GEVEST-Pressespiegel vom 25.9.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Nationalbank hat ihren ersten Immobilienmarktbericht vorgelegt und darin eine Zahl genannt, die den Bankensektor noch beschäftigen wird: Im gewerblichen Wohnbau fällt inzwischen jeder siebente Kredit aus. Die Metallindustrie hat den zweiten Teil ihres zweijährigen Kollektivvertrags bestätigt – 1,9 Prozent mehr Ist-Lohn bei einer maßgeblichen Inflation von 3,3 Prozent. Der Verbund hebt seinen Österreich-Tarif für Neukunden von 9,5 auf 10 Cent an; die Marktpreise für Oktober liegen um 92 Prozent über dem Vorjahr. In Wien läuft das neue Vergabesystem für Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen mit Bonuspunkten, und am Kohlmarkt weicht der letzte große Herrenausstatter einer Schmuckmanufaktur.
Immobilien & Wohnrecht
Nationalbank: erster Marktbericht, 14 Prozent Kreditausfälle im gewerblichen Wohnbau
Die Oesterreichische Nationalbank hat erstmals einen Marktbericht für Wohn- und Gewerbeimmobilien vorgelegt, der künftig jährlich erscheinen soll. Der erste ist ein Rückblick auf die Jahre 2000 bis 2025. Bis 2009 entwickelten sich Preise und Einkommen ähnlich; das größte Risiko waren damals Fremdwährungskredite, die vor der Finanzkrise fast ein Drittel aller Kredite ausmachten und heute kaum mehr eine Rolle spielen. Ab Mitte 2010 folgte der Boom: Die Preise stiegen um 120 Prozent, die Einkommen um durchschnittlich 38 Prozent, entsprechend wuchs die Verschuldung der Haushalte. Mit der Zinswende ab Mitte 2022 endete diese Phase, die Schere begann sich wieder zu schließen. Zugleich sind die Zinsrisiken für Private kleiner geworden: Der Anteil variabel verzinster Kredite war zeitweise auf bis zu 80 Prozent gestiegen und ging seither deutlich zurück. Die Kreditvergabeverordnung ist formal ausgelaufen, gilt aber weiter als Empfehlung; die systemischen Risiken aus der Wohnimmobilienfinanzierung haben sich dadurch deutlich verringert. Für die kommenden Jahre erwartet die Notenbank einen weiterhin angespannten Wohnungsmarkt: Die Bautätigkeit bleibt gering, und finanzierbares Bauen wird angesichts hoher Grundstückspreise und Baukosten das bestimmende Thema bleiben.
Deutlich unerfreulicher fällt der Befund zu den Gewerbeimmobilien aus. Der Anteil von Gewerbeimmobilienkrediten am gesamten Volumen der Unternehmenskredite liegt in Österreich bei 43 Prozent – 2011 war es nicht einmal ein Drittel, und nur in Finnland und Estland ist der Anteil in Europa noch höher. Die Mehrheit dieser Kredite ist variabel verzinst. Mit der Zinswende brachen die Transaktionen um 50 Prozent ein, die Preise korrigierten real um ein Viertel, und die Kreditausfälle stiegen: auf rund acht Prozent im gesamten Gewerbeimmobiliensektor und auf 14 Prozent im gewerblichen Wohnbau, also jeden siebenten Kredit. Die Verteilung ist dabei sehr ungleich: Bei 103 Instituten, also 27,5 Prozent der Banken, liegt der Anteil notleidender Kredite über zehn Prozent, während fast ein Fünftel gar keine Ausfälle verzeichnet. Weil die Banken trotz jahrelanger Warnungen keinen Risikoabbau betrieben, führte die Aufsicht ab Juli 2025 einen sektoralen Systemrisikopuffer ein, der heuer noch einmal erhöht wurde. Nach Darstellung der Aufsicht wirkt der Puffer weder auf Vergabevolumina noch auf Margen; es werde nun gebaut, was gebraucht wird, statt Leerstand zu produzieren. Eine deutliche Reduktion der notleidenden Kredite erwartet man in zwei bis drei Jahren.
Für Projektentwickler und Bestandshalter sind daraus zwei Schlüsse zu ziehen. Erstens ist die Kreditverfügbarkeit im gewerblichen Wohnbau nicht gleichmäßig verteilt – wer bei einem Institut mit hohem Ausfallsanteil finanziert, trifft auf eine andere Risikobereitschaft als bei einem Haus ohne Altlasten; ein Wechsel des Finanzierungspartners kann den Ausschlag geben. Zweitens bedeutet die Restrukturierung der ausgefallenen Kredite, dass Banken Sicherheiten verwerten werden. Das erhöht in den kommenden zwei bis drei Jahren das Angebot an Objekten aus Verwertungen – für Käufer mit Eigenmitteln die interessantere Seite dieser Entwicklung.
Quellen:
- ORF.at, 24.09.2026 18:01 – <https://orf.at/stories/3443109/>
- Die Presse, 24.09.2026 21:36 – <https://www.diepresse.com/41268449/die-banken-und-ihr-immobilienproblem>
- Kurier, 24.09.2026 14:14 – <https://kurier.at/wirtschaft/immo/wohnungsmarkt-angespannt-prognose-nationalbank-immobilien-leistbarkeit/403193167>
Wiener Wohnungsvergabe: Bonuspunkte entscheiden, 32.000 Anträge in zehn Wochen
Seit Dienstag läuft in Wien ausschließlich das neue Vergabesystem für Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen. Es gibt nur noch ein Wohnticket für alle Segmente, und die Reihung erfolgt über Bonuspunkte. Vergeben werden sie unter anderem für Alleinerziehende, bei drohendem Wohnungsverlust, bei Betroffenheit von häuslicher Gewalt, bei Trennung oder Scheidung, bei fehlendem Bad oder WC, beim Wechsel in eine kleinere Wohnung sowie für Schwangere und junge Menschen in Aus- und Weiterbildung; stark gewichtet sind eine Mobilitätseinschränkung in einer ungeeigneten Wohnung und Pflegebedarf. Der Wien-Bonus für sechs Jahre durchgehenden Hauptwohnsitz bleibt bestehen. Seit dem Start des Parallelbetriebs Mitte Juli gab es 38.500 Registrierungen und rund 32.000 Anträge, 13.500 Wohntickets wurden ausgestellt; etwa die Hälfte der Anträge stammt von Personen, die schon im alten System vorgemerkt waren und dafür einen Startbonus bis Jahresende erhalten. Die bisher höchste Punktezahl lag bei 290, im Schnitt sind es rund 80 – zugleich wurde bereits eine Dreizimmerwohnung an eine Person ohne Bonuspunkte vergeben, weil sich sonst niemand dafür interessierte. Eine Überlastungsattacke auf die Server am Dienstag wurde nach Angaben der Verantwortlichen rasch beherrscht und wird technisch aufgearbeitet.
