Verlängerung wird nach Angaben des Wirtschaftsministers erst knapp vor dem Auslaufen entschieden.
Die Forderungen nach Entlastung haben sich entsprechend verdichtet. Der Autofahrerklub verlangt eine EU-weite Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, mit deren Erlös Mineralölsteuer und CO2-Bepreisung gesenkt werden könnten, sowie eine stärkere Reglementierung der internationalen Preisnotierungen. Die Bundessparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer verlangt analog zum angekündigten Strompreisdeckel Maßnahmen für Betriebe und verweist darauf, dass Italien und Frankreich den gewerblichen Verkehr bereits über Rückvergütungen entlasten. Die steirische Sparte Gewerbe und Handwerk fordert konkret, dass Unternehmen von Oktober bis Dezember 2026 für nachweislich gewerblich genutzten Treibstoff 25 Cent je Liter rückerstattet bekommen; die Kammer bringt zudem einen „Anti-Inflations-Pakt“ für Gewerbebetriebe ins Spiel. Die FPÖ verlangt die Abschaffung der CO2-Steuer und eine Halbierung der Mineralölsteuer, Verkehrsclub und Umweltorganisationen setzen dagegen auf eine Senkung des Verbrauchs.
Für Betriebe mit Fuhrpark, Baustellenlogistik oder Zustelldienst ist die Rückvergütung für gewerblich genutzten Treibstoff der Punkt, der zu verfolgen ist: Sie wäre die erste Entlastung, die unmittelbar an den betrieblichen Verbrauch anknüpft, während die Spritpreisbremse mit 1,9 Cent je Liter rechnerisch kaum ins Gewicht fällt. Für die Kalkulation von Wartungs-, Reinigungs- und Entsorgungsleistungen ist mit Preisgleitungen zu rechnen; bei Werkverträgen mit Fixpreisen über mehrere Monate sollte die Treibstoffklausel geprüft werden.
Quellen:
- Der Standard, 17.09.2026 09:07 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340080/inflation-bei-32-prozent-tanken-wird-zum-fass-ohne-boden?ref=rss>
- Die Presse, 17.09.2026 09:34 – <https://www.diepresse.com/41269514/inflation-im-august-auf-3-2-prozent-gestiegen>
- Die Presse, 17.09.2026 12:18 – <https://www.diepresse.com/41269521/dieselpreis-steigt-auf-hoechsten-wert-seit-maerz-2026>
- Der Standard, 17.09.2026 09:49 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340182/dieselpreis-steigt-auf-h246chsten-wert-seit-m228rz-2026?ref=rss>
- Kurier, 17.09.2026 09:18 – <https://kurier.at/wirtschaft/inflation-gestiegen-august-2026-spritpreis/403191270>
- Kurier, 17.09.2026 09:46 – <https://kurier.at/wirtschaft/dieselpreis-benzin-treibstoffe-tanken-iran-krieg-rekord/403191292>
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 09:12 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41269398/energiepreise-treiben-oesterreichs-inflationsrate-auf-3-2-prozent>
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 09:53 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41269527/2-268-euro-je-liter-dieselpreis-in-oesterreich-auf-neuem-rekordhoch>
Nach der Zinsanhebung: offener Konflikt mit dem Weißen Haus
Die Anhebung des US-Leitzinses fiel im Offenmarktausschuss einstimmig, obwohl auf der Sitzung Ende Juli noch drei von zwölf Stimmberechtigten gegen die damalige Pause votiert hatten. Maßgeblich ist der Preisdruck: Die Konsumentenpreise legten im August um 3,4 Prozent zu, der von der Notenbank selbst bevorzugte Preisindex der privaten Konsumausgaben lag zuletzt bei 3,7 Prozent, und das Forschungszentrum der Notenbank in Cleveland erwartet für September 3,89 Prozent. Der Präsident reagierte mit der Forderung, die Zinsen sollten bei unter einem Prozent liegen, und bezifferte die Einnahmen eines Handelsstopps mit allen Defizitländern mit 1,5 Billionen Dollar. Sein Wirtschaftsberater hatte am Vortag versöhnlichere Töne angeschlagen und zugesichert, man werde den Prozess respektieren. Unter Ökonomen ist offen, ob bis Jahresende weitere Schritte folgen. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die größte Terminbörse hat alle Zinssitzungen der jeweils zwei Monate vor US-Zwischenwahlen seit 1972 ausgewertet – in 52 Prozent der Fälle blieb der Zins unverändert, und wenn er verändert wurde, dann in 57 Prozent der Fälle nach unten.
Für europäische Kreditnehmer bleibt die Lehre, dass die Notenbank dem Energiepreisschock mit steigenden Zinsen begegnet, obwohl sie dessen Ursache nicht beeinflussen kann – der Vorsitzende selbst hat Zweifel geäußert, wie weit der Einfluss auf einen angebotsseitigen Schock reicht. Solange der Ölpreis über 100 Dollar bleibt, ist mit einem Nachlassen des Zinsniveaus auf beiden Seiten des Atlantiks nicht zu rechnen.
