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GEVEST-Pressespiegel vom 27.10.2026

Das Wichtigste in Kürze

Die Generaldirektoren der oberösterreichischen Banken halten nach der Leitzinsanhebung im September auf 2,5 Prozent einen weiteren Schritt um 0,25 Prozentpunkte im Dezember für wahrscheinlich, rechnen aber nicht mit einem dauerhaft steigenden Zinsniveau. Der europäische Gaspreis hat mit 97,64 Euro je Megawattstunde den höchsten Stand seit Ende 2022 erreicht und sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. In Deutschland ist der Ifo-Geschäftsklimaindex zum sechsten Mal in Folge gestiegen, die Inflation bleibt dort aber hartnäckig. Der scheidende FMA-Vorstand Helmut Ettl warnt vor einer Lockerung der Eigenkapitalvorschriften für Banken. Wien und Niederösterreich fordern die Abschaffung der Flugabgabe, das Finanzministerium verweist auf das Budget.

Immobilien & Wohnrecht

Grillen auf der Terrasse: Wohnungseigentum oder allgemeiner Teil der Liegenschaft

Ob man sich dagegen wehren kann, dass Nachbarn vor dem eigenen Fenster grillen, hängt nach Auskunft einer Wohnrechtsexpertin davon ab, ob die Terrasse einem Wohnungseigentümer zugeordnet ist oder zu den allgemeinen Teilen der Liegenschaft gehört. Für Hausverwaltungen ist diese Zuordnung damit der erste Prüfschritt bei Beschwerden über die Nutzung von Terrassen.

Quellen:

  • Kurier, 26.10.2026 06:00 – <https://kurier.at/wirtschaft/immo/wohnung-immobilien-mieter-verwalter-nachbar-griller-fenster-terrasse/403200211>

Wirtschaft & Konjunktur

Zinsen: Banken erwarten noch einen Schritt, aber keinen dauerhaften Aufwärtstrend

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins heuer mehrfach angehoben, zuletzt im September um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent; Treiber ist die von den Energiepreisen getriebene Inflation. Der Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich hält eine weitere Anhebung um 0,25 Prozentpunkte im Dezember für wahrscheinlich. Zugleich rechnen die Spitzen von Sparkasse Oberösterreich und Oberbank nicht mit einem auf Dauer steigenden Zinsniveau, weil die Inflationsprognosen für die kommenden Jahre bereits niedriger ausfallen und sinkende Energiepreise den Druck verringern würden.

Für die Praxis heißt das: Variabel verzinste Kredite – auch Wohnbau- und Objektfinanzierungen – werden spürbar teurer, während kurzfristige Veranlagungen von etwa einem Jahr wieder attraktive Zinsen bringen. Der Rat der Oberbank lautet, die derzeitigen Konditionen zu sichern.

Quellen:

  • ORF.at, 26.10.2026 18:16 – <https://ooe.orf.at/stories/3376796/>

Deutschland: Ifo-Index zum sechsten Mal in Folge gestiegen, Inflation bleibt hoch

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland, Österreichs wichtigsten Handelspartner, ist im Oktober von 89,9 auf 90,2 Punkte gestiegen, zum sechsten Mal in Folge. Die Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Lage etwas skeptischer, ihre Erwartungen aber positiver; getragen wird die Erholung von staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung, von der Elektroindustrie und dem Maschinenbau, weniger von der energieintensiven Industrie. Für heuer wird in Deutschland mehr als ein Prozent Wachstum erwartet.

Belastend bleiben die Inflation – die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für 2027 noch mit 3,2 Prozent – und die gestiegenen Öl-, Gas- und Strompreise. Ökonomen sehen den Konsum als Wachstumsstütze vorerst ausfallen; für die EZB-Sitzung dieser Woche wird mehrheitlich keine Zinsanhebung erwartet. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 3,37 Prozent.

Quellen:

  • Die Presse, 26.10.2026 16:30 – <https://www.diepresse.com/41392670/kommt-deutschlands-wirtschaft-wieder-in-die-gaenge>
  • Kleine Zeitung, 26.10.2026 10:58 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41392272/lichtblicke-konjunkturbelebung-in-deutschland-setzt-sich-fort>

FMA-Vorstand Ettl warnt vor Lockerung der Eigenkapitalregeln für Banken

Helmut Ettl verlässt nach 18 Jahren den Vorstand der Finanzmarktaufsicht und wird mit 1. November Exekutivdirektor beim Internationalen Währungsfonds. Als größtes Risiko für die Banken nennt er die weltweite Verschuldung auf Rekordniveau in Verbindung mit dem Lobbying der europäischen Banken für niedrigere Eigenkapitalanforderungen: Käme eine solche Lockerung, sänke die Widerstandskraft des Finanzsystems, während die hoch verschuldeten Staaten im Notfall kaum einspringen könnten. Gemessen an einem Finanzzyklus von rund 20 Jahren seit 2008 trete man jetzt in die gefährliche Phase ein.

