GEVEST-Pressespiegel vom 26.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Wohnrechtsnovelle, die Sanierungen in Mehrparteienhäusern anstoßen soll, hängt weiter an der Frage, wie die Kosten zwischen Mietern und Vermietern verteilt werden; das Wohnministerium lehnt ein „Raussanieren aus dem Richtwert“ ab, als Frist gilt eine Sitzung des Bautenausschusses am 2. Dezember. In Wien gelten acht Wohnprojekte mit rund 150 Einheiten als aufgegeben, bei 32 weiteren mit 770 Einheiten ist die Baubewilligung schon vier bis fünf Jahre alt. Die Bundesgebühren nach dem Gebührengesetz werden 2027 nicht valorisiert, Klimaticket und Vignette steigen um zwei statt 3,6 Prozent. IHS-Chef Holger Bonin stellt die automatische Anpassung der Mieten an die Inflation infrage und fordert nach Branchen differenzierte Lohnabschlüsse.
Immobilien & Wohnrecht
Wohnrechtsnovelle: Streit um Sanierungsanreize, Bautenausschuss am 2. Dezember unsicher
Die Wohnrechtsnovelle der Koalition, die die Dekarbonisierung von Mehrparteienhäusern beschleunigen soll, ist weiterhin nicht fertig. Ein Entwurf liegt nur für Erleichterungen beim Hitzeschutz vor, also für den Einbau von Klimaanlagen und Beschattung; die Beteiligten wollen diesen Teil aber nicht allein, sondern nur im Gesamtpaket beschließen. Eine Expertenrunde hatte seit dem Frühjahr einen Katalog mit 20 Punkten weitgehend beschlussreif ausgearbeitet.
Für Turbulenzen sorgte der Leiter der Abteilung für Wohnpolitik im Wohnministerium: Ein „Raussanieren aus dem Richtwert“ – höhere Mieten in umfassend sanierten Zinshäusern als Sanierungsanreiz, im Gegenzug ein Deckel für unsanierte, derzeit frei vermietbare Nachkriegsbauten – werde es nicht geben; möglich seien allenfalls Zuschläge auf den Richtwert, für unsanierte Nachkriegshäuser brauche es aber eine Mietzinsregulierung. Zur Erreichung der Klimaziele werde man um klare Sanierungsvorgaben an die Eigentümer kaum herumkommen. Die Bautensprecher von SPÖ und ÖVP betonen, weiter zu verhandeln; offen ist vor allem, wer die Sanierungskosten trägt. Als Frist gilt der 2. Dezember, an dem der Bautenausschuss tagen soll; ob der Termin hält, ist nicht sicher.
Für Vermieter von Altbauten ist das die zentrale offene Frage: Ohne Mietaufschlag nach Sanierung fehlt der Anreiz, mit gesetzlichen Sanierungsvorgaben droht dagegen eine Pflicht ohne Refinanzierung. Eine Studie im Auftrag von Verbänden der Immobilien- und Bauwirtschaft beziffert die Investitionen bei einer Verdoppelung der Sanierungsrate von 1,5 auf 3,0 Prozent bis 2040 mit 190,9 Milliarden Euro.
Quellen:
- Der Standard, 25.10.2026 13:21 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345749/wohnrechtsnovelle-wird-das-noch-was?ref=rss>
Wien: acht Wohnprojekte aufgegeben, weitere 32 hängen in der Schwebe
Eine Auswertung der Bauträger-Datenbank Exploreal für die Wiener Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder zählt in Wien acht Wohnprojekte mit zusammen rund 150 Einheiten, die als aufgegeben gelten, weil ihre Baubewilligung mindestens acht Jahre alt ist. Bei 32 weiteren Projekten mit 770 Wohneinheiten ist die Bewilligung vier bis fünf Jahre alt. Die lange Frist ergibt sich daraus, dass eine Wiener Baugenehmigung vor dem Ablauf auf Antrag um vier Jahre verlängert werden kann. Bei manchen stillgelegten Baustellen ist der Bauträger insolvent, die Baugenehmigung aber noch aufrecht; dann liegt die Sache allein beim Masseverwalter.
Ein gemeinnütziger Bauträger hat solche unfertigen Projekte geprüft, eine Übernahme scheiterte bisher am Preis. Fertige Eigentumswohnungen verkaufen sich derzeit langsamer.