Quellen:
- Der Standard, 17.09.2026 10:13 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340079/machtkampf-trump-vs-fed-geht-in-die-naechste-runde?ref=rss>
- Der Standard, 17.09.2026 15:55 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340259/inkompetenz-krisen-inkompetenz-der-teufelskreis-der-trump-regierung?ref=rss>
Übernahmemarkt: mehr Abschlüsse, deutlich geringeres Volumen
Im ersten Halbjahr wurden 131 Transaktionen mit österreichischer Beteiligung angekündigt, elf Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2025 mit 118 Abschlüssen. Das veröffentlichte Transaktionsvolumen sank dagegen von 17,3 auf 5,6 Milliarden Euro, also um 67,6 Prozent – was auf das Fehlen einzelner Großtransaktionen des Vorjahres zurückgeführt wird. Auch heuer gab es größere Abschlüsse: die Übernahme einer irischen Bankengruppe durch die Bawag mit rund 1,6 Milliarden Euro und ein Pflichtangebot für die ausstehenden Aktien der Kontron AG mit rund 1,45 Milliarden Euro; die fünf größten Transaktionen kamen zusammen auf rund 4,9 Milliarden Euro. Die meisten ausländischen Käufer kamen aus Europa, an der Spitze deutsche Investoren mit 21 Transaktionen, gefolgt von Käufern aus den USA und Frankreich. Auffällig ist die Struktur: Der heimische Markt wird fast vollständig von strategischen Investoren geprägt; Geber von Private Equity und Venture Capital waren an nur sieben Transaktionen beteiligt und damit an fünf Prozent des Marktes.
Für Eigentümer mittelständischer Unternehmen ist die Zahl der Abschlüsse die aussagekräftigere Größe: Der Markt ist wieder in Bewegung, allerdings bei kleineren Losgrößen und dort, wo ein Zukauf strategisch begründet ist. Wer eine Nachfolge oder einen Teilverkauf plant, findet derzeit eher einen Branchenkäufer als einen Finanzinvestor – und muss damit rechnen, dass der Käufer die eigene Marktposition, nicht die Bewertungsfantasie bezahlt.
Quellen:
- Der Standard, 17.09.2026 11:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340052/mehr-deals-weniger-milliarden-der-markt-fuer-uebernahmen-zieht-wieder-an?ref=rss>
Weiterbildungsbeihilfe erreicht die Zielgruppe nicht
Die im Juni eingeführte Weiterbildungsbeihilfe, die anders als die frühere Bildungskarenz vor allem Menschen mit geringen formalen Abschlüssen erreichen sollte, verfehlt dieses Ziel bislang. Bis Ende August genehmigte das Arbeitsmarktservice etwas mehr als 1.000 von 2.220 Ansuchen, rund 700 wurden abgelehnt, überwiegend aus formalen Gründen – etwa weil der Antrag zu früh gestellt wurde, frühestens zulässig ist er zwölf Wochen vor Beginn, oder weil die Ausbildung zu wenige Wochenstunden umfasste. Von den genehmigten Fällen betrifft ein Drittel Personen mit akademischem Abschluss, weitere 30 Prozent haben eine höhere Schule und ein Viertel eine Lehre absolviert; lediglich 4,6 Prozent haben höchstens die Pflichtschule besucht, obwohl diese Gruppe rund zwölf Prozent der unselbstständig Beschäftigten ausmacht und eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent aufweist, gegenüber knapp vier Prozent bei Akademikern. Fast die Hälfte der Bewilligungen – 494 Fälle – dient einem Studium, 132 der Meisterprüfung, 47 dem Nachholen von Matura oder Berufsreifeprüfung und eine einzige einer Lehre.
Die Rahmenbedingungen erklären einen Teil davon. Es gibt keinen Rechtsanspruch, auch wenn alle Zugangskriterien erfüllt sind; die Maßnahme muss mindestens 20 Wochenstunden umfassen und darf maximal ein Jahr dauern; Beschäftigte mit einem Bruttoverdienst unter 3.465 Euro monatlich müssen zuvor eine Bildungsberatung beim Arbeitsmarktservice absolvieren. Der Mindestsatz wurde auf 40,40 Euro täglich und damit etwa 1.200 Euro monatlich erhöht. Die Kosten liegen bei 150 Millionen Euro jährlich, gegenüber mehr als einer halben Milliarde bei der Bildungskarenz. Aus dem Ressort heißt es, es sei zu früh für ein Urteil; gerade für Menschen mit niedrigen Abschlüssen sollten die Betriebe die Weiterbildung stärker unterstützen.
Damit liegt der Ball bei den Arbeitgebern, und das ist die praktische Botschaft für die Personalarbeit: Das Arbeitsmarktservice betreut primär Arbeitslose, nicht Beschäftigte, die sich weiterentwickeln wollen. Wer Fachkräfte im eigenen Betrieb qualifizieren will – etwa vom Hilfsarbeiter zur Fachkraft oder zur Meisterprüfung –, muss die Beratung und die Antragstellung selbst anstoßen, zwölf Wochen vor Beginn und mit einer Ausbildung, die die Stundengrenze erfüllt.