Zur Kritik des Währungsfonds am politischen Einfluss im FMA-Aufsichtsrat verweist Ettl auf die Weisungsfreiheit der Aufsichtsratsmitglieder; die Entsendung durch die Wirtschaftskammer habe sich in der Praxis nicht als problematisch erwiesen.

Quellen:

  • Der Standard, 26.10.2026 06:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000344181/bankenaufseher-ettl-viele-haben-geglaenzt-und-sind-letztlich-im-gefaengnis-gelandet?ref=rss>

Anthropic reicht Prospekt für Börsengang ein

Das US-KI-Unternehmen Anthropic hat bei der Börsenaufsicht SEC die Unterlagen für seinen Börsengang an der Nasdaq unter dem Kürzel „ANT“ eingereicht; das Debüt wird bis Jahresende erwartet, Datum und angestrebte Bewertung nennt der Prospekt nicht. Im ersten Halbjahr betrug der Umsatz 16,3 Milliarden Dollar nach 1,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum; der Nettoverlust von 80,75 Milliarden Dollar geht großteils auf die bilanzielle Bewertung wandelbarer Finanzierungen zurück, bereinigt wird für das zweite Quartal ein Betriebsergebnis von 2,2 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der Börsengang gilt als Gradmesser für die Bereitschaft der Anleger, die schuldenfinanzierten Investitionen in künstliche Intelligenz weiter zu tragen, nachdem höhere Zinsen und ein Ausverkauf bei KI-Werten zuletzt Zweifel genährt haben.

Quellen:

  • Der Standard, 26.10.2026 15:14 – <https://www.derstandard.at/story/3000000346013/jetzt-ist-es-offiziell-anthropic-meldet-boersengang-an?ref=rss>
  • Die Presse, 26.10.2026 14:32 – <https://www.diepresse.com/41392621/anthropic-reicht-prospekt-fuer-geplanten-boersengang-ein>
  • ORF.at, 26.10.2026 15:30 – <https://orf.at/stories/3446223/>
  • Kurier, 26.10.2026 16:16 – <https://kurier.at/wirtschaft/anthropic-boersengang-prospekt/403200972>

Steuer- & Unternehmensrecht

Regierungsvorhaben im Herbst: Paketsteuer, Bürokratieabbau, Bundesstaatsanwaltschaft

Eine Übersicht über die offenen Vorhaben der Koalition nennt mehrere Punkte mit Praxisbezug. Die bereits geltende Paketsteuer, die die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel gegenfinanziert, wollen die NEOS noch kippen; als realistisch gilt das heuer nicht. Beim Bürokratieabbau stehen schnellere Genehmigungsverfahren, Novellen zur Gewerbeordnung, Umweltverträglichkeitsprüfungen und eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten auf der Liste; das One-Stop-Shop-Prinzip bei Gewerbeanmeldungen wird derzeit von den Ländern blockiert. Bei der Bundesstaatsanwaltschaft ist die SPÖ vom gemeinsamen Entwurf abgerückt und verlangt eine Überarbeitung, die Gespräche mit den Grünen sollen dennoch beginnen.

Bereits auf Schiene sind die Reform von Wehr- und Zivildienst sowie die Sozialhilfe, beide mit geplantem Inkrafttreten am 1. Jänner 2027, außerdem ein Klimagesetz in Begutachtung, ein Medienpaket mit jeweils 50 Millionen Euro für 2027 und 2028 und das Zukunftsdepot mit 500 Euro für jedes neugeborene Kind ab dem kommenden Jahr.

Quellen:

  • Der Standard, 26.10.2026 17:01 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345320/wo-es-im-herbst-in-der-koalition-krachen-koennte?ref=rss>

Flugabgabe: Wien fordert Bund formell auf, Finanzministerium verweist auf das Budget

Im Streit um die Flugabgabe von 12 Euro pro Ticket hat die Wiener Stadtregierung nun eine formelle Aufforderung an den Bund beschlossen, die Abgabe abzuschaffen. Das Finanzministerium hält Änderungen für budgetrelevant und will auf die Budgetplanung achten; 2025 brachte die Abgabe 179 Millionen Euro. Im Doppelbudget 2027/28 sind bereits 30 Millionen Euro Krisenhilfe für die Luftfahrt vorgesehen. Der Flughafen Wien verzeichnete im September um zwei Prozent weniger Passagiere als im Vorjahr.

