GEVEST-Pressespiegel vom 24.9.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Statistik Austria meldet für das erste Halbjahr einen Anstieg der Wohnimmobilienpreise um 3,9 Prozent; der Häuserpreisindex erreichte im zweiten Quartal ein Allzeithoch und übertraf erstmals den bisherigen Höchstwert aus dem dritten Quartal 2022. Die Regierung legt die Spritpreisbremse für Oktober und November neu auf, diesmal mit mehr als zwölf Cent je Liter aus gesenkter Mineralölsteuer, Margenbegrenzung und dem Umsatzsteuereffekt; beschlossen wird sie in einer Sondersitzung am 28. September. Der Nationalrat hat die Aktivpension verabschiedet: Wer im Pensionsalter weiterarbeitet, erhält einen Steuerfreibetrag von bis zu 1.250 Euro monatlich, und Pensionsversicherungsbeiträge entfallen. Vor dem Verfassungsgerichtshof wackelt der Energiekrisenbeitrag für Stromerzeuger, was ein Loch von 200 Millionen Euro jährlich in das Budget reißen könnte. In Wien werfen Apartmentvermieter der Baubehörde vor, Umwidmungsverfahren nach einem Gesetz anzuhalten, das erst im November beschlossen werden soll.
Immobilien & Wohnrecht
Wohnimmobilienpreise: Häuserpreisindex auf Allzeithoch
Die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen sind im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 3,9 Prozent gestiegen. Damit erreicht der Häuserpreisindex den höchsten Stand seit 2010, und im zweiten Quartal übertraf er erstmals den bisherigen Höchstwert aus dem dritten Quartal 2022. Bemerkenswert ist die Umkehr des bisherigen Musters: Bestandsimmobilien verteuerten sich mit vier Prozent stärker als neue Häuser und Wohnungen mit 3,8 Prozent. Der Aufwärtstrend beschleunigte sich zudem im Jahresverlauf – bei Bestandsimmobilien von 2,9 Prozent im ersten auf 5,1 Prozent im zweiten Quartal, bei neuem Wohnraum von 2,6 auf 4,9 Prozent. Die Generaldirektorin der Statistik Austria bezeichnet damit eine längere Phase moderater Preisentwicklung als beendet.
Getrennt davon wird der Preisindex für selbstgenutzten Wohnraum ausgewiesen, der neben Anschaffung auch Erwerbsgebühren, Versicherungen sowie Reparatur- und Renovierungskosten umfasst. Er stieg um 2,9 Prozent und damit deutlich stärker als 2025 mit zwei und 2024 mit 1,9 Prozent. Die Anschaffung allein verteuerte sich um drei Prozent nach 1,4 Prozent im Vorjahr und 0,8 Prozent 2024; der Erhalt des Wohneigentums um 2,9 Prozent. Grundlage sind die tatsächlichen Transaktionspreise aus den Kaufverträgen privater Haushalte.
Für die Bewertungspraxis heißt das zweierlei: Der Bestand holt gegenüber dem Neubau auf, und die Nebenkosten des Eigentums steigen inzwischen in ähnlicher Größenordnung wie die Kaufpreise selbst.
Quellen:
- Die Presse, 23.09.2026 17:17 – <https://www.diepresse.com/41291126/haeuser-und-wohnungen-wieder-deutlich-teurer>
- Der Standard, 23.09.2026 15:59 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341027/haeuser-und-wohnungen-wieder-kraeftig-verteuert?ref=rss>
- Kleine Zeitung, 23.09.2026 16:07 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41290863/das-ende-der-moderaten-preisentwicklung-beim-wohnen>
Kurzzeitvermietung in Wien: Streit um angehaltene Umwidmungsverfahren
Die Stadt Wien verschärft die Regeln für Kurzzeitvermietungen über Plattformen. Ab Anfang 2027 soll eine Registrierungspflicht gelten, und neue Regeln für die Umwidmung von Wohnungen in Beherbergungsstätten sollen bereits für alle seit dem Sommer eingereichten Verfahren wirken. Rechtsgrundlage wird das Wiener Kurzzeitvermietungsregistergesetz, das im November im Landtag beschlossen werden und mit 1. Jänner 2027 in Kraft treten soll; für bereits angebotene Wohnungen ist eine Übergangsfrist bis zum Ablauf des ersten Quartals 2027 vorgesehen.
Der Verband der Apartmentvermieter erhebt nun den Vorwurf, die Baubehörde teile Antragstellern mit, ihre Verfahren würden bis zum Beschluss nicht weiterbearbeitet. Damit werde ein Gesetz angewandt, das es noch nicht gebe. Der Verband verweist auf die Pflicht nach § 73 AVG, ohne unnötigen Aufschub zu entscheiden; Verfahren bewusst ruhen zu lassen habe keine Rechtsgrundlage. Den betroffenen Projekten entstehe ein Schaden in kumulierter Millionenhöhe, woraus Amtshaftungsansprüche gegen die Stadt erwachsen könnten. Gefordert werden die Offenlegung einer allfälligen Weisung samt Urheber und Rechtsgrundlage sowie die Einbindung der Interessenvertretungen vor dem Landtagsbeschluss. Die Wiener ÖVP schließt sich der Forderung nach Aufklärung an und verweist auf die Planungsunsicherheit für Investitionsentscheidungen.