Quellen:
- Der Standard, 18.09.2026 05:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340262/von-der-alten-bildungskarenz-profitierten-fast-nur-akademiker-ist-das-jetzt-anders?ref=rss>
Insolvenzen: Haustechnikbetrieb mit 53 Beschäftigten im Sanierungsverfahren
Die Tripus Haustechnik GmbH mit Sitz in Ilz hat einen Eigenantrag auf ein Sanierungsverfahren eingebracht. Die Verbindlichkeiten liegen bei rund 1,3 Millionen Euro, der Betrieb beschäftigt 53 Dienstnehmer, eine Fortführung wird angestrebt. Über die Domäne Lilienberg Weinbau GmbH in Tainach wurde am 15. September am Landesgericht Klagenfurt das Konkursverfahren eröffnet, mit Verbindlichkeiten von mindestens vier Millionen Euro und drei betroffenen Dienstnehmern; die Weinlese sei nach Angaben des Geschäftsführers bereits abgeschlossen, ein Weiterbetrieb mit Sanierungsplan wird nicht ausgeschlossen. Weiters sind eine Klagenfurter Werbeagentur und, zum zweiten Mal, ein ausgezeichnetes Fischrestaurant Fälle für das Konkursgericht geworden – im zweiten Fall, weil die Quoten aus dem früheren Verfahren nicht mehr bezahlt werden konnten.
Für Bauherren und Hausverwaltungen ist der Haustechnikbetrieb der relevante Fall: Bei laufenden Aufträgen in Heizungs-, Sanitär- und Lüftungstechnik ist zu prüfen, welche Leistungen abgerechnet und welche Anzahlungen geleistet wurden, und ob Gewährleistungsansprüche durch eine Bankgarantie oder einen Haftrücklass gesichert sind. Der zweite Fall zeigt ein Muster, das in der Praxis häufiger wird: Wer die Quote eines Sanierungsplans nicht erfüllen kann, landet im Anschlusskonkurs – für Vermieter von Geschäftsflächen ist die Quotenzahlung daher ein Beobachtungspunkt, nicht der Abschluss des Verfahrens.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 17:55 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41272343/53-jobs-haustechnik-firma-aus-ilz-schlittert-in-die-insolvenz>
- Kleine Zeitung, 18.09.2026 06:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41268675/lilienberg-konkurs-was-wird-aus-den-trauben>
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 16:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41271595/klagenfurter-werbeagentur-beschaeftigt-konkursgericht>
- Kurier, 17.09.2026 14:09 – <https://kurier.at/wirtschaft/zweite-pleite-eines-ausgezeichneten-fisch-restaurants/403191368>
Sanktionsvorwürfe gegen eine Bankentochter: Kursverlust und offene Haftungsfrage
Die Aktie der Raiffeisen Bank International verlor im Frühhandel vorübergehend mehr als acht Prozent, nachdem ein als Leerverkäufer auftretendes Researchunternehmen einen Bericht über die russische Tochterbank veröffentlicht hatte. Darin wird behauptet, Einblick in Zollunterlagen genommen zu haben, die Handelsgeschäfte im Wert von 1,19 Milliarden Dollar belegen und unter Sanktionen oder Exportkontrollbeschränkungen fallen sollen; zudem sollen 12,6 Milliarden Euro der Bank in Russland feststecken. Die Autoren fordern formelle Untersuchungen durch die Finanzmarktaufsicht, die Europäische Zentralbank und das US-Finanzministerium. Die Bank verweist auf ihre mehrfach geprüften Compliance-Systeme und stellt eine Reihe sachlich falscher und irreführender Aussagen fest. Marktkenner halten den Bericht in Teilen für zweifelhaft: Die Zollunterlagen wurden auf Nachfrage nicht ausgehändigt, und der registrierte Zollwert belegt weder Zahlungen noch Finanzierungen noch Sanktionsverstöße. Im Bericht selbst heißt es, es handle sich nicht um Fakten, sondern um Meinungen.
Der Fall ist auch ohne Bezug zur betroffenen Bank lehrreich, weil er die Haftungsfrage für Konzerne mit Töchtern in Drittstaaten berührt. Unternehmen mit Sitz in der Europäischen Union sind an die Sanktionen gebunden; inwieweit sie für Handlungen ihrer Tochtergesellschaften in Drittstaaten haften, ist im Einzelfall zu prüfen. Nicht jeder Verstoß einer Tochter führt zur Haftung der Mutter – die Mutter muss aber alles ihr Mögliche tun, damit die Tochter nicht gegen Sanktionen verstößt. Für Unternehmensgruppen mit Auslandstöchtern heißt das, die Wirksamkeit der Konzernvorgaben dokumentieren zu können und nicht bloß deren Existenz. Und der Kursverlauf zeigt die zweite Dimension: Ein Researchbericht mit ausdrücklich offengelegter Leerverkaufsposition bewegt Kurse, noch bevor Aufsichtsbehörden überhaupt geprüft haben.