Quellen:

  • Falter, 27.10.2026 05:30 – <https://www.falter.at/morgen/20261027/was-die-abschaffung-der-flugabgabe-bringt>

Sachspenden von Kunstwerken: In Österreich bis zehn Prozent abzugsfähig

Ein Vergleich der steuerlichen Behandlung von Schenkungen an Museen zeigt die engen Grenzen in Österreich: Sachspenden in Form von Kunstwerken an begünstigte Einrichtungen sind bei Privatpersonen bis zu zehn Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgabe, bei Unternehmen bis zu zehn Prozent des Gewinns des laufenden Wirtschaftsjahres als Betriebsausgabe abzugsfähig. Die Liste der begünstigten Einrichtungen führt das Finanzministerium, derzeit umfasst sie 26 Museen, darunter die Bundesmuseen. In den USA können dagegen bis zu 30 Prozent des Bruttoeinkommens geltend gemacht und nicht genutzte Beträge fünf Jahre vorgetragen werden.

Quellen:

  • Der Standard, 26.10.2026 14:06 – <https://www.derstandard.at/story/3000000343860/steueranreize-motivieren-zu-schenkungen-an-museen?ref=rss>

Energie & Bau

Gaspreis auf höchstem Stand seit Ende 2022

Der richtungweisende Terminkontrakt TTF für Erdgas stieg am Montag an der Börse in Amsterdam auf bis zu 97,64 Euro je Megawattstunde, fast drei Prozent mehr als am Freitag. Seit Monatsbeginn hat sich der Preis um etwa ein Drittel erhöht, seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Hauptgrund ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran samt der Sorge um die Straße von Hormus; dazu kommt das verstärkte Befüllen der deutschen Speicher, die derzeit zu gut 61 Prozent gefüllt sind gegenüber etwa 75 Prozent vor einem Jahr.

Weil Gas meist über länger laufende Verträge bezogen wird, kommen die Großhandelspreise erst mit Verzögerung bei den Haushalten an. Für Eigentümer und Verwalter gasbeheizter Objekte ist mit steigenden Heizkosten in den kommenden Abrechnungsperioden zu rechnen.

Quellen:

  • Der Standard, 26.10.2026 13:53 – <https://www.derstandard.at/story/3000000346007/europ228ischer-gaspreis-auf-knapp-98-euro-je-megawattstunde-gestiegen?ref=rss>
  • ORF.at, 26.10.2026 14:03 – <https://orf.at/stories/3446217/>
  • Oberoesterreichische Nachrichten, 26.10.2026 16:24 – <https://www.nachrichten.at/wirtschaft/europaeischer-gaspreis-so-hoch-wie-seit-2022-nicht-mehr;art15,4225918#ref=rss>
  • Kleine Zeitung, 26.10.2026 13:53 – <https://www.kleinezeitung.at/artikel/41392546/schon-bei-fast-100-euro-europaeischer-gaspreis-legt-kraeftig-zu>
  • Kurier, 26.10.2026 14:35 – <https://kurier.at/wirtschaft/gaspreis-europa-hoehenflug/403200949>

Windpark Großkrut-Altlichtenwarth: Ausbau um fünf Anlagen genehmigt

Nach positivem Abschluss der Umweltverträglichkeitsprüfung hat die niederösterreichische Landesregierung einstimmig fünf weitere Windräder mit je 7,2 Megawatt im Windpark Großkrut-Altlichtenwarth im Bezirk Mistelbach genehmigt. Der Ausbau soll jährlich rund 96.000 Megawattstunden Strom liefern, rechnerisch genug für mehr als 27.000 Haushalte; die Investition beträgt rund 50 Millionen Euro. Umgesetzt wird das Projekt von der EVN und der Wien-Energie-Tochter ImWind.

Quellen:

  • ORF.at, 26.10.2026 17:22 – <https://noe.orf.at/stories/3376891/>

Stromkabel aus Marokko nach Deutschland: neuer Anlauf für Wüstenstrom

Das Projekt Sila Atlantik will im Süden Marokkos Solar- und Windparks mit 15 Gigawatt samt Batteriespeichern errichten und über zwei Unterseekabel mit zusammen 3,6 Gigawatt auf 4800 Kilometern nach Deutschland liefern. Die Kosten werden auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt, knapp die Hälfte für das Kabel; das erste Kabel soll Mitte der 2030er-Jahre in Betrieb gehen. Zu den strategischen Investoren zählen Eon und Uniper; Marokko hat nach anfänglichem Zögern Unterstützung signalisiert, nachdem die Leitung für Strom in beide Richtungen geöffnet werden soll. Rund um das Mittelmeer sind weitere Verbindungen geplant, etwa das Kabel Elmed von Tunesien nach Sizilien ab 2028.

Quellen:

  • Der Standard, 27.10.2026 05:00 – <https://www.derstandard.at/story/3000000345380/neuer-anlauf-fuer-europas-traum-vom-billigen-wuestenstrom?ref=rss>

 

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