Wer derzeit ein Umwidmungsverfahren für eine Beherbergungsnutzung laufen hat, sollte den Verfahrensstand schriftlich dokumentieren und auf eine Entscheidung nach geltendem Recht drängen; ein Devolutionsantrag bleibt bei Untätigkeit das vorgesehene Mittel.
Quellen:
- Der Standard, 23.09.2026 18:31 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341033/apartmentvermieter-werfen-stadt-wien-behoerdenwillkuer-vor?ref=rss>
Wohnkosten und Sozialhilfe: Kaution und Richtsätze als praktische Hürden
Zwei Erhebungen beleuchten dieselbe Entwicklung von verschiedenen Seiten. Die Wohnkosten sind laut Statistik Austria zwischen 2015 und 2025 im Schnitt um rund 35 Prozent gestiegen, bei Mietwohnungen um knapp 40 Prozent; gleichzeitig steigen die Energiekosten. Das niederösterreichische Armutsnetzwerk fordert daher eine allgemeine Wohnbeihilfe, die auch außerhalb des geförderten Wohnbaus zugänglich ist, einen gesetzlich verankerten und jährlich indexangepassten Heizkostenzuschuss sowie einen Sozialtarif für Wärme neben dem gestützten Strompreis. Bemängelt wird außerdem, dass der Zugang zum geförderten Wohnbau schon daran scheitere, dass mehrere tausend Euro an Eigenmitteln aufzubringen sind.
Für Eigentümer und Verwaltungen ist ein Befund besonders einschlägig: Die thermische Sanierung gilt als Schlüssel gegen Energiearmut, weil diese meist nicht durch zu hohen Verbrauch entsteht, sondern durch Wohnungen mit zu hohem Bedarf. Zugleich wird auf das bekannte Investorendilemma verwiesen – wer saniert, profitiert von den verminderten Energiekosten nicht selbst.
Eine Befragung von 700 Fachleuten aus der sozialen Praxis – von der Sozialberatung über die Delogierungsprävention bis zur Schuldenberatung – nennt zwei Punkte, die unmittelbar in die Vermietung wirken. Erstens werde die Kaution so spät ausgezahlt, dass die Anmietung in der Praxis scheitere: Günstige Wohnungen seien rasch vergriffen, und kein Vermieter warte ein bis zwei Monate auf die Bearbeitung des Antrags. Zweitens passten die Richtsätze der Sozialhilfe und die realen Wohnkosten nicht zusammen. Weiters berichtet werden lange Entscheidungsfristen, uneinheitlicher Vollzug zwischen den Bezirkshauptmannschaften und Härtefallregelungen, deren Ausgang kaum vorhersehbar sei. Die Forderungen fallen in die laufende Debatte über die Vereinheitlichung der Sozialhilfe, bei der Niederösterreich darauf pocht, dass keine zusätzlichen Kosten entstehen.
Quellen:
- ORF.at, 23.09.2026 19:47 – <https://noe.orf.at/stories/3372386/>
- Die Presse, 23.09.2026 18:53 – <https://www.diepresse.com/41290339/sozialhilfe-von-der-kunst-hilfe-zu-verhindern>
Immobiliengruppe der Nationalbank rutscht in die Verlustzone
Der Immobilienkonzern der Nationalbank wird heuer ein Minus in Höhe mehrerer Millionen Euro schreiben; die für die Notenbank vorgesehene Dividende von rund acht Millionen Euro entfällt damit. Im Vorjahr lag der Jahresüberschuss der Gruppe noch bei rund 1,8 Millionen Euro nach 16 Millionen im Jahr davor, das Ergebnis vor Steuern bei 3,2 nach 22 Millionen Euro; der Immobilienbestand war fast eine Milliarde Euro wert, der Umsatz betrug knapp 80 Millionen Euro. Die Gruppe kauft, entwickelt, vermietet und verkauft und bietet daneben Verwaltung, Facility Management, Baudienstleistungen und Projektentwicklung an.
Als Gründe genannt werden schleppende Verkäufe und Vermietungen, eine schwache Entwicklung bei Gewerbeimmobilien sowie Altlasten, deren Wurzeln in der Vergangenheit liegen und die erst vor wenigen Monaten entdeckt wurden. Bei einer niederländischen Projektgesellschaft mit zwei Hotels stellten sich bei dem noch nicht verkauften Haus bautechnische Probleme heraus, darunter Wasserschäden durch falsche Installationen, was die Verwertung zu den budgetierten Konditionen erschwert; das Ergebnis dieser Gesellschaft war schon im Vorjahr von 7,6 Millionen Euro Überschuss auf 514.000 Euro Verlust gedreht. Auch die belgische Tochter rutschte von 1,3 Millionen Euro Überschuss auf minus 1,6 Millionen, die ungarische schrieb ebenfalls rote Zahlen. Im Inland verzögert sich die Verwertung der Wohnungen eines Projekts in Mödling, die geplanten Einnahmen fallen geringer aus. Zum Oktober wechselt die Geschäftsführung.
Der Fall illustriert zwei Risiken, die in der aktuellen Marktlage zusammenfallen: verdeckte Bauqualitätsmängel, die sich erst bei der Verwertung zeigen, und Projektentwicklungen, deren Erlösannahmen bei nachlassender Nachfrage nicht mehr tragen.