Rund 14.000 Wohnungen wurden bisher jährlich vergeben, daran soll sich nichts Wesentliches ändern; rund eine halbe Million Wiener Haushalte erfüllt die Grundvoraussetzungen, vor allem die Einkommensgrenzen. Die Opposition kritisiert, dass zu wenig leistbarer Wohnraum gebaut werde: Die Bewilligungszahlen für geförderte Wohnungen der vergangenen sechs Jahre lägen bei nicht einmal der Hälfte des langjährigen Durchschnitts, und mit neuen Gemeindewohnungen ließen sich gerade zwei Prozent des jährlichen Wohnbedarfs decken.
Für gemeinnützige Bauträger ändert sich die Belegungspraxis spürbar: Die Reihung folgt nun einem veröffentlichten Punkteschema statt der Wartezeit, was die Zusammensetzung der Mieterschaft in Neubauprojekten verschiebt – hin zu Haushalten mit dringendem Bedarf und entsprechendem Betreuungsaufwand. Für Eigentümer frei finanzierter Objekte ist die Zahl der Vormerkungen das aussagekräftige Signal: 32.000 Anträge in zehn Wochen bei rund 14.000 jährlich vergebenen Wohnungen beschreiben den Nachfrageüberhang, der auch den freien Mietmarkt stützt.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 17:39 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341282/neue-wiener-wohnungsvergabe-startete-mit-hacker-angriff-und-kritik-der-opposition?ref=rss>
- ORF.at, 24.09.2026 18:57 – <https://wien.orf.at/stories/3372553/>
Geschäftsflächen in der Wiener Innenstadt: 500 Euro je Quadratmeter und Monat
In den besten Lagen der Wiener Innenstadt werden die Flächen neu verteilt. Auf der Route zwischen Stephansplatz und Hofburg kostet der Quadratmeter Geschäftsfläche 500 Euro aufwärts im Monat. Nach fast 60 Jahren endet diese Woche der Betrieb eines Herrenausstatters am Kohlmarkt; der Betreiber sagt, die Miete sei leistbar gewesen, man habe aber ein Angebot erhalten und angenommen – es könne auch lukrativ sein, aus dem Kohlmarkt auszuziehen. Nachmieter wird eine deutsche Schmuckmanufaktur, die sich damit von 50 auf 150 Quadratmeter vergrößert; der Umbau soll ein bis zwei Monate dauern. Das Gebäude steht, wie viele im Zentrum, im Eigentum der Kirche. Auch andernorts bewegt sich viel: Ein US-Modekonzern soll den Graben im Visier haben, konkret jene Fläche, die sich bis Februar drei Traditionsbetriebe teilten – hinter denkmalgeschützten Fassaden mit entsprechenden Auflagen. Eine französische Ledermarke bereitet am Michaelerplatz auf 300 Quadratmetern die Eröffnung vor. In der deutlich günstigeren Kärntner Straße expandieren dagegen Gastronomiekonzepte.
Das Muster ist für die Bewirtschaftung von Geschäftsflächen aufschlussreich. Mit dem Generationswechsel steigen die Mieten der verbliebenen Einzelbetriebe, und die Aussicht auf eine Ablöse erleichtert den Abschied – die Verdrängung läuft also nicht über Kündigungen, sondern über Abschichtung. Leerstand entsteht dabei kaum: Zeitweise Lücken seien weniger finanziellen als taktischen Gründen geschuldet, heißt es aus der Vermittlungspraxis. Für Eigentümer in Toplagen heißt das, dass die Verwertung über die Ablöse an Bedeutung gewinnt; für Eigentümer in den Nebenlagen, dass die verdrängten Nutzungen dort ankommen – zu deutlich niedrigeren Mieten und mit kürzerer Bindungsdauer.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 18:38 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341092/das-letzte-hemd-des-house-of-gentlemen-im-herzen-wiens-weicht-tradition-dem-luxus?ref=rss>
Weingebiete: Zweitwohnsitzmarkt bewegt sich wieder, Infrastruktur hilft
In den Weinbaugebieten kommen nach Jahren der Stille wieder vereinzelt Objekte auf den Markt. Im Südburgenland, das vor gut zehn Jahren als Zweitwohnsitzgebiet entdeckt wurde und dann einen steilen Anstieg von Nachfrage und Preisen erlebte, werden für außergewöhnliche Objekte Preise um oder oberhalb der Millionengrenze aufgerufen, während reguläre, fertig beziehbare Häuser ab einer halben Million zu haben sind. In der Südsteiermark beginnen Objekte mit Renovierungsbedarf bei 500.000 Euro, einzugsbereite Anwesen mit Weinstöcken, Obstgärten oder Wald bei einer Million. In der Wachau ist der Käuferstrom noch sehr überschaubar; ein renovierungsbedürftiges Winzerhaus in Langenlois um 300.000 Euro findet derzeit kaum Interessenten, während besondere Liegenschaften wieder Nachfrage anziehen.