Quellen:
- Der Standard, 17.09.2026 09:48 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340183/raiffeisen-aktie-nach-vorw252rfen-eines-shortsellers-unter-druck?ref=rss>
- Die Presse, 17.09.2026 19:07 – <https://www.diepresse.com/41270168/rbi-aktie-stuerzt-nach-vorwuerfen-von-us-leerverkaeufer-ab>
- ORF.at, 17.09.2026 19:04 – <https://orf.at/stories/3442484/>
- Oberoesterreichische Nachrichten, 17.09.2026 18:58 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/rbi-weist-leerverkaeufer-kritik-zurueck;art15,4213115#ref=rss>
Kammerreform in Tirol: Umlage gesenkt, Abschluss für November angekündigt
Die Präsidentin der Tiroler Wirtschaftskammer hat eine Zwischenbilanz ihrer Reform gezogen. Das Sparpaket ist beschlossen, die Kammerumlage 2 bereits gesenkt; langfristig soll die Senkung sechs Millionen Euro pro Jahr ausmachen, im November soll die Reform abgeschlossen sein. Der Rechnungshof hatte zuvor kritisiert, dass die Tiroler Kammer von 2019 bis 2024 beim Personalaufwand mit 41 Prozent am stärksten zulegte, deutlich mehr als die übrigen Länderkammern; begründet wird das mit zusätzlichen Aufwendungen für das Wirtschaftsförderungsinstitut. Die zurückgenommene Erhöhung der Aufwandsentschädigungen für Funktionäre bezeichnete sie als falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt. Dem Vorstoß für eine Verkürzung der Sommerferien schloss sie sich an und begründete das mit dem organisatorischen Aufwand, den neun Wochen Ferienbetreuung für Betriebe und Mitarbeiter bedeuten.
Für Mitgliedsbetriebe ist die Kammerumlage 2 die greifbare Größe: Sie wird als Zuschlag zur Lohnsummenbasis eingehoben und wirkt damit direkt auf die Personalnebenkosten. Wer in Tirol Dienstnehmer beschäftigt, sollte die Auswirkung der Senkung in der Lohnverrechnung für 2027 nachvollziehen.
Quellen:
- ORF.at, 17.09.2026 20:09 – <https://tirol.orf.at/stories/3371648/>
Steuer- & Unternehmensrecht
Zu Unrecht verrechnete Umsatzsteuer: Wem gebührt die Rückerstattung?
Die Stadt Wien hat bei der Verpachtung von Kleingärten ab 1. Jänner 2022 zu Unrecht zehn Prozent Umsatzsteuer vorgeschrieben. Nach Feststellung des Rechnungshofs unterliegt die Verpachtung von Kleingärten grundsätzlich einer Steuerbefreiung, weshalb bei der Vorschreibung der Pachtentgelte keine Umsatzsteuer zu verrechnen ist; nach einer vertieften Prüfung wurden die Beträge refundiert und der rechtskonforme Zustand wiederhergestellt. Im Vorjahr flossen so etwas mehr als 3,75 Millionen Euro zurück – davon 3,53 Millionen an den Zentralverband der Kleingärtner, 205.000 Euro an andere Vereine und rund 13.500 Euro an private Pächter, die direkt an die Stadt zahlen. Der Zentralverband, von dem 13.000 Kleingärtner pachten, gibt die 3,53 Millionen Euro nicht an die Unterpächter weiter: Eine eingeholte externe rechtliche Beurteilung habe ergeben, dass die Gutschrift nicht auszuzahlen sei. Der Präsident will das Geld für Projekte verwenden, die dem Kleingartenwesen zugutekommen, etwa Photovoltaikanlagen auf Vereinshäusern; über die Vergabe entscheidet der Hauptvorstand.
Die Frage stellt sich in jedem Untermiet- und Unterpachtverhältnis gleich: Wer Umsatzsteuer weiterverrechnet hat, die er selbst nicht schuldete, und sie später erstattet erhält, hat sie grundsätzlich bereicherungsrechtlich an den Vertragspartner weiterzugeben – vorbehaltlich einer abweichenden Vereinbarung und der Frage, ob dieser sie seinerseits als Vorsteuer geltend gemacht hat. Für Verwalter und Verpächter ist der praktische Schluss, bei Korrekturen der Steuerbehandlung die Weitergabe von Anfang an mitzuplanen, statt über den Verwendungszweck erst nach Eingang der Gutschrift zu entscheiden.
Quellen:
- Der Standard, 17.09.2026 08:42 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340167/zentralverband-der-wiener-kleingaertner-streitet-mit-unterpaechtern-um-millionen?ref=rss>
Umweltverträglichkeitsprüfung: Anrainer ziehen zum Verwaltungsgerichtshof
Der Streit um die Erweiterung des Lakeside Parks in Klagenfurt geht weiter: Anrainer fordern trotz einer Niederlage vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Umweltverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben; nun entscheidet der Verwaltungsgerichtshof.