Quellen:
- Der Standard, 23.09.2026 18:38 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340918/immobiliengruppe-der-nationalbank-landet-in-der-verlustzone?ref=rss>
Insolvenz einer Bau- und einer Immobilienfirma
Eine Baufirma und eine Immobilienfirma sind mit Millionenbeträgen insolvent; eine Fortführung und Sanierung beider Unternehmen ist nicht geplant. Aus demselben Haus wird die Insolvenz eines Gastronomiebetriebs gemeldet, der allerdings fortgeführt und saniert werden soll.
Quellen:
- Kurier, 23.09.2026 11:33 – <https://kurier.at/wirtschaft/millionenpleite-einer-ambitionierten-bau-und-einer-immobilienfirma/403192919>
- Kurier, 23.09.2026 16:27 – <https://kurier.at/wirtschaft/bittere-pleite-eines-ambitionierten-gastro-betriebs-fuer-bowls-wraps-und-noodles/403192907>
Wirtschaft & Konjunktur
Spritpreisbremse kehrt verstärkt zurück: mehr als zwölf Cent ab Oktober
Die Regierung hat sich auf eine Neuauflage der Spritpreisbremse für Oktober und November verständigt. Sie besteht aus drei Teilen: Die Mineralölsteuer wird um 6,7 Cent gesenkt, bei Diesel damit auf das EU-Minimum; dazu kommt eine Margenbegrenzung von 3,5 Cent je Liter; und weil beides die Bemessungsgrundlage senkt, sinkt auch die Umsatzsteuer. In Summe ergibt das eine Entlastung von etwas mehr als zwölf Cent je Liter. Zum Vergleich: Im September wirkte die Bremse mit knapp unter drei Cent, zuletzt bestand sie nur noch aus einer Mineralölsteuersenkung von 1,9 Cent. Beschlossen werden soll die Novelle des Mineralölsteuergesetzes in einer Sondersitzung des Nationalrats am 28. September, der Bundesrat befasst sich einen Tag später damit.
Die Margenbegrenzung verpflichtet Raffinerien und Sprithändler, einen Abschlag zu akzeptieren, der sich an den aktuellen Preisen der Zwischenhändler orientiert und sich mit dem Preis mitbewegt. Finanziert wird das Paket aus Mehreinnahmen bei der Umsatzsteuer und einem Vorgriff auf die erwarteten Mehreinnahmen beim Energiekrisenbeitrag Fossil, dessen Hauptzahler die Erzeuger von Mineralölprodukten sind. Anlass sind die neuerlich stark gestiegenen Preise: Diesel erreichte Mitte September mit 2,268 Euro je Liter im Mittel einen Rekord, seit Beginn des Iran-Krieges sind die Spritpreise um über 50 Cent gestiegen. Der Druck aus den Ländern war zuletzt gewachsen, auch mit Verweis auf Deutschland, wo die Energiesteuern ab Oktober um 17 Cent je Liter sinken.
Quellen:
- ORF.at, 23.09.2026 16:51 – <https://orf.at/stories/3443029/>
- Der Standard, 23.09.2026 15:56 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341026/12-cent-guenstiger-regierung-reaktiviert-spritpreisbremse?ref=rss>
- Die Presse, 23.09.2026 15:47 – <https://www.diepresse.com/41290670/regierung-greift-erneut-in-spritpreise-ein-benzin-und-diesel-sollen-um-zwoelf-cent-je-liter-billiger-werden>
- ORF.at, 23.09.2026 16:12 – <https://orf.at/stories/3443032/>
- Oberoesterreichische Nachrichten, 23.09.2026 18:50 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/neue-spritpreisbremse-gilt-mit-oktober-an-tankstellen;art15,4215087#ref=rss>
- Kleine Zeitung, 23.09.2026 22:28 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41291548/spritpreise-margeneingriff-ist-ein-schwieriger-schritt-fuer-uns>
- Der Standard, 23.09.2026 17:36 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341042/trotz-aller-nachteile-her-mit-der-spritpreisbremse?ref=rss>
Nationalbank: Inflation erst Ende 2027 am Ziel, Zinslast steigt weiter
Der Gouverneur der Nationalbank hat sich in mehreren Interviews zur Lage geäußert. Das Basisszenario sieht die Inflation in der Eurozone erst bis Ende 2027 zurück beim Ziel von zwei Prozent; die Inflationsgefahr bleibt hoch, vor allem wegen der erwarteten Entwicklung der Erdgaspreise im Herbst bei weniger gut gefüllten Speichern als im Vorjahr. Eine Prognose zur weiteren Zinsentwicklung hält er für unseriös, entschieden werde von Sitzung zu Sitzung; die nächste folgt Ende Oktober. Zweitrundeneffekte über die Löhne sieht die Notenbank bisher nicht in größerem Ausmaß, sie würden aber eine geldpolitische Reaktion bedingen.
Für die öffentlichen Haushalte nennt er drei Belastungen: höhere Zinsen, die Alterung und höhere Sicherheitsausgaben. Die Zinslast des Staates steige jährlich um mehrere hundert Millionen Euro, während der Abstand zur deutschen Referenzanleihe geringer geworden sei. Je höher die Zinsen, desto eher würden Investitionen in Forschung und Bildung verdrängt. Das Defizitziel von drei Prozent bis 2028 sieht er in Gefahr; die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus.