Zwei Faktoren heben einzelne Lagen hervor. Erstens die Verkehrsanbindung: Die S7 verkürzt die Fahrt von Jennersdorf nach Wien und Graz, die Koralmbahn mit dem neuen Bahnhof Weststeiermark bindet die Südsteiermark besser an. Zweitens die Ausstattung: Ein Objekt mit Wärmepumpe und Photovoltaikanlage findet nach Angaben eines Vermittlers derzeit mehrere Interessenten – ein Hinweis darauf, dass die Energieausstattung bei Zweitwohnsitzen mittlerweile preisbildend wirkt. Gefragt bleiben uneinsehbare Ruhe- und Alleinlagen, wobei auch Adressen zwischen den bekannten Hotspots akzeptiert werden, gerade weil sie ruhiger sind.
Quellen:
- Die Presse, 24.09.2026 14:24 – <https://www.diepresse.com/41292636/in-den-weingebieten-tauchen-vereinzelt-wieder-immobilien-am-markt-auf>
Verurteilung des Signa-Gründers rechtskräftig
Das Urteil des Landesgerichts Innsbruck, mit dem der Gründer der Signa-Gruppe wegen betrügerischer Krida zu 30 Monaten unbedingter Haft verurteilt wurde, ist rechtskräftig; weder die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft noch die Verteidigung erhoben ein Rechtsmittel. Gegenstand waren eine Schenkung von 300.000 Euro sowie eine Mietvorauszahlung von rund 360.000 Euro für eine Villa, wegen der der Oberste Gerichtshof einen früheren Freispruch aufgehoben hatte. Die bisher 20 Monate Untersuchungshaft werden angerechnet; entlassen wird der Verurteilte dennoch nicht, weil in weiteren Verfahren ermittelt wird. Ein zweites erstinstanzliches Urteil – 15 Monate bedingt und 4.320 Euro Geldstrafe wegen der Entziehung von Vermögenswerten – wurde ebenfalls rechtskräftig. Ein weiterer Prozess wegen schweren Betrugs und betrügerischer Krida steht bevor; dabei geht es um eine angeblich wahrheitswidrige Garantie und eine Schädigung einer Familienstiftung um rund fünf Millionen Euro.
Für die Branche ist weniger das Strafmaß von Bedeutung als der Tatbestand: Die Verurteilungen betreffen durchwegs Vermögensverschiebungen im Vorfeld und Umfeld der Insolvenz. Wer als Gläubiger in einem Insolvenzverfahren steht, findet hier den praktischen Anknüpfungspunkt – Schenkungen und Vorauszahlungen an nahestehende Personen sind anfechtbar und strafrechtlich relevant.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 14:54 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341188/-benkos-verurteilung-zu-30-monaten-haft-rechtskr228ftig?ref=rss>
- Die Presse, 24.09.2026 14:52 – <https://www.diepresse.com/41293684/verurteilung-von-rene-benko-zu-30-monaten-haft-ist-rechtskraeftig>
- ORF.at, 24.09.2026 16:28 – <https://orf.at/stories/3443152/>
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 15:10 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41293818/30-monate-haft-verurteilung-von-rene-benko-ist-rechtskraeftig>
Wirtschaft & Konjunktur
Metallindustrie: 1,9 Prozent mehr Ist-Lohn ab November, zweiter Reallohnverlust
Die Sozialpartner der Metallindustrie haben den zweiten Teil ihres im Vorjahr geschlossenen zweijährigen Kollektivvertrags bestätigt. Mit 1. November steigen die Ist-Löhne um 1,9 Prozent, die kollektivvertraglichen Mindestlöhne um 2,1 Prozent auf mindestens 2.622,74 Euro monatlich; die Lehrlingseinkommen steigen ebenfalls um 2,1 Prozent, die Zuschläge für Nachtarbeit und die dritte Schicht um 7,01 Prozent auf 3,75 Euro je Stunde. Dazu kommen Kaufkraftsicherungsprämien: Die Beschäftigten können zwischen zweimal zwei zusätzlichen freien Tagen und zwei Einmalzahlungen von je 500 Euro wählen. Die maßgebliche rollierende Inflation von September 2025 bis August 2026 liegt bei 3,3 Prozent, sodass die Beschäftigten das zweite Jahr in Folge real verlieren. Für das laufende Jahr hatte die Erhöhung 1,41 Prozent bei den Ist-Gehältern und zwei Prozent bei den Mindestgehältern betragen.
Beide Seiten verteidigen den Abschluss. Die Gewerkschaft spricht von einem Krisenabschluss, der Arbeitsplätze gesichert und Nulllohnrunden abgewendet habe; er sei aber eine einmalige Sache gewesen, das Ziel müsse wieder die Erhaltung der Kaufkraft sein. Die Arbeitgeber halten dagegen, die Lohnzurückhaltung reiche nur, um die Kluft bei den Lohnkosten zur übrigen Eurozone nicht weiter wachsen zu lassen – um sie zu schließen, brauche es zehn Jahre solcher Abschlüsse. Von Anfang 2023 bis Ende 2025 wuchsen die kollektivvertraglichen Löhne in Österreich kumuliert um acht Prozentpunkte stärker als in der Eurozone. Aus der Wirtschaftsforschung wird eingewandt, dass der Abstand vor allem gegenüber Westeuropa besteht, während die Löhne in Osteuropa bei ebenfalls hoher Inflation ähnlich stiegen. Nach einer Analyse der Nationalbank liegen die Abschlüsse seit Herbst 2025 im Schnitt 0,4 Prozentpunkte unter der maßgeblichen Inflation, davor lagen sie 0,3 Prozentpunkte darüber; die Reallöhne sind seit 2022 um etwa ein Prozent gefallen. Im August ist die Beschäftigung in der Industrie erstmals seit drei Jahren wieder gestiegen.
Für Betriebe außerhalb der Metallindustrie ist der Abschluss der Referenzwert für die eigene Herbstlohnrunde: Er zeigt, dass ein Abschluss unter der rollierenden Inflation durchsetzbar ist, wenn die Branchenlage das trägt. Zugleich hat die Gewerkschaft für die kommenden Verhandlungen angekündigt, an die Kaufkraftsicherung zurückzukehren – ein Abschluss auf diesem Niveau ist daher nicht ohne Weiteres fortzuschreiben.