Für Projektentwickler ist dieser Verfahrenstyp das eigentliche Zeitrisiko. Eine Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof hat keine aufschiebende Wirkung, wohl aber kann ein Antrag darauf gestellt werden – und bis zur Entscheidung bleibt die Bestandsfestigkeit der Baugenehmigung in Zweifel. Wer in einer solchen Lage weiterbaut, trägt das Risiko, und Finanzierungspartner verlangen dafür regelmäßig zusätzliche Sicherheiten.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 18:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41271383/uvp-streit-um-lakeside-park-geht-in-die-naechste-runde>
Europäischer Gesetzesvorschlag zu Mindestalter und Pflichten für Onlinedienste
Die Europäische Kommission hat ihren Vorschlag für ein Mindestalter bei sozialen Netzwerken konkretisiert. Unter 13-Jährige sollen keinen Zugang erhalten; für 13- bis 15-Jährige sollen Eltern verwaltete Konten mit begrenzten Funktionen und zeitlicher Einschränkung einrichten können, ab 15 Jahren wäre ein eigenes Konto möglich. Der Vorschlag erlegt allen Onlinediensten, die soziale Netzwerke, Videoplattformen, Onlinespiele, Chatbots oder KI-Begleiter für unter 18-Jährige anbieten, eine Reihe von Pflichten auf: Verbot süchtig machender Funktionen und profilbasierter Empfehlungsfeeds, kein endloses Scrollen, keine Nachrichten von Fremden, keine nächtlichen Benachrichtigungen, standardmäßig deaktivierte Chatbots, die keine emotionalen Beziehungen simulieren dürfen, standardmäßig private Profile sowie deaktivierter Zugriff auf Standortdaten, Kamera und Mikrofon. Zur Altersüberprüfung ist eine europäische App vorgesehen, die mit Reisepass oder Personalausweis eingerichtet wird und als Altersnachweis dient, ohne dass persönliche Daten weitergegeben werden; die Mitgliedstaaten können sie eigenständig veröffentlichen oder in ihre digitalen Identitäts-Wallets integrieren. Der Vorschlag baut auf der bereits geltenden Verordnung über digitale Dienste auf und muss von Rat und Parlament beraten werden.
Der österreichische Entwurf für ein Mindestalter von 14 Jahren wurde Ende Juli der Kommission zur Prüfung übermittelt; sie hat drei Monate Zeit, eine Überschneidung mit Unionsrecht auszuschließen. Neben Österreich und Frankreich planen auch Spanien, Dänemark und Griechenland nationale Altersgrenzen, während die Kommission betont, dass zusätzliche Verpflichtungen für Onlineplattformen in ihre Zuständigkeit fallen.
Für Unternehmen, die eigene Online- oder App-Angebote betreiben, an denen Minderjährige teilnehmen können, entsteht damit ein absehbarer Umsetzungsaufwand: Altersnachweis, Voreinstellungen und Abschaltung bestimmter Funktionen wären technisch umzusetzen. Wer Werbung auf solchen Plattformen schaltet, ist von den Pflichten nicht unmittelbar betroffen, muss aber mit veränderten Reichweiten in jungen Zielgruppen rechnen.
Quellen:
- ORF.at, 17.09.2026 14:56 – <https://orf.at/stories/3442423/>
- Die Presse, 17.09.2026 10:34 – <https://www.diepresse.com/41269752/von-der-leyen-praesentiert-gesetzesvorschlag-fuer-social-media-verbot>
- Die Presse, 17.09.2026 16:02 – <https://www.diepresse.com/41269414/so-will-die-eu-kinder-vor-den-gefahren-im-netz-schuetzen>
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 18:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41271907/social-media-verbot-lehren-aus-dem-cookie-banner>
Energie & Bau
Saudi-Arabien stellt Öllieferungen nach Europa ein
Der Hafen Yanbu am Roten Meer, der über die Ost-West-Pipeline versorgt wurde und von dem aus vor allem nach Europa verschifft wird, hat die Lieferungen nach Europa eingestellt. Die vorerst letzte Ladung verließ den Hafen am 11. September, dem Tag des Angriffs auf die Leitung; das wird als Vorsichtsmaßnahme gewertet, um die Reserven im Hafen zu bewahren – der Puffer trägt nach unabhängigen Schätzungen nur fünf bis sieben Tage. Die Pipeline brachte vor dem Angriff bis zu vier Millionen Fass täglich, die nun großteils fehlen; ein Teil soll unter US-Schutz über die Straße von Hormus verschifft werden. Über die Reparaturdauer gehen die Einschätzungen weit auseinander: Der US-Energieminister erwartet eine Wiederherstellung in einigen Tagen, eine Nahost-Analystin hält den Schaden für gravierender als bei einer früheren Reparatur, und ein US-Marktanalyst hält Monate für möglich. Verschärfend wirkt, dass die Blockade der Straße von Hormus nicht nur den Öltransport, sondern auch die Zufuhr der für die Reparatur benötigten Ersatzteile behindert. Die weltweiten Reserven sind seit Februar um etwa eine Milliarde Fass gefallen, und China zapft seine Reserven an und tritt wieder verstärkt als Importeur auf.