Die Spritpreisbremse beurteilt er skeptisch. Eingriffe sollten temporär und zielgerichtet sein und auf die besonders betroffene Gruppe der Pendler abstellen. Signalisierten die Preise die Knappheit am Weltmarkt nicht, werde zu viel verbraucht, was die Preise weiter treibe – kurzfristig hilfreich, langfristig kontraproduktiv. Sinnvoller wäre aus seiner Sicht eine temporäre Reduktion der motorbezogenen Versicherungssteuer mittels Fixbetrag. Sämtliche Maßnahmen in Österreich hätten die Inflationsrate netto um rund 0,2 Prozentpunkte verringert.
Praktisch bedeutsam für die anstehenden Lohnrunden ist sein Vorschlag an die Sozialpartner, in den Kollektivverträgen einen Teil der Lohnerhöhungen für eine zusätzliche kapitalgedeckte Pension vorzusehen. Das geplante Zukunftsdepot bezeichnet er als moderne Form des Bausparens und verweist darauf, dass eine solche Kapitalbasis jungen Menschen später die Finanzierung von Haus oder Wohnung erleichtern könnte. Für die Konjunktur erwartet die Nationalbank im zweiten Halbjahr eine etwas stärkere Dynamik, getragen von zurückgestellten und nun nachgeholten Investitionen und steigenden Auftragseingängen in Teilen der Industrie; die Erholung sei aber fragil, die Autoindustrie bleibe ein Sorgenkind. Bis 2035 rechnet die Notenbank wegen des niedrigen Produktivitätswachstums mit keinen großen Wachstumssprüngen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 06:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41287595/die-zinslast-steigt-jaehrlich-um-mehrere-hundert-millionen-euro>
- Die Presse, 24.09.2026 05:43 – <https://www.diepresse.com/41288078/oenb-gouverneur-an-die-sozialpartner-ein-teil-der-lohnerhoehung-sollte-in-eine-kapitalgedeckte-pension-gehen>
- Kurier, 24.09.2026 06:00 – <https://kurier.at/wirtschaft/defizit-budget-spritpreisbremse-kocher-nationalbank-oenb/403193023>
- Oberoesterreichische Nachrichten, 24.09.2026 06:00 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/es-kann-in-beide-richtungen-viel-passieren;art15,4215127#ref=rss>
Handel: Kollektivvertragsrunde ab Ende Oktober, Streit um den Sonntag
In einem Monat startet die erste Kollektivvertragsrunde für rund 430.000 Angestellte im Handel; mehr als die Hälfte arbeitet im Einzelhandel, der zu 70 Prozent von Frauen getragen wird. Die Branche geht von einer rollierenden Inflation von rund 3,2 Prozent aus. An den Metallern können sich die Sozialpartner heuer nicht orientieren, weil diese bereits 2025 einen zweijährigen und unter der Inflation liegenden Abschluss vereinbart haben; die Arbeitgeber ziehen stattdessen die Pensionserhöhungen als Richtschnur heran, die sich ebenfalls unter der Teuerung einpendelten. Die Beschäftigten verzeichneten bereits drei Jahre in Folge Kaufkraftverluste.
Für Eigentümer von Handelsflächen sind die parallel vorgelegten Strukturdaten aussagekräftiger als der Verhandlungspoker. Die Zahl der Geschäfte ging in zehn Jahren um 3,1 Prozent zurück, die Verkaufsfläche seit 2015 um 3,5 Prozent – doch in Innenstadtlagen beträgt der Flächenverlust 13 Prozent. Die Analyse spricht nicht von einem Absturz des stationären Handels, sondern von einem tiefgreifenden Umbau: Der Handel konzentriert sich stärker auf gute Standorte und passt Flächen und Konzepte an. Vor allem Modeanbieter sind auf dem Rückzug, an ihre Stelle treten Gastronomen, Dienstleister und Freizeitbetriebe. Kosten für Mieten und Energie stiegen vielerorts stärker als der Absatz.
In diesem Zusammenhang steht auch die neu entflammte Debatte über die Sonntagsöffnung. Der Handelsobmann der Wirtschaftskammer kann sich österreichweit bis zu zehn Öffnungstage im Jahr vorstellen und wünscht sich zudem eine Diskussion darüber, ob Geschäfte am Samstag statt bis 18 Uhr bis 21 Uhr offenhalten dürfen; derzeit ist eine Sonntagsöffnung in allen Bundesländern außer Wien in Tourismuszonen erlaubt. Der Handelsverband hält entgegen, ob sich das rechne, hänge von Betrieb und Standort ab. Die Gewerkschaft lehnt eine Liberalisierung ab: Gewinner seien wenige große Konzerne, kleine Betriebe nutzten die bestehenden Möglichkeiten ohnehin nicht aus.