Quellen:
- Der Standard, 25.09.2026 05:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341171/zwei-jahre-reallohnverlust-wie-der-krieg-im-iran-die-metaller-trifft?ref=rss>
- Die Presse, 24.09.2026 15:03 – <https://www.diepresse.com/41293001/einem-nackerten-kann-man-keinen-pullover-wegnehmen>
- ORF.at, 24.09.2026 15:48 – <https://orf.at/stories/3443145/>
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 10:30 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41291753/details-zum-kv-abschluss-metaller-loehne-steigen-um-1-9-prozent>
- Kurier, 24.09.2026 12:28 – <https://kurier.at/wirtschaft/herbstlohnrunde-kollektivvertraege-metaller-knill-binder/403193120>
Pensionsanteil im Kollektivvertrag: Gewerkschaft weist den Vorschlag zurück
Der Gouverneur der Nationalbank hat vorgeschlagen, dass die Sozialpartner in den Kollektivverträgen einen Teil der Lohnerhöhungen für eine zusätzliche kapitalgedeckte Pension vorsehen; das würde die Abhängigkeit des Pensionssystems von der Demografie verringern. Die Gewerkschaft hat den Vorschlag zurückgewiesen, hält mediale Zurufe für entbehrlich und sieht ihn kritisch. Weiter argumentiert der Gouverneur, die Debatte werde zu stark auf das gesetzliche Antrittsalter verkürzt – ebenso gehöre das Arbeiten im Alter und der Aufbau einer kapitalgedeckten Säule dazu; eine Kommission aus Fachleuten und Politikern nach deutschem Vorbild könne zur Versachlichung beitragen. Zu den Eingriffen gegen die Teuerung hält er fest, dass alle österreichischen Maßnahmen die Inflationsrate netto um rund 0,2 Prozentpunkte verringert haben; großflächige Markteingriffe seien weder hilfreich noch erfolgreich, abfedern könne man die Wirkung für besonders Betroffene wie Pendler. Die Spritpreisbremse bewertet er skeptisch, und das Ziel von drei Prozent Defizit bis 2028 sieht er in Gefahr. Gegen gemeinsame europäische Anleihen führt er an, dass es auf EU-Ebene keine ausreichende fiskalpolitische Verantwortlichkeit gibt; ein breit gehandeltes sicheres Papier wäre geldpolitisch wünschenswert, sei aber ohne politische Grundlage nicht sinnvoll.
Für Betriebe ist der Vorschlag deshalb von Belang, weil er die Lohnrunde betrifft: Ein für die Pensionsvorsorge gewidmeter Anteil wäre eine Arbeitgeberleistung, die nicht in die Ist-Lohnbasis eingeht und damit die Grundlage künftiger Erhöhungen nicht anhebt. Nach der Absage der Gewerkschaft ist damit in der laufenden Herbstlohnrunde allerdings nicht zu rechnen.
Quellen:
- Die Presse, 24.09.2026 08:50 – <https://www.diepresse.com/41288078/oenb-gouverneur-kocher-mehr-pension-statt-lohnerhoehung>
- Die Presse, 24.09.2026 16:34 – <https://www.diepresse.com/41293986/mehr-pension-statt-lohnerhoehung-gewerkschaft-weist-kochers-vorschlag-bruesk-zurueck>
- Kurier, 24.09.2026 13:00 – <https://kurier.at/wirtschaft/defizit-budget-spritpreisbremse-kocher-nationalbank-oenb/403193023>
Werksschließung in Groß-Enzersdorf: 240 Beschäftigte betroffen
Ein Tiefkühlproduzent schließt 2027 sein Produktions- und Verpackungswerk in Groß-Enzersdorf. Betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird, sowie 50 Leiharbeitskräfte. Das Werk sei in die Jahre gekommen und benötige erhebliche Investitionen in Produktion, Verpackung, Lagerhaltung und Versorgungseinrichtungen; angesichts der Entfernung zum westeuropäischen Markt und der begrenzten Kostenwettbewerbsfähigkeit gegenüber mittel- und osteuropäischen Ländern lasse sich der Standort nur für den heimischen Markt rechtfertigen, und dafür seien die nötigen Investitionen zu groß. Die Gemüseproduktion läuft bis Dezember 2026 weiter, ab August 2027 soll der Fokus auf dem Vertrieb liegen, beliefert aus anderen Werken. Vertrieb und Vertriebsinnendienst bleiben erhalten und sollen von einem noch festzulegenden Standort in der Region Wien aus arbeiten. Die Gewerkschaft fordert einen raschen Sozialplan und eine Arbeitsstiftung und warnt vor einem Verlust an regionaler Wertschöpfung.