Quellen:
- Der Standard, 25.10.2026 11:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345729/zu-hohe-preise-fuer-die-zahlreichen-gestrandeten-wiener-wohnprojekte?ref=rss>
Wirtschaft & Konjunktur
IHS-Chef Bonin: differenzierte Lohnabschlüsse, Indexierung der Mieten hinterfragen
IHS-Direktor Holger Bonin plädiert bei den Kollektivvertragsverhandlungen für nach Branchen differenzierte Abschlüsse und eine stärkere Berücksichtigung der jeweiligen Produktivität. Die Forderung der Gewerkschaft von 3,8 Prozent im Handel liege „am oberen Rand“ dessen, was für Teile der Branche erfüllbar sei; die Produktivität im Handel entwickle sich längerfristig negativ, Beschäftigte müssten bereit sein, sich umzuorientieren. Die Wirtschaft wächst laut IHS leicht, die Teuerung bleibt hoch.
Von Preiseingriffen hält Bonin wenig. Er stellt aber infrage, ob einzelne Bereiche wie die Mieten automatisch und eins zu eins an die Inflation gekoppelt sein müssen; um Wohnen günstiger zu machen, müsse vor allem mehr gebaut werden. Die angestrebten Einsparungen der Sozialhilfereform von 200 Millionen Euro hält er für realistisch. Der Gewerkschaftsbund weist die Kritik an den Kollektivverträgen zurück.
Quellen:
- ORF.at, 25.10.2026 16:10 – <https://orf.at/stories/3446132/>
- Der Standard, 25.10.2026 13:45 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345895/ausblick-im-handel-negativ-ihs-chef-bonin-fordert-differenzierte-abschluesse?ref=rss>
- Die Presse, 25.10.2026 13:50 – <https://www.diepresse.com/41390538/ihs-chef-bonin-fuer-differenzierte-abschluesse-bei-kv-verhandlungen>
Steuer- & Unternehmensrecht
Bundesgebühren 2027 nicht valorisiert, Klimaticket und Vignette plus zwei Prozent
Die Gebühren des Bundes nach dem Gebührengesetz werden 2027 nicht an die Inflation angepasst; das Gesetz ermächtigt den Finanzminister zur jährlichen Valorisierung, darauf wird verzichtet, eine Gesetzesänderung ist nicht nötig. Betroffen sind etwa Reisepässe, Personalausweise, Führerscheine, Zulassungsscheine, Strafregisterbescheinigungen und Patente; die Entlastung gegenüber voller Valorisierung wird mit 25 Millionen Euro angegeben. Die Gebühren waren im Juli 2025 um 48,2 Prozent angehoben worden, ein Reisepass kostet seither 112 Euro.
Klimaticket und Pkw-Jahresvignette werden um zwei statt um 3,6 Prozent erhöht. Wer die Vignette 2027 noch vor dem 1. Jänner kauft, zahlt den bisherigen Preis von 106,80 Euro statt 108,90 Euro; ein Klimaticket mit Gültigkeitsbeginn bis 31. Dezember kostet noch 1.400 Euro. Für Betriebe mit Fuhrpark lohnt der Kauf der Vignetten vor dem Jahreswechsel.
Quellen:
- Der Standard, 25.10.2026 07:35 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345864/teuerung-geb252hren-des-bundes-werden-2027-nicht-erh246ht?ref=rss>
- ORF.at, 25.10.2026 13:19 – <https://orf.at/stories/3446134/>
- Die Presse, 25.10.2026 14:34 – <https://www.diepresse.com/41390844/die-neue-kostenbremse-der-regierung-ein-neuer-pass-kostet-weiterhin-112-euro>
- Kurier, 25.10.2026 14:18 – <https://kurier.at/politik/inland/gebuehren-teuerung-klimaticket-vignette-kosten/403200886>
UVP-Novelle: Kritik an der Neuregelung für Rechenzentren
Gegen die geplante Novelle des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes regt sich Widerstand, vor allem gegen die vorgesehene Regelung für den Bau von Rechenzentren; die Kritik kommt aus sehr unterschiedlichen Richtungen.
Quellen:
- Kleine Zeitung, 25.10.2026 13:30 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41384684/pruefung-bei-rechenzentren-die-uvp-novelle-geht-am-ziel-vorbei>
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