Quellen:
- Der Standard, 23.09.2026 17:36 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341016/mehr-geld-oder-weniger-jobs-kampf-um-gehaelter-wird-im-handel-ein-tanz-auf-duennem-eis?ref=rss>
- ORF.at, 23.09.2026 17:41 – <https://orf.at/stories/3443041/>
- Kleine Zeitung, 23.09.2026 14:22 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41290058/sonntagsoeffnung-im-handel-bis-zu-zehnmal-im-jahr-vorstellbar>
Arbeitsmarktzugang: Beschäftigungsbewilligung entfällt im Beschwerdeverfahren
Seit dem Inkrafttreten des EU-Asylpakts am 12. Juni 2026 erhalten Asylantragstellende nach einer Ablehnung in erster Instanz keine Arbeitsbewilligung mehr, sobald sie beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingelegt haben – auch dann nicht, wenn sie bisher gearbeitet haben und weiterhin im Land bleiben dürfen. Ein Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung besteht ebenfalls nicht mehr, weil das novellierte Ausländerbeschäftigungsgesetz dafür keine Rechtsgrundlage mehr bietet. Nach Angaben des Arbeitsmarktservice halten derzeit 1.400 Personen eine Beschäftigungsbewilligung, die meisten davon im Beschwerdeverfahren; 230 Personen haben seit Juni um eine Verlängerung angesucht.
Der rechtliche Kern liegt in einem Detail mit erheblicher Wirkung: In Österreich gilt jede Verlängerung als neue Erteilung, sodass die Erteilungsvoraussetzungen wie bei einem Erstantrag vorliegen müssen – was Personen im Beschwerdeverfahren nicht erfüllen können, weil sich ihr Aufenthaltstitel formal geändert hat. Die EU-Aufnahmerichtlinie hingegen bestimmt, dass das Recht auf Arbeitsmarktzugang während eines Rechtsbehelfsverfahrens, bei dem der Antragsteller im Land verbleiben darf, nicht entzogen werden darf. Sowohl das Arbeitsmarktservice als auch die Asylkoordination gehen davon aus, dass die österreichische Umsetzung einschränkender ausgefallen ist als vorgesehen und die Frage bis zu den Höchstgerichten und möglicherweise zum Gerichtshof der Europäischen Union gehen wird.
Für Betriebe bedeutet das kurzfristigen Personalausfall ohne Übergangsregelung. Betroffen sind besonders Gastronomie und Hotellerie in Vorarlberg und Tirol sowie Einzelfälle in Mangelberufen; die bestehenden Bewilligungen laufen aus, ohne dass eine Verlängerung möglich wäre.
Quellen:
- Der Standard, 23.09.2026 09:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340439/neues-arbeitsverbot-fuer-fluechtlinge-wer-im-asylverfahren-beruft-verliert-jobzugang?ref=rss>
Wiener Börse über 7.000 Punkten, Bauwirtschaft bleibt das Sorgenkind
Der Leitindex ATX hat erstmals die Marke von 7.000 Punkten überschritten und liegt seit Jahresbeginn rund 30 Prozent im Plus, während der deutsche Leitindex nur fünf Prozent zulegte und der französische Markt auf der Stelle tritt. Getragen wird die Entwicklung von Banken und Versicherungen, die etwa die Hälfte des Index ausmachen und stark in Osteuropa verankert sind; dort wächst die Wirtschaft heuer um erwartete 2,9 Prozent, gegenüber 0,9 Prozent in der Eurozone und 0,8 Prozent in Österreich. Als weitere Gründe genannt werden die vergleichsweise günstige Bewertung, hohe Dividenden und der Umstand, dass im heimischen Index keine Titel aus dem Bereich künstliche Intelligenz notieren, was den Markt bei einer Korrektur dort abschirmen würde.
Für die betriebliche Einschätzung sind drei Punkte aus den begleitenden Analysen erheblicher als der Indexstand. Erstens: Bleiben die Öl- und Gaspreise hoch, läge die Inflation in Österreich auch im kommenden Jahr über drei Prozent; erwartet wird nur noch eine Leitzinserhöhung im Dezember, die am Markt eingepreisten weiteren Schritte gelten als übertrieben. Zweitens gilt die Bauwirtschaft weiterhin als größtes Sorgenkind – ohne ihr Minus läge das österreichische Wachstum auf dem Niveau des Euroraum-Durchschnitts. Drittens wird auf Sondersteuern etwa bei Energieunternehmen und teilweise im Bankensektor als Risiko hingewiesen, das internationale Investoren abschrecken könne. Die Industrieproduktion stagnierte in Österreich im ersten Halbjahr, läuft aber etwas besser als in Deutschland; unter Druck steht vor allem der Maschinenbau, während EDV und Pharma gut laufen und die heimische Industrie insgesamt sogar Beschäftigung aufgebaut hat.
Quellen:
- Der Standard, 23.09.2026 20:23 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340855/wiener-boerse-im-aufwind-banken-und-osteuropa-treiben-die-kurse-auf-rekordhochs?ref=rss>
- Die Presse, 23.09.2026 09:23 – <https://www.diepresse.com/41288238/atx-klettert-erstmals-ueber-7000-punkte>
- Die Presse, 23.09.2026 14:59 – <https://www.diepresse.com/41288190/atx-schlaegt-sp-500-warum-man-auf-oesterreichische-aktien-setzen-sollte>
Werkstattkosten: Stundensätze bis 297 Euro, große regionale Unterschiede
Ein Preisvergleich der Arbeiterkammer Oberösterreich bei 123 Werkstätten zeigt erhebliche Spannen. Eine Mechanikerstunde kostet im Durchschnitt 139 Euro, Spenglerarbeiten 205 Euro und Lackierarbeiten 211 Euro. Die Bandbreite reicht bei Mechanikern von 50 bis 225,90 Euro, bei Spenglern und Lackierern von 75 bis 297 Euro je Stunde. Gegenüber dem Vorjahr sind die Stundensätze um rund vier Prozent gestiegen. Die wiederkehrende Begutachtung nach § 57a kostet im Schnitt 73 Euro, beim günstigsten Anbieter 48 und beim teuersten 101,52 Euro; regional reicht die Spanne von durchschnittlich 65 Euro im Bezirk Freistadt bis 82 Euro in Wels. Die Autofahrerklubs verlangen 72,20 beziehungsweise 60,30 Euro inklusive Plakette.