Die Begründung ist für Standortfragen aufschlussreich: Nicht die laufenden Kosten geben den Ausschlag, sondern die anstehende Reinvestition in einen Altbestand. Für Eigentümer von Industrieliegenschaften ist das der kritische Zeitpunkt – wo ein Werk vor der Generalsanierung steht, entscheidet sich, ob der Standort weitergeführt oder aufgegeben wird. Für Gemeinden stellt sich damit frühzeitig die Frage der Nachnutzung einer Produktionsliegenschaft.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 15:05 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341204/tiefk252hlproduzent-ardo-schlie223t-2027-werk-in-gro223-enzersdorf-in-n214?ref=rss>
- Kurier, 24.09.2026 15:01 – <https://kurier.at/wirtschaft/ardo-austria-frost-iglo-tiefkuehlproduzent-schliesst-werk-2027-gross-enzersdorf/403193192>
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 15:05 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41293786/mehr-als-200-stellen-betroffen-tiefkuehlproduzent-schliesst-werk>
- Oberoesterreichische Nachrichten, 24.09.2026 21:17 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/tiefkuehlproduzent-ardo-schliesst-werk-in-gross-enzersdorf;art15,4215533#ref=rss>
Unerschlossenes Arbeitskräftepotenzial: 61 Prozent bleiben zwei Jahre außerhalb
Eine Untersuchung des Instituts für Höhere Studien im Auftrag des Integrationsfonds hat erhoben, wie viele junge Menschen weder in Schule noch Ausbildung noch Beschäftigung stehen. 2021 – den aktuellsten verfügbaren Daten – traf das auf 8,7 Prozent der 15- bis 24-Jährigen ohne Migrationshintergrund zu, auf 13,3 Prozent der zweiten Generation und auf 27,3 Prozent jener, die nicht in Österreich geboren sind. Der wesentliche Befund betrifft die Verweildauer: Fast 61 Prozent waren zwei Jahre später noch immer in derselben Lage. Jugendliche ohne Migrationshintergrund und jene der zweiten Generation fanden dabei etwa gleich häufig zurück, im Ausland Geborene deutlich seltener. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei jungen Frauen der ersten Generation: Drei Viertel blieben außerhalb, gegenüber 44 beziehungsweise 43 Prozent bei den anderen Gruppen. Als begünstigende Faktoren nennt der Studienautor eine Flucht aus noch intakten Strukturen, ein Netzwerk mit Eltern, die sich im Bildungssystem zurechtfinden, und Sprachkenntnisse einschließlich Schriftlichkeit in der Muttersprache. Empfohlen werden frühe Ansprache, praxisnahe Einblicke ins Arbeitsleben, die Verbindung von Deutschlernen und Arbeiten sowie eine höhere Betreuungsdichte an den Übergängen im Bildungsverlauf.
Parallel dazu haben Arbeitsmarktservice, Industriellenvereinigung und ein Sozialträger in Kärnten gemeinsame Initiativen vorgestellt: Bis 2050 könnten dort bis zu 36.000 Arbeitskräfte fehlen. Der Rückblick fällt dabei günstiger aus als erwartet – von 2016 bis 2025 sank der durchschnittliche Bestand an Arbeitslosen um 30 Prozent oder rund 7.500 Personen, die Beschäftigung stieg um 6,5 Prozent oder rund 13.000 Personen, und die Zahl der offenen Stellen hat sich mehr als verdoppelt. In den Projekten für Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund werden Vermittlungsquoten von im Schnitt 60 Prozent genannt, in einem Vorbereitungsprojekt für Pflegeberufe 87 Prozent.
Für Betriebe mit Personalbedarf ist die Zahl von 61 Prozent die eigentliche Nachricht: Wer einmal aus dem System gefallen ist, kommt ohne aktives Zutun kaum zurück. Die Zugangswege laufen daher über Trägerprojekte und Praxiseinblicke, nicht über die Stellenausschreibung. Wer Lehrstellen besetzen will, findet hier eine Gruppe, die im Standardverfahren schlicht nicht sichtbar wird.
Quellen:
- Die Presse, 25.09.2026 05:48 – <https://www.diepresse.com/41291747/jung-migrantisch-und-ohne-beschaeftigung>
- Kleine Zeitung, 25.09.2026 06:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41294492/oeif-studie-jung-migrantisch-und-ohne-beschaeftigung>
- Kleine Zeitung, 25.09.2026 05:10 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41294871/unterschiede-bei-arbeitslosen-jugendlichen-nach-herkunft>
- ORF.at, 24.09.2026 18:50 – <https://kaernten.orf.at/stories/3372531/>
Tourismus als Inflationstreiber: Beherbergung und Gastronomie seit 2019 um 47 Prozent teurer
Eine Studie der Nationalbank ordnet den Tourismus als einen Treiber der hartnäckig hohen Teuerung in Österreich ein. Die Preise in Beherbergung und Gastronomie sind seit 2019 um 47 Prozent gestiegen; als Gründe werden hohe Kostensteigerungen, eine gesunkene Produktivität in der Branche und eine Nachfrage genannt, die Preisanpassungen erlaubt. Der Sektor trage damit maßgeblich zum Inflationsabstand gegenüber dem Euroraum bei. Zugleich ist er wirtschaftlich gewichtig: 2025 brachte mit 157 Millionen Nächtigungen einen Höchstwert, rund drei Viertel davon entfielen auf ausländische Gäste, 53 Prozent auf den Sommer; die Wertschöpfung wird mit 6,5 Prozent der gesamten Wertschöpfung beziffert. Die ersten Monate der Sommersaison deuten auf einen neuen Rekord, auch weil Reisende wegen der Lage im Nahen und Mittleren Osten auf sichere und gut erreichbare Ziele ausweichen. Die Österreicher selbst reisten dagegen etwas weniger und kürzer: 11,6 Millionen private Reisen bedeuten ein Minus von 1,7 Prozent, die Aufenthaltsdauer sank von 4,7 auf 4,5 Tage.
Für Betriebe ist der Zusammenhang unangenehm konkret. Weil die Teuerung in Österreich über jener des Euroraums liegt und die rollierende Inflation die Grundlage der Kollektivvertragsverhandlungen bildet, schlagen die Preise einer einzelnen Branche auf die Lohnkosten aller durch. Für Eigentümer von Beherbergungs- und Gastronomieflächen ist die genannte Produktivitätsentwicklung das Warnsignal: Preissteigerungen dieser Größenordnung sind ohne Produktivitätsfortschritt nicht dauerhaft durchsetzbar.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 11:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000340838/beim-urlaub-wurde-heuer-gespart?ref=rss>
Insolvenzen: Solaranlagenbauer, Kerzenvertrieb, Gastronomie
Über die MSG MySolar GmbH in Klagenfurt wurde mit Verbindlichkeiten von 2,2 Millionen Euro ein Insolvenzverfahren eröffnet; der Betrieb soll geschlossen werden. Ein Kerzendirektvertrieb hat am Handelsgericht Wien Konkurs angemeldet, die Gesamtverbindlichkeiten betragen rund 700.000 Euro, eine Fortführung ist nicht vorgesehen; betroffen sind wegen ausgegebener Gutscheine zahlreiche Gläubiger, beschäftigt war zuletzt ein Dienstnehmer. Auslöser war der Rückzug des US-Eigentümers aus dem europäischen Markt, in dessen Folge die Schweizer Muttergesellschaft in Liquiditätsschwierigkeiten geriet; im August stellte zudem ein wesentlicher IT-Dienstleister wegen offener Forderungen seine Leistungen ein, sodass Abrechnung und Bestellabwicklung nicht mehr möglich waren. Ein Grazer Restaurant hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt und bietet den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent an; der Betrieb soll fortgeführt werden. Für die im August geschlossene größte Diskothek Kärntens wurde ein neuer Betreiber gefunden.