Das wahrscheinlichste Szenario ist damit ein dauerhaft erhöhter Ölpreis. Vor den US-Zwischenwahlen Anfang November gilt eine diplomatische Lösung samt Öffnung der Straße von Hormus als unwahrscheinlich, und zusätzliche Transportkapazitäten lassen sich nicht kurzfristig schaffen – die Infrastruktur der Förderländer bleibt angreifbar, und jeder weitere Schlag löst neue Preisausschläge aus. Erste Anpassungen auf der Nachfrageseite sind bereits sichtbar: Ein Billigflieger kürzt seine Kapazität für das zweite Halbjahr um fünf Prozent, nachdem in derselben Woche eine europäische Fluglinie Insolvenz angemeldet hat.
Für Österreich bedeutet ein dauerhaft dreistelliger Ölpreis einen doppelten Verlust. Kurzfristig steigen die Kosten in den Betrieben, und die Haushalte konsumieren weniger, was die Erholung bremst. Längerfristig fällt auf, wie viel Kapital abfließt: Für fossile Importe gibt das Land im Schnitt etwa zehn Milliarden Euro jährlich aus, heuer wegen der Preisspitzen entsprechend mehr. Nach einer Gegenüberstellung des Instituts für höhere Studien bleibt bei fossilen Energieträgern nur halb so viel Wertschöpfung im Land wie bei erneuerbaren. Für die Heizperiode heißt das konkret: Öl, Gas und in der Folge Fernwärme und Pellets sind teuer, und die Vorschreibungen sind entsprechend anzusetzen.
Quellen:
- Der Standard, 17.09.2026 15:57 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340191/lieferstopp-beim-oel-saudi-arabien-stoppt-schiffe-nach-europa?ref=rss>
- Der Standard, 18.09.2026 06:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000339924/dauerhaft-teurer-was-passiert-wenn-der-oelpreis-ueber-100-dollar-bleibt?ref=rss>
- Der Standard, 17.09.2026 16:47 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340288/wizz-air-k252rzt-flugplan-wegen-energiepreisen-aktie-steigt?ref=rss>
Heizöl binnen drei Monaten um fast die Hälfte teurer
Die Arbeiterkammer Tirol hat die aktuellen Heizölpreise abgefragt: Im Juni waren 131 Euro je 100 Liter zu bezahlen, Mitte September bereits 190 Euro; die Marktpreise bewegen sich in Richtung zwei Euro je Liter. Für einen Haushalt mit einem 3.000-Liter-Tank bedeutet das rund 5.700 Euro für eine Tankfüllung. Das Preisniveau liegt um 19 Prozent über dem des Vormonats und im Jahresvergleich um 71 Prozent höher. An Verbrauchsteuern und Abgaben entfallen auf einen Liter Heizöl extraleicht heuer 9,8 Cent Mineralölsteuer und rund 14,9 Cent nationale CO2-Bepreisung netto bei einem Satz von 55 Euro je Tonne. Die Kammer verlangt kurzfristige Entlastungen, mehr Transparenz bei der Preisbildung, eine grundlegende Überprüfung der CO2-Bepreisung und Instrumente zur Begrenzung außergewöhnlicher Preisaufschläge auch bei Heizöl, deren Erlöse zur Senkung der Heizkosten zweckgewidmet werden sollen. Das Land Tirol verweist auf den Heizkostenzuschuss von 250 Euro für einkommensschwächere Haushalte, für den Anträge bis 31. Oktober eingebracht werden können; im Vorjahr wurden 9.300 Anträge bewilligt und rund 2,3 Millionen Euro ausbezahlt.
Für Hausverwaltungen und Eigentümer von Objekten mit Ölheizung sind daraus zwei Schritte abzuleiten. Erstens die Beschaffung in Teilmengen statt in einer Jahresbestellung, weil ein Einkauf auf dem derzeitigen Niveau den Preis für die gesamte Heizperiode festschreibt. Zweitens der Hinweis an die Mieter auf die Antragsfrist für den Heizkostenzuschuss – bei Objekten mit zentraler Ölversorgung schlägt die Verteuerung erst mit der Abrechnung durch, die Frist für die Landesförderung endet aber schon Ende Oktober.
Quellen:
- ORF.at, 18.09.2026 05:45 – <https://tirol.orf.at/stories/3371577/>
Studie: Ausbaustopp bei Erneuerbaren würde den Strompreis um 24 Euro je Megawattstunde erhöhen
Eine Studie des Austrian Institute of Technology im Auftrag des Branchenverbands hat zwei Szenarien gerechnet: die Erreichung der Erneuerbaren-Ziele aller Mitgliedstaaten bis 2030 und einen Stopp des österreichischen Ausbaus im Jahr 2025. Bei konsequentem Ausbau braucht Österreich 2030 um 15 Prozent weniger Strom aus Gaskraftwerken, und der Strompreis sinkt signifikant, statt bei einem Stopp zu steigen – ein Verzicht auf weitere Windkraft- und Photovoltaikanlagen würde ein Plus von 24 Euro je Megawattstunde bedeuten. Österreich erzeugt bereits 90 Prozent grünen Strom, bis 2030 sollen es 100 Prozent sein, was Investitionen in Erzeugung, Netze und Speicher erfordert. Der Vorstand der Regulierungsbehörde verweist auf den Tagesverlauf: Die Preise sind morgens hoch, sinken zu Mittag durch die Photovoltaikerzeugung stark und steigen gegen Abend wieder – entscheidend sei daher, wann ein Elektroauto geladen oder eine Wärmepumpe eingeschaltet wird. Im Winter hängt der Durchschnittspreis am Gaspreis, im Sommer dämpft die erneuerbare Erzeugung.