Für die Fuhrparkverwaltung empfiehlt die Arbeiterkammer, vor Reparaturen einen schriftlichen Kostenvoranschlag einzuholen – dieser ist grundsätzlich kostenlos, sofern die Werkstatt nicht vorab ausdrücklich auf Kosten hinweist, etwa in den Geschäftsbedingungen – und eine Preisobergrenze festzulegen, bis zu der ohne Rücksprache gearbeitet werden darf. Gerade bei älteren Fahrzeugen könne allein die Fehlersuche teuer werden.
Quellen:
- ORF.at, 24.09.2026 05:21 – <https://ooe.orf.at/stories/3372305/>
Steuer- & Unternehmensrecht
Aktivpension beschlossen: Steuerfreibetrag und Wegfall der Pensionsbeiträge
Der Nationalrat hat am Mittwoch mit den Stimmen der Koalition die Aktivpension beschlossen. Wer das gesetzliche Pensionsalter erreicht hat und weiter erwerbstätig ist, erhält einen Steuerfreibetrag von bis zu 1.250 Euro im Monat – unabhängig davon, ob der Pensionsantritt aufgeschoben wurde oder neben dem Pensionsbezug gearbeitet wird. Voraussetzung sind 40 Versicherungsjahre; für Frauen gilt anknüpfend an die schrittweise Anhebung ihres Pensionsalters eine Einschleifregelung bis 2033, beginnend bei 34 Versicherungsjahren. Für die Personalverrechnung ebenso wesentlich: Beschäftigte im Pensionsalter zahlen künftig keine Pensionsversicherungsbeiträge mehr, bei Selbstständigen fällt nur noch der fiktive Dienstgeberanteil an.
Im selben Paket wurden Änderungen bei der Abfertigung neu beschlossen. Die von den Unternehmen zu leistenden Beiträge können nunmehr in einer Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft veranlagt werden, und alle Arbeitnehmer können erworbene Abfertigungsanwartschaften kostenfrei in eine Pensionskasse übertragen – auch dort, wo der Arbeitgeber keinen Pensionskassenvertrag abgeschlossen hat. Damit eröffnet sich die Möglichkeit einer lebenslangen steuerfreien Zusatzpension; im Gegenzug entfällt bei Pensionsantritt die freie Verfügung über den Abfertigungsanspruch.
Weiters enthält das Paket Dürrehilfen für die Landwirtschaft in Form eines Erlasses von zwei Monatsbeiträgen zur Sozialversicherung, was den Betrieben rund 140 Millionen Euro ersparen soll. Einstimmig beschlossen wurde eine Novelle zum Behinderteneinstellungsgesetz: Der Ausgleichstaxfonds erhält ergänzend zur Basisfinanzierung Sondermittel von heuer 65 Millionen Euro, 2027 45,1 Millionen, 2028 24,4 Millionen und ab 2029 14,4 Millionen Euro für Maßnahmen zur beruflichen Integration. Vertriebene aus der Ukraine können künftig unbefristet Familienbeihilfe beziehen, allerdings nicht gleichzeitig Leistungen aus der Grundversorgung.
Quellen:
- ORF.at, 23.09.2026 15:43 – <https://orf.at/stories/3442989/>
- Der Standard, 23.09.2026 16:55 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340922/fpoe-fordert-lebenslang-fuer-kinderschaender-sporrer-ortet-scheinheilige-rolle-beim-kinderschutz?ref=rss>
Energiekrisenbeitrag für Stromerzeuger vor dem Verfassungsgerichtshof
Der Verfassungsgerichtshof hat im Juli ein Gesetzesprüfungsverfahren zum Energiekrisenbeitrag-Strom eingeleitet, nachdem ein Energieunternehmen einen Steuerbescheid bekämpft hatte. Die Abgabe trifft vor allem Erzeuger erneuerbarer Energie – Betreiber von Wasserkraftwerken, großen Photovoltaikparks und Windkraftanlagen – und wurde 2022 eingeführt, im vergangenen Jahr erhöht und bis einschließlich 2029 verlängert. Im Vorjahr brachte sie 367 Millionen Euro, bis 2029 sind jährlich 200 Millionen Euro veranschlagt.