Für Auftraggeber von Photovoltaikanlagen ist der erste Fall der relevante: Bei Schließung des Betriebs erlöschen die Gewährleistungsansprüche faktisch, weil kein Vertragspartner mehr greifbar ist. Wer eine Anlage von diesem Errichter hat, sollte die Herstellergarantien für Module und Wechselrichter prüfen – sie laufen direkt gegen den Produzenten und überdauern die Insolvenz des Errichters. Der zweite Fall zeigt eine unterschätzte Abhängigkeit: Der Ausfall eines IT-Dienstleisters wegen offener Forderungen hat den Geschäftsbetrieb beendet, noch bevor die Insolvenz eröffnet war.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 17:14 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41293181/millionenkonkurs-eines-solaranlagen-bauers-in-klagenfurt>
- Der Standard, 24.09.2026 18:53 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341289/kerzendirektvertrieb-partylite-meldet-auch-in-214sterreich-konkurs-an?ref=rss>
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 17:10 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41294431/ausgebrannt-kerzenhaendler-partylite-muss-auch-in-oesterreich-konkurs>
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 11:16 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41292041/sanierungsverfahren-wieder-ist-ein-grazer-restaurant-pleite>
- Kurier, 24.09.2026 11:29 – <https://kurier.at/wirtschaft/bittere-pleite-eines-ambitionierten-italienischen-restaurants/403193128>
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 09:00 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41291713/kaerntens-groesste-diskothek-hat-einen-neuen-betreiber>
Neuwagenmarkt: Marktanteil chinesischer Marken auf elf Prozent
Im August stiegen die Neuzulassungen in der Europäischen Union um 4,5 Prozent. Dahinter verbirgt sich eine Verschiebung: Der Absatz herkömmlicher Antriebe schrumpfte um fast elf Prozent, während 63 Prozent mehr Elektrofahrzeuge zugelassen wurden und Plug-in-Hybride um knapp elf Prozent zulegten. Als Ursache werden die hohen Treibstoffpreise genannt. Der Marktanteil chinesischer Hersteller stieg von unter sieben auf fast elf Prozent; deutsche Hersteller verloren mehr als zwei Prozentpunkte und liegen bei 39 Prozent. Der Analyse zufolge hängt das Marktwachstum wesentlich an der Förderung der Elektromobilität, die überproportional chinesischen Herstellern und einem US-Anbieter zugutekommt, weil diese im niedrigen und mittleren Preissegment wettbewerbsfähige Modelle und attraktive Finanzierungskonditionen anbieten; laufen die Förderungen aus, sei mit einem Einbruch zu rechnen.
Für Betriebe mit Fuhrpark ist das eine unmittelbar verwertbare Information: Der Preisdruck durch neue Anbieter senkt die Anschaffungskosten, und die Finanzierungskonditionen sind derzeit ein eigener Verhandlungsgegenstand. Wer umstellt, sollte allerdings die Restwertannahme vorsichtig ansetzen – ein Auslaufen der Förderungen trifft zuerst den Gebrauchtwagenwert.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 11:36 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341079/jeder-neunte-neuwagen-kommt-heute-schon-aus-china?ref=rss>
Größter heimischer Konzern verschiebt den Börsengang
Die aus dem Zusammenschluss einer OMV-Tochter mit Partnern aus Abu Dhabi und Kanada entstandene Kunststoffgruppe hat ihren für heuer geplanten Börsengang abgesagt, mit dem eine Kapitalerhöhung von 3,5 bis vier Milliarden Dollar verbunden gewesen wäre; die Investmentbanken halten das Marktumfeld für Petrochemieunternehmen für zu schlecht. Stattdessen wurde die Dividende halbiert, der Hälfteeigentümer erhält für 2026 nur noch 250 statt 500 Millionen Dollar. Der Börsengang soll 2027 nachgeholt werden. Belastet hatte den Start, dass die Anlagen in der Golfregion im Frühjahr getroffen wurden – zwei Cracker brannten, die Kapazität sank im zweiten Quartal auf 60 Prozent, und der Export über die Straße von Hormus brach ab. Die Anlagen sind seit Ende Juni wieder voll verfügbar, der Transport läuft über den Hafen Fujairah am Golf von Oman. Bestellungen aus China wurden in der Krisenphase aus europäischen statt aus nahöstlichen Werken bedient. Für den Standort Schwechat wird kommenden Montag eine Anlage eröffnet, in der Basiskunststoffe mit weiteren Materialien und Rezyklaten zu maßgeschneiderten Werkstoffen veredelt werden.
Für Zulieferer und Standortgemeinden ist die Veredelungsanlage der bemerkenswerte Teil: Die europäischen Werke sind in der reinen Grundstoffproduktion zu teuer, ihre Berechtigung liegt in Spezialitäten mit hohen Anforderungen. Das ist das Muster, nach dem sich Industriestandorte in Europa derzeit neu ausrichten – und der Maßstab, an dem sich die Investitionsentscheidungen für die kommenden Jahre messen lassen.
Quellen:
- Die Presse, 25.09.2026 05:47 – <https://www.diepresse.com/41291670/borouge-international-oesterreichs-60-milliarden-start-up-legt-einen-stolperstart-hin>
Wechsel im Direktorium der Europäischen Zentralbank
Die für die Märkte zuständige Direktorin der Europäischen Zentralbank wechselt nach Angaben von Insidern vorzeitig zum Internationalen Währungsfonds, wo die Leitung der Abteilung Geld- und Kapitalmärkte seit 1. September vakant ist; ihre Amtszeit hätte erst Ende 2027 geendet. Sie gilt als eine der gewichtigsten Stimmen im Rat und hatte zuletzt die stark gestiegenen Energiepreise als besorgniserregend bezeichnet und offengelassen, ob es mit der jüngsten Zinserhöhung getan sei.