Preisdämpfend wirkt derzeit auch die Abgabenseite: Im Jänner wurde die Elektrizitätsabgabe von 1,5 auf 0,1 Cent je Kilowattstunde gesenkt, und der Ökostromförderbeitrag ist niedriger; bei einem Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch macht das rund neun Euro aus. Aus der Vertriebsseite kommt die Forderung, Stromlieferverträge flexibler gestalten zu können als bisher mit der Bindung auf ein Jahr; Erstjahresrabatte von 65 Prozent werden dort als nicht seriös bezeichnet.
Für Betriebe und Wohnhausanlagen ist der Tagesverlauf die verwertbare Information. Wo Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen oder Kälteerzeugung vorhanden sind, liegt der Hebel nicht im Verbrauch, sondern im Zeitpunkt – die Verlagerung in die Mittagsstunden senkt die Kosten ohne Komfortverlust. Voraussetzung ist ein Liefervertrag, der die Preisunterschiede innerhalb des Tages überhaupt weitergibt.
Quellen:
- Der Standard, 17.09.2026 14:38 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340197/so-stark-daempfen-erneuerbare-den-strompreis?ref=rss>
- Kurier, 18.09.2026 05:05 – <https://kurier.at/wirtschaft/strompreis-energiekongress-gestiegen-senken-erzeuger-kunden/403191417>
Größter netzdienlicher Speicher des Landes im Innviertel in Betrieb
In Wagenham in der Gemeinde Pischelsdorf am Engelbach ist nach Unternehmensangaben der derzeit größte netzdienliche Energiespeicher Österreichs in Betrieb gegangen. Die Anlage bringt 85 Megawatt Leistung bei einer Kapazität von rund 170 Megawattstunden, ist auf Hochspannungsebene angeschlossen und soll Schwankungen aus Solar- und Windenergie ausgleichen. Die Bauzeit betrug sechs Monate, das Investitionsvolumen liegt im zweistelligen Millionenbereich. Der Betreiber führt einen weiteren Großspeicher in Arnoldstein und hat einen dritten in Fürstenfeld konzipiert, der von den dortigen Stadtwerken betrieben wird.
Die kurze Bauzeit ist der bemerkenswerte Teil: Ein halbes Jahr von der Baustelle bis zum Netzanschluss unterscheidet Batteriespeicher grundlegend von Erzeugungsanlagen und Leitungsbau. Für Eigentümer großer Dach- oder Freiflächenanlagen ist damit die Frage aufgeworfen, ob sich die Einspeisung mittags überhaupt noch rechnet oder ob ein Speicher hinter dem eigenen Zähler die bessere Verwertung ist.
Quellen:
- ORF.at, 18.09.2026 05:30 – <https://ooe.orf.at/stories/3371651/>
- Oberoesterreichische Nachrichten, 17.09.2026 17:46 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/oesterreichs-groesster-energiespeicher-ging-im-innviertel-in-betrieb;art15,4213097#ref=rss>
Bauwirtschaft: elektrische Baumaschinen, Fertigteile und Bauen im Bestand
Der größte heimische Baukonzern hat seine Innovationsschau abgehalten, und die Schwerpunkte zeigen, wohin sich die Bauausführung bewegt. Bei den Baumaschinen hat die Elektrifizierung binnen zwei Jahren den Wasserstoff verdrängt: Ein 25-Tonnen-Radlader verbraucht 40 Kilowattstunden je Stunde, sein dieselbetriebenes Gegenstück 15 Liter, und die Batterie hält elf Stunden. Bis 2040 soll rund die Hälfte der großen und kleinen Baumaschinen elektrisch betrieben werden; als Argumente werden neben den Emissionen ausdrücklich die hohen Dieselpreise und die günstigeren Wartungskosten genannt. Der Bau- und Gebäudesektor verursacht 38 Prozent der weltweiten Emissionen. Mit einem semiautonomen Straßenfertiger genügen zwei statt drei Personen beim Asphalteinbau, künftig soll eine Person reichen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Fertigteile: Serielles Planen soll den Wohnbau schneller und leistbarer machen, im Brückenbau reduzieren modulare Systeme die Bauzeit von vier Monaten auf vier Wochen – in Deutschland sind 18.000 Brücken zu sanieren oder zu ersetzen, künftig sollen es 400 pro Jahr sein. Für das Bauen im Bestand werden Bestandsgebäude mit 3D-Laserscans und Ultraschall erfasst, und Planer erhalten ein Werkzeug, das vom Bebauungsplan ausgehend Varianten aufzeigt. Bei Beton zielt die Forschung auf alternative Rohstoffe und einen niedrigeren Klinkeranteil. Mit einem neuen Geschäftsmodell errichtet der Konzern Energiezentralen bei Bürokomplexen und Quartieren, für deren Betrieb die Nutzer eine planbare Pauschale zahlen; erste Aufträge liegen vor.