Die Bedenken der Höchstrichter setzen an mehreren Punkten an. Eine Sonderabgabe dürfe nur für einen angemessenen, begrenzten Zeitraum vorgesehen sein; dieser habe 2022 und 2023 bestanden, als die Strompreise explodierten und eine EU-Not-Verordnung die Grundlage bot, doch ab Jänner 2024 trat eine Beruhigung ein und die EU-Regelung lief aus. Zweitens setzt der Beitrag nicht am Gewinn an, sondern am Erlös: Je nach Alter der Anlage wird oberhalb von 90 beziehungsweise 100 Euro je Megawattstunde abgeschöpft, ohne dass unterschiedlich hohe Produktionskosten ausreichend berücksichtigt würden. Drittens unterliegen nur Erzeuger, nicht aber Händler der Regelung, wodurch Landesenergieversorger ausgenommen sind – eine Rechtfertigung dafür ist für das Gericht vorerst nicht erkennbar. Viertens wird bemängelt, dass eine Abschöpfung ohne Zweckbindung bei aufrechter Merit-Order die Preise für Stromkunden gar nicht senken kann, obwohl das Ziel des Gesetzes ist.
Die Regierung hält dagegen, es habe auch nach 2023 keine Rückkehr zur Normalität gegeben, die Preise seien erhöht geblieben, und diese fortdauernde Sondersituation rechtfertige die Abgabe; zudem sei sie so ausgestaltet, dass Investitions- und Betriebskosten gedeckt werden können. Ein Prüfbeschluss bedeutet noch keine Aufhebung, doch angesichts der massiven Bedenken wird die Verteidigung der Regelung als schwierig eingeschätzt. Angefochten ist zwar nur die Fassung des Jahres 2024, die Regelungen 2025 blieben aber im Wesentlichen gleich, sodass auch die geltende Sondersteuer als gefährdet gilt. Bereits rechtskräftige Steuerfestsetzungsbescheide können nachträglich nicht mehr angefochten werden – wer in den vergangenen Jahren Beschwerde eingelegt hat, darf hingegen mit einer Rückzahlung rechnen. Entschieden werden muss bis Jahresende.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 05:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340999/spezialsteuer-fuer-stromerzeuger-wackelt-droht-ein-millionenloch-im-budget?ref=rss>
Energie & Bau
Photovoltaik auf Rekordkurs, Windkraft und Großspeicher hinken nach
Bereits am 20. September wurde heuer mehr Solarstrom in das öffentliche Netz eingespeist als in jedem vollständigen Kalenderjahr davor. Bis 2022 lag der Anteil der Photovoltaik an der Nettostromerzeugung konstant bei ein bis zwei Prozent, heuer könnten es Hochrechnungen zufolge 13 Prozent werden. Im vergangenen Sommer stammte durchschnittlich jede vierte Kilowattstunde im Verbundnetz aus einer Photovoltaikanlage; der Spitzentag war der 25. Juli mit 42,3 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Rechnet man den Eigenverbrauch hinzu, lag die solare Bruttoerzeugung 2025 bei bis zu acht Terawattstunden – um dreißig bis vierzig Prozent mehr als die ausgewiesenen 5,7 Terawattstunden Nettoerzeugung. Das im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz verankerte Ziel von 13 Terawattstunden bis 2030 liegt bei einer aktuellen Bruttoerzeugung von rund elf Terawattstunden in Reichweite, Jahre früher als geplant.
Ungleich verläuft die Entwicklung bei der Windkraft, die ihrem Ausbaupfad weiterhin hinterherhinkt; in Salzburg, Tirol und Vorarlberg dreht sich bis heute kein einziges Großwindrad. Weil sich Sonne und Wind saisonal ergänzen – Photovoltaik mit Spitzen im Sommer und zu Mittag, Windkraft gleichmäßiger und im Winter am stärksten –, wächst die Lücke, die Erdgaskraftwerke schließen müssen, wenn nur eine der beiden Quellen zulegt.
Bei den Speichern zeigt sich dasselbe Bild in kleinerem Maßstab. Installiert sind Batteriespeicher mit 3,2 Gigawattstunden Kapazität und rund 1.650 Megawatt Leistung, davon entfällt der weitaus größte Teil auf Heimspeicher in Ein- und Zweifamilienhäusern; echte Großspeicher sind bislang die Ausnahme. Bei den Netzbetreibern liegen Anschlussanfragen für Batteriespeicher mit zusammen bis zu 25 Gigawatt Leistung vor – mehr als das Doppelte der höchsten Stromlast des Landes –, während die Regulierungsbehörde für die kommenden zehn Jahre nur mit einem Bedarf von drei bis fünf Gigawatt rechnet. Wie schnell diese Anlagen ans Netz gehen, hängt an der strittigen Frage, welche Speicher als systemdienlich gelten und damit zwanzig Jahre von den Netzentgelten befreit werden.
Quellen:
- Der Standard, 23.09.2026 17:30 – <https://www.derstandard.at/story/3000000333107/neuer-rekord-schon-jetzt-mehr-solarstrom-als-im-gesamten-vorjahr?ref=rss>
Rechenzentren: Umweltprüfung geplant, Wirkung auf den Strompreis erwartet
Für den Bau großer Rechenzentren gab es bisher kaum Regeln, eine Umweltverträglichkeitsprüfung war nicht erforderlich – anders als etwa bei fünf nebeneinander stehenden Windrädern. Das soll sich ändern, allerdings nur für große Anlagen. Als Grund für die bisherige Lücke wird genannt, dass es schlicht keine Kategorie dafür gab: In Wien würden seit fünfzig Jahren Rechenzentren gebaut, meist als kritische Infrastruktur und wenig sichtbar; die neuen Anlagen dagegen seien modular konzipiert, deutlich größer und würden meist auf Wiesen errichtet, um bei Bedarf erweitert werden zu können.