Für die Zinserwartung ist das insofern von Belang, als eine der lautesten Stimmen für Preisstabilität ausfällt. Ableiten lässt sich daraus noch keine Kursänderung – die Nachbesetzung ist der Punkt, auf den zu achten ist.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 15:30 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341216/insider-ezb-direktorin-schnabel-vor-wechsel-zum-iwf?ref=rss>
- ORF.at, 24.09.2026 17:32 – <https://orf.at/stories/3443157/>
Steuer- & Unternehmensrecht
Aktivpension: bis zu 1.250 Euro monatlich, Streit über die Verteilungswirkung
Zur am Mittwoch beschlossenen Steuergutschrift für Erwerbstätigkeit im Pensionsalter sind die Eckpunkte nun klar: Der Bonus kann bis zu 1.250 Euro im Monat betragen; Voraussetzung im Endausbau sind 40 Versicherungsjahre und das Erreichen des Antrittsalters von 65 Jahren, wobei für Frauen eine Einschleifregelung analog zur Angleichung des Antrittsalters gilt. Ab dem ersten dazuverdienten Euro greift eine Steuerentlastung oder ‑befreiung, zusätzlich entfallen die Pensionsversicherungsbeiträge. Die Kritik richtet sich gegen die Verteilungswirkung: In absoluten Zahlen profitieren Menschen mit hoher Pension deutlich stärker. Die zuständige Staatssekretärin bestätigt diesen Zusammenhang und begründet ihn damit, dass eine höhere Steuerlast auch mehr Entlastung ermöglicht. Auf die Frage, woher die Arbeitsplätze für Ältere kommen sollen, verweist sie auf die bevorstehende Pensionierungswelle und auf 100 Millionen Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik; ein Bonus-Malus-System für Betriebe lehnt sie ab, die Androhung eines Malus wäre ein falsches Signal. Eine Beschränkung auf Mangelberufe ist nicht vorgesehen.
Für die Personalplanung ist die Regelung ab 2027 ein Argument, das sich unmittelbar einsetzen lässt: Wer ausscheidende Fachkräfte halten oder als Zuverdienende zurückholen will, kann auf eine Nettoverbesserung verweisen, die den Betrieb nichts kostet. Die Entlastung fällt allerdings umso größer aus, je höher die Pension ist – bei Beschäftigten mit niedriger Pension ist sie kein wirksamer Anreiz.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 08:14 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341068/aktivpension-als-steuerzuckerl-fuer-besserverdienende-eibinger-miedl-in-der-zib-2?ref=rss>
- Die Presse, 24.09.2026 15:32 – <https://www.diepresse.com/41291674/was-bringt-die-aktivpension-nur-wer-viel-steuern-zahlt-kann-viel-profitieren>
Bankinsolvenz: Haftungsprüfung gegen Vorstände, Aufsichtsräte und Prüfer
Im Insolvenzverfahren einer Ende 2024 zusammengebrochenen Wiener Bank haben knapp 500 Gläubiger Forderungen von 516 Millionen Euro angemeldet, von denen der Masseverwalter 186 Millionen bestritten hat; rund 300 Millionen entfallen auf Einlagen, für die die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde eingesprungen ist und knapp 38 Millionen Euro ausbezahlt hat. Bei Konkurseröffnung standen 41 Kunden mit rund 150 Millionen Euro in der Kreide, fast alle Kredite wurden notleidend. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt nun gegen vier frühere Bankmanager wegen des Verdachts, wirtschaftlich nicht vertretbare Kredite vergeben zu haben; der Schaden soll bis zu 62 Millionen Euro betragen, es gilt die Unschuldsvermutung. Der Insolvenzverwalter prüft daneben Haftungsansprüche gegen frühere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sowie gegen Bank- und Abschlussprüfer.
Zwei Punkte sind über den Einzelfall hinaus bemerkenswert. Erstens der Umgang mit den Kreditforderungen: Für ein teils besichertes Obligo von 55 Millionen Euro boten die verbliebenen vier Interessenten zwischen 4,5 und zehn Millionen Euro – ein Maßstab dafür, was notleidende Forderungen im Verwertungsfall tatsächlich bringen. Zweitens die Liegenschaft: Der 1.400 Quadratmeter große Bankensitz wurde Ende 2023 mit 26,1 Millionen Euro bewertet, die fünf Garagenplätze mit 585.000 Euro; trotz etlicher Interessenten hat niemand ein Kaufanbot auch nur in Aussicht gestellt. Zwischen Bewertung und erzielbarem Preis kann in einem solchen Verfahren eine erhebliche Lücke liegen.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 15:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341108/pleitebank-euram-wksta-ermittelt-gegen-ex-manager?ref=rss>
Energie & Bau
Verbund hebt den Österreich-Tarif an, Marktpreise um 92 Prozent über dem Vorjahr
Der größte heimische Stromerzeuger hebt seinen Österreich-Tarif für Neukunden von 9,5 auf 10 Cent netto je Kilowattstunde an, brutto also von 11,4 auf 12 Cent. Bestandskunden sind nicht betroffen, der alte Tarif gilt für sie weiter. Wichtig ist die Rechnung nach Ablauf der einjährigen Preisbindung: Weil der neue Tarif einen höheren Rabatt enthält, steigt der Preis danach brutto auf 18 Cent, beim alten Tarif waren es 15. Hintergrund sind der Krieg im Iran und die Sperre der Straße von Hormus, die die Gaspreise und in der Folge die Strompreise nach oben getrieben haben, sowie die anhaltende Trockenheit, die die Erzeugung aus Wasserkraft gedämpft hat. Nach Angaben der Energieagentur liegen die Marktpreise für Strom im Oktober 2026 um 92,2 Prozent über jenen des Vorjahresmonats. Versorger in Oberösterreich haben vorerst nicht nachgezogen, prüfen aber teils Anpassungen.
Für Betriebe und Hausverwaltungen sind daraus zwei Punkte abzuleiten. Erstens lohnt der Blick auf das Ende der Preisbindung: Der Unterschied zwischen 15 und 18 Cent brutto nach Ablauf des Rabatts ist größer als der Unterschied im ersten Jahr, und er entscheidet über die Kosten der zweiten Heizperiode. Zweitens ist ein Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt nur für jene interessant, die ohnehin abschließen müssen – wer einen alten Tarif hält, fährt damit günstiger. Bei Allgemeinstrom über einen Objektzähler ist zu prüfen, wann die aktuelle Bindung ausläuft, weil die Nachfolgekonditionen auf dem heutigen Marktniveau gebildet werden.
Quellen:
- Der Standard, 24.09.2026 13:11 – <https://www.derstandard.at/story/3000000341135/adieu-95-cent-verbund-hebt-seinen-oesterreich-tarif-an?ref=rss>
- Die Presse, 24.09.2026 13:50 – <https://www.diepresse.com/41292980/verbund-erhoeht-strompreis-fuer-neukunden>
- Kleine Zeitung, 24.09.2026 12:27 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41292742/verbund-erhoeht-preise-so-viel-kostet-oesterreich-tarif-ab-sofort>
- Kurier, 24.09.2026 13:00 – <https://kurier.at/wirtschaft/oesterreich-tarif-verbund-strompreis-neukunden-erhoehung/403193156>
- Oberoesterreichische Nachrichten, 25.09.2026 06:00 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/verbund-erhoeht-strompreis-vorerst-keine-steigerungen-in-oberoesterreich;art15,4215517#ref=rss>
Ab Oktober: Weitergabe und Verkauf von Solarstrom werden einfacher
Mit Oktober wird das Teilen und Verkaufen von selbst erzeugtem Solarstrom erleichtert. Voraussetzung sind ein digitaler Stromzähler und bestehende Stromverträge; zunächst funktioniert das Modell nur innerhalb desselben Netzgebiets.
Das ist für Wohnhausanlagen und Gewerbeobjekte mit Photovoltaikanlage die praktisch bedeutsamste Änderung des Monats. Wo Überschussstrom bisher zu niedrigen Einspeisetarifen abgegeben wurde, kann er künftig an andere Zählpunkte weitergegeben werden – bei gemeinschaftlichen Anlagen in Mehrparteienhäusern ist damit die Verteilung auf einzelne Wohnungen ohne aufwendige Konstruktion möglich. Die Beschränkung auf das eigene Netzgebiet grenzt den Kreis der möglichen Abnehmer allerdings ein.
Quellen:
- Kurier, 24.09.2026 07:45 – <https://kurier.at/wirtschaft/teilen-pv-strom-photovoltaik-ueberschuss-verkauf/403193032>
Ermittlungen gegen einen Landesenergieversorger wegen einer Auftragsvergabe
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Landesenergieversorger und den Geschäftsführer eines Mitbewerbers. Ein Photovoltaikunternehmen, das seit 2015 mit einem Diskonter zusammengearbeitet hatte, wirft dem Versorger vor, es habe sich auf dessen Wunsch aus einer Ausschreibung zurückgezogen – gegen die Zusage, den Bauauftrag zu erhalten. Den Auftrag für Anlagen auf den Dächern hunderter Filialen bekam am Ende ein anderes Unternehmen. Der Anzeiger beziffert den Gesamtschaden mit über 20 Millionen Euro. Der Versorger bestreitet die Darstellung und ist überzeugt, dass die Vorwürfe einer gerichtlichen Überprüfung standhalten werden.
Der Vorgang beschreibt ein bekanntes Risiko in Vergabeverfahren: Eine Zusage, die außerhalb des Verfahrens gegeben wird, um einen Bieter zum Rückzug zu bewegen, ist weder vergaberechtlich abgesichert noch leicht zu beweisen. Wer auf eine solche Absprache hin auf eine Teilnahme verzichtet, verliert zugleich die Rechtsschutzmöglichkeiten des Vergabeverfahrens.
Quellen:
- ORF.at, 24.09.2026 18:37 – <https://salzburg.orf.at/stories/3372554/>
Energiekongress: Stromverbrauch könnte sich bis 2040 nahezu verdoppeln
Auf dem Kongress der Elektrizitätswirtschaft stand der Umbau des Energiesystems im Mittelpunkt. Fachleute gehen davon aus, dass sich der Stromverbrauch in Österreich bis 2040 nahezu verdoppeln könnte; nötig sind dafür neue erneuerbare Erzeugungskapazitäten, ein massiver Netzausbau und zusätzliche Speicher, weil Wind- und Solarenergie nicht kontinuierlich zur Verfügung stehen. Der zuständige Minister verwies auf die beiden im Vorjahr beschlossenen Gesetzespakete zur Elektrizitätswirtschaft und zur Beschleunigung des Ausbaus und forderte eine Beschleunigung der Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie neue Wasser- und Pumpspeicherkraftwerke; Versorgungssicherheit und leistbare Energie hätten derzeit Vorrang. Die Regulierungsbehörde hob die Unterschiede zwischen Winter und Sommer sowie im Tagesverlauf hervor: Es werde immer wichtiger, wann und wo Strom bezogen wird.
Für Betriebe mit eigenem Anschluss ist die Aussage zur Verdoppelung des Verbrauchs die planungsrelevante: Wer in den kommenden Jahren Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen oder Produktionsanlagen elektrifiziert, sollte die Anschlussleistung frühzeitig beantragen. Die Wartezeiten beim Netzanschluss sind erfahrungsgemäß der Engpass, nicht die Anlage selbst.
Quellen:
- Die Presse, 25.09.2026 00:01 – <https://www.diepresse.com/41294097/der-umbau-des-energiesystems-kann-nur-gemeinsam-gelingen>
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