Zur Marktlage: Erwartet werden eine Bauleistung von 23 Milliarden Euro, eine Marge vor Zinsen und Steuern von 5,5 bis 6 Prozent und ein um mehr als ein Viertel auf 36 Milliarden Euro gestiegener Auftragsbestand bei rund 90.000 Mitarbeitern und mehr als 14.000 Baustellen im Jahr. Die staatlichen Infrastrukturbudgets in Deutschland sind um 30 bis 35 Prozent gestiegen, die großen Beträge sollen erst 2027 und 2028 fließen. In Österreich hängt nach dieser Darstellung das Budgetdefizitverfahren über allem; bei Bundes- und Landesstraßen müsse in der Sanierung ein Zahn zugelegt werden, und der Wohnungsneubau lahme weiter wegen der Zinsen. Viel Geld fließt in Europa in Rechenzentren und Halbleiterfabriken.
Für Auftraggeber sind drei Punkte unmittelbar verwertbar. Wer eine Ausschreibung vorbereitet, kann elektrische Baumaschinen bereits verlangen – die Geräte sind im Echteinsatz, und bei den aktuellen Dieselpreisen ist der Aufschlag geringer als noch vor zwei Jahren. Bei Sanierungen lohnt die Vorerkundung mit Laserscan und Ultraschall, weil sie genau jene Überraschungen vermeidet, die Abbruch- und Umbaukosten treiben. Und das Modell der Energiezentrale mit Pauschale verlagert Beschaffungs- und Preisrisiko der Energie auf den Errichter, was bei mehrjährigen Betriebskostenprognosen von Interesse ist – gegen einen entsprechenden Preis.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 18.09.2026 05:30 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41271862/auch-auf-baustellen-soll-diesel-dem-strom-weichen>
Strompreisbremse: Branche zweifelt an der Finanzierung
Die geplante Finanzierung des Krisenmechanismus für den Strompreis sorgt bei den Erzeugern für Unmut. Stromversorger in Kärnten und der Steiermark sehen viele offene Fragen. Zur Spritpreisbremse wird eingewandt, dass sie nur einen kleinen Teil des Preisanstiegs abfedert und Österreich nicht zuwarten sollte, bis sich teure Energie durch die gesamte Wirtschaft frisst.
Beides betrifft Betriebe unterschiedlich. Beim Strom entscheidet die Finanzierungsfrage darüber, ob der Mechanismus rechtzeitig beschlussfähig ist – er soll Anfang 2027 in Kraft treten und braucht eine Zweidrittelmehrheit. Beim Treibstoff ist der Befund nüchtern: 1,9 Cent je Liter Entlastung stehen einem Anstieg von rund 50 Cent gegenüber.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 17:30 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41270785/skepsis-in-branche-stromkonzerne-sollen-preisbremse-finanzieren>
- Kleine Zeitung, 17.09.2026 19:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41270765/es-bedarf-einer-spritpreisbremse-die-wirklich-greift>
Förderprogramm für Kleinstädte: bis zu 500.000 Euro für Klima und Energie
Der Gemeinderat von Fürstenfeld hat den Austritt aus dem Klimabündnis beschlossen, dem die Stadt rund 30 Jahre angehörte; die Mitgliedschaft kostete etwa 2.700 Euro im Jahr, der Austritt ist frühestens mit 31. Dezember 2026 möglich. Begründet wurde er damit, dass es heute nicht mehr um Bewusstseinsbildung, sondern um konkrete Maßnahmen gehe und die Stadt ohnehin Teil einer Klima- und Energiemodellregion sei; die Grünen stimmten dagegen und hielten die Beratungs- und Bildungsangebote für wertvoll. Einstimmig beschlossen wurde dagegen die Bewerbung als Ökopionier-Kleinstadt – eine vom zuständigen Bundesministerium und vom Klima- und Energiefonds mit bis zu 500.000 Euro geförderte Initiative, die Städte bei der Umstellung unterstützt. Bis April 2027 soll dafür im Rathaus eine Stelle für Klima-, Energie- und Baumanagement geschaffen werden.
Für Gemeinden ist das Programm die konkrete Nachricht: Eine Förderung dieser Höhe finanziert die Personalressource, an der Klima- und Energieprojekte in kleineren Kommunen regelmäßig scheitern. Für Planer und Baufirmen im Umfeld solcher Gemeinden lohnt es, die Bewerbungen zu verfolgen, weil auf die Programmzusage typischerweise Sanierungs- und Energieprojekte folgen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 18.09.2026 06:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41267907/fuerstenfeld-verlaesst-klimabuendnis-und-wird-oekopionier-kleinstadt>
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