Auf die Frage, ob die zusätzliche Nachfrage den Strompreis auch für die Allgemeinheit steigen lässt, lautet die Einschätzung der befragten Professorin: durchaus – mehr Bedarf bei gleichem Angebot könne die Preise heben. Offen sei, ob die Netzkapazitäten reichen, zumal sich Wasserkraftwerke und Windräder nicht unbegrenzt errichten ließen. Der Verbrauch einzelner Anlagen wird mit dem ganzer Städte oder halber Bundesländer verglichen.
Für Standortentscheidungen und Netzplanung ist der Hinweis erheblich, dass die Prüfpflicht an eine Größenschwelle geknüpft werden soll; für Projekte knapp darunter bliebe es beim bisherigen Verfahren.
Quellen:
- Der Standard, 23.09.2026 07:42 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340916/rechenzentren-koennten-strom-fuer-alle-teurer-machen-informatikerin-brandic-in-der-zib-2?ref=rss>
Baustellenbelastung: wo die Grenze des baustellenüblichen Ausmaßes liegt
Ein Fall aus Villach zeigt, welche Beschwerden bei einer Wohnbaustelle rechtlich durchdringen und welche nicht. Anrainer in einer engen Wohnstraße beklagen nach drei aufeinanderfolgenden Bauprojekten seit Juni 2025 Lärm, Staub und Schwerverkehr; aktuell entstehen drei Baukörper mit 30 Wohnungen, Fertigstellung Ende 2027. Dokumentiert wurden Materiallieferungen bereits gegen 5.30 Uhr, die der Bauherr bestätigt, mit dem Hinweis, sie seien in einer eigens eingerichteten Gruppe angekündigt worden und regulär werde ab 6 Uhr gearbeitet. Große Lastwagen müssen durch die Wohnstraße zufahren und dort rangieren; zeitweise waren sieben Betonmischer gleichzeitig vor Ort. Die Pacht angrenzender Wiesen als Manövrierfläche kam nicht zustande, Entlastung wird vom bevorstehenden Abbau des Krans erwartet. Gegen den Staub wurde der Boden mit einem Mittel zur Staubbindung behandelt und die Straße nach größeren Lieferungen rund zehnmal gereinigt.
Die Stadt kontrollierte die Baustelle mehrfach, teils mehrmals täglich, und kommt zu dem Ergebnis, dass Lärm, Staub und Schmutz nicht über das baustellenübliche Ausmaß hinausgehen und die Zufahrt geeignet ist. Ein von den Anrainern gefordertes Verkehrskonzept sei bei einer Baustelle dieser Größe weder üblich noch gesetzlich vorgeschrieben; durch die 30 neuen Wohnungen sei auch keine übermäßige Verkehrszunahme zu erwarten.
Für Bauherren und Projektentwickler sind daraus zwei Punkte ablesbar: Die behördliche Messlatte ist das baustellenübliche Ausmaß, nicht die empfundene Belastung – und die Reibungspunkte, die tatsächlich eskalieren, betreffen Anlieferzeiten vor Arbeitsbeginn und das Fehlen eines erreichbaren Ansprechpartners vor Ort.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 06:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41224428/wir-sind-am-ende-baustelle-in-villach-zermuerbt-nachbarschaft>
Fernwärmeausbau in Feldkirchen: 4,7 Millionen Euro, 44 neue Abnehmer
Das Fernwärmenetz der Kärntner Stadtgemeinde Feldkirchen wurde um rund 2,5 Kilometer erweitert und die Kesselkapazität erhöht; investiert wurden rund 4,7 Millionen Euro. Das Land steuert rund 590.000 Euro bei, gemeinsam mit der Bundesförderung fließen insgesamt rund 1,4 Millionen Euro an Fördermitteln, also knapp 30 Prozent der Investitionssumme. Hinzu kommen 44 neue Abnehmer mit einer Gesamtanschlussleistung von 4.085 Kilowatt, womit sich jährlich rund 2.690 Tonnen Kohlendioxid einsparen lassen. Mittlerweile sind alle kommunalen und betrieblichen Objekte angeschlossen, versorgt werden rund 70 Prozent der Stadtgemeinde.
Die Größenordnung der Förderquote ist der praktisch verwertbare Teil: Für Anschlussprojekte in vergleichbarer Lage lässt sich damit abschätzen, welcher Anteil der Netzausbaukosten über Landes- und Bundesmittel gedeckt werden kann.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 06:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41288713/4-7-millionen-euro-fliessen-in-die-fernwaerme-in-feldkirchen>
Deutschland legt Fahrplan zum Ausstieg aus fossiler Energie vor
Deutschland hat bei den Vereinten Nationen einen Plan vorgelegt, wie bis 2045 der vollständige Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas gelingen soll. Zur Ausgangslage: 2024 deckten fossile Brennstoffe noch 65 Prozent des deutschen Energieverbrauchs, 98 Prozent des Mineralöls und 95 Prozent des Erdgases wurden importiert, die Gesamtkosten dafür lagen bereits damals bei 76 Milliarden Euro und sind seither deutlich gestiegen. Als Beleg für die Machbarkeit wird angeführt, dass 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft wurden.
Quellen:
- ORF.at, 23.09.2026 16:38 – <https://orf.at/stories/3443036